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„Exakte Grauzonen: 14 wundersame Verschränkungen von Mensch und Tier“ lautet der Titel der ersten Werkschau, in deren Zentrum Foto-Arbeiten der Künstlerin Juul Kraijer (im Bild) stehen. In ihnen verschwimmen die Hierarchien zwischen Mensch und Tier, sie hinterfragen die Grenzen zwischen den Spezies.

Die Welt aus einem anderen Blickwinkel

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
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Bei der Stiftung Nantesbuch dreht sich heuer alles um das Thema „Bestimmung“. Zudem gibt es ein neues Format, nämlich die „Blickpunkte Kunst und Natur“. Beim Frühlingsfest am 21. März können sich Besucher über alles informieren.

Bad Heilbrunn – Zum ersten Mal arbeitet die Stiftung Nantesbuch an ihren beiden Standorten – also in Bad Heilbrunn und das Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg – an einem gemeinsamen Jahresthema. Es lautet „Bestimmung“. Dahinter verbirgt sich das Bestreben, die beiden Standorte stärker miteinander in Verbindung zu bringen und als eine Institution darzustellen.

Wo liegen die Grenzen des Menschen? In welches System ordnet er sich ein und warum? Welche Folgen hat das? Was lässt sich bestimmen und was nicht? Und wo liegen die Grenzen der Natur? Welchen Regeln unterwirft sie sich, ja gibt es überhaupt welche? „Unsere beiden großen Motive, Kunst und Natur, bieten viele Möglichkeiten, Themen zu setzen und mit einem gemeinsamen Fokus das Programm zu gestalten“, sagt Wiebke Stadler, leitende Kuratorin des Bereichs Diskurs und Gesellschaft. „Wir möchten immer wieder aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreifen und diese im Spannungsfeld zwischen Kunst und Natur beleuchten. Beide Welten dienen dabei als Spiegel für den Menschen, der es ermöglicht, neue Blickrichtungen einzunehmen“, sagt die Kulturwissenschaftlerin. Es gehe aber nicht darum, den Begriff „Bestimmung“ selbst zu definieren. „Wir verstehen ihn eher als Ausgangspunkt, um verschiedene Fragen zu stellen.“ Es gehe sowohl um Bestimmung im naturwissenschaftlichen Sinn also auch um das Thema Schicksalshaftigkeit und die Rolle des Menschen auf der Welt.

Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Jahresprogramm, das bei einem Frühlingsfest am Samstag, 21. März, im Langen Haus in Bad Heilbrunn der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Über 40 verschiedene Veranstaltungen hat die Stiftung im Frühjahr und Sommer im Angebot. Bekannte Formate wie die „Erkundungen“, die „Feierabend“-Reihe und die „Impulse“ haben darin weiterhin ihren Platz. Neu hinzu kommen heuer erstmals die „Blickpunkte Kunst und Natur“: Die Stiftung Nantesbuch will künftig zwei kuratierte Werkschauen pro Jahr zeigen, die sich mit dem Jahresthema beschäftigen. „Das Lange Haus wird hier temporär zu einem Ausstellungsort“, sagt Pressesprecherin Anke Michaelis. Die erste Werkschau lotet die Grenzen zwischen Mensch und Tier aus. Unter dem Titel „Exakte Grauzonen: Wundersame Verschränkungen von Mensch und Tier“ werden fotografische Schwarz-Weiß-Arbeiten einer Skulptur gegenübergestellt, um in einen Dialog zu treten. Im Kern geht es darum, wo das menschliche Wesen endet und das tierische Sein beginnt. Bis zum 3. September gibt es zwei Mal im Monat Veranstaltungen hierzu.

Aber auch die Beschäftigung mit der Natur rund um das Lange Haus spielt im Jahresprogramm eine große Rolle. Heuer fällt der Blick auf den Garten und seine Bestimmung: Der kultivierte Garten, der wilde Garten und ein Luftgarten werden thematisiert. Wer bestimmt denn, wie ein Garten auszusehen hat, der Mensch oder die Natur? In der Reihe „Feierabend“ ist man mit Hans von Trotha „Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies“ (5. Mai), in der Erkundung „Garten 5.0“ geht es um die „Weisheit des Gärtners von morgen“ (4. Juli).

Das Interesse, die vielfältige Wald-, Wiesen- und Moorlandschaft, die von der Stiftung gepflegt, renaturiert und bewirtschaftet wird, kennenzulernen, sei ungebrochen, berichtet Pressesprecherin Anke Michaelis. Eine „Erkundung“ am 22. Mai beispielsweise lädt dazu ein, „die Magie der Welt unter unseren Füßen“ zu entdecken. Auch dabei wird das Jahresthema „Bestimmung“ eine große Rolle spielen.

Im Juli kommt bei einer Veranstaltung auch der technische Fortschritt mit ins Spiel. Im Impuls „Der berechnete Mensch: Was wird aus unseren Spuren“ (17./18. Juli) werden Künstliche Intelligenz und Algorithmen thematisiert. „Es geht darum, worauf wir Menschen selbst noch Einfluss haben, und wo Algorithmen bestimmen, was wir sehen und hören“, sagt Kuratorin Stadler. Dazu gibt es experimentelle digitale Musik.

Etwas Besonderes wird auch am 23. Juli geboten: Bei einem außergewöhnlichen Tanz-Projekt verwandelt sich der Bühnenboden in ein akustisches Instrument, so dass eine augenblickliche Symbiose von Tanz und Musik entsteht. Auf diese Veranstaltung mit dem Titel „Falling Matters“ (Reihe „Feierabend“) folgt am Wochenende dann ein „Impuls“, bei dem es um die gesellschaftliche Relevanz des Scheiterns geht.

Nantesbuch: Shuttle-Bus ist ein voller Erfolg

Ein voller Erfolg ist laut Michaelis übrigens der Shuttle-Bus, den die Stiftung zu den Veranstaltungen anbietet. „Aus Richtung Penzberg hat er sich total etabliert. Viele Besucher schätzen es, dass sie abends noch ein Gläschen Wein trinken können und dann sicher wieder nach Hause kommen.“ Auch die neue Haltestelle in München werde sehr gut angenommen. Künftig wird eine Fahrt jedoch drei Euro kosten: „Nur so können wir kontrollieren, wie viele ihn wirklich nutzen“, sagt Michaelis und betont: „Es ist immer noch die günstigste Möglichkeit, zu uns zu fahren.“ Beim Frühjahrsfest am 21. März werde jedoch kostenlos und an mehr Stationen geshuttelt, etwa aus Richtung Bad Tölz. Alle Informationen dazu stehen im Internet.

Noch ein Wort zu den Eintrittspreisen: Auch hier beschreitet die Stiftung einen anderen Weg als in der Region üblich. Die Besucher können selbst entscheiden, welchen Preis sie zahlen wollen: Den vorgeschlagenen, einen geringeren oder einen höheren. „Wir haben damit zuletzt gute Erfahrungen gemacht“, sagt Michaelis in Bezug auf Freiwilligkeit und Vertrauen. Künftig müsse niemand mehr an der Kasse sein Recht auf Ermäßigung nachweisen. „Wir hoffen, dass die Besucher auch in Zukunft selbst einschätzen, was sie leisten können und was nicht.“

Weitere Infos

und eine Übersicht über alle Veranstaltungen auf www.stiftung-nantesbuch.de. Das Frühjahrsfest am Samstag, 21. März, dauert von 10 bis 17 Uhr.

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