Auf dem 7000 Quadratmeter großen Areal sollen sechs Häuser gebaut werden. Es gibt spezielle Wohnformen für ältere Bürger. Das macht die Gemeinde zur Bedingung.
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Auf dem 7000 Quadratmeter großen Areal sollen sechs Häuser gebaut werden. Es gibt spezielle Wohnformen für ältere Bürger. Das macht die Gemeinde zur Bedingung.

Bad Heilbrunn

Ehemalige Promi-Klinik abgerissen: Kommune will jetzt ein neues Wohnkonzept verwirklichen

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die einst bekannte Leonardis-Klinik in Bad Heilbrunn ist seit wenigen Tagen Geschichte. Die Villa wurde abgerissen. Noch in diesem Jahr soll mit der neuen Bebauung begonnen werden. Das Konzept ist neuartig für die Kommune.

Bad Heilbrunn – Schon bei der Bauausschuss-Sitzung im Mai vergangenen Jahres war deutlich geworden, dass sich das Gebäude der einstigen Promi-Klinik in exponierter Lage nicht halten lassen wird (wir berichteten). Vor wenigen Tagen rückte nun die Abrissbirne an. Die Gemeinde und auch das Landratsamt waren laut Bürgermeister Thomas Gründl darüber informiert worden.

„Die Villa war in einem sehr schlechten Zustand. Es gab viele Feuchtigkeitsschäden“, sagt Johann Thierer, Geschäftsführer der Firma „MTP Wohn- und Gewerbebau“ in Günzburg, auf Anfrage des Tölzer Kurier. Die Substanz des Gebäudes sei „weder wertvoll noch sanierungsfähig gewesen“, sagt er etwa mit Blick auf den Brandschutz. „Leider musste auch eine Eiche gefällt werden.“ Ansonsten hätte man die geplante Tiefgarage auf dem Areal nicht verwirklichen können. Man werde jedoch Bäume nachpflanzen, und insgesamt werde das ganze Projekt „sehr ökologisch werden“, verspricht Thierer, und zwar auch in Bezug auf die Neubauten und deren Energietechnik. Man baue im Format des KfW-Effizienzhaus-Standards „40 plus“. Je kleiner dieser Wert, desto geringer ist der Energiebedarf der Immobilie. Thierer zufolge investiert seine Firma MTP über 20 Millionen Euro in Bad Heilbrunn.

Ein Bild aus alten Tagen: Die einst bekannte Leonardis-Klinik, in der sich unter anderem Popsängerin Cher, die Schauspielerin Farrah Fawcett sowie die Magier Siegfried und Roy, alle abgeschirmt von der Öffentlichkeit, behandeln ließen. 

Der Bauantrag wird erst in den kommenden Wochen im Gemeinderat auf dem Tisch liegen. Laut Bürgermeister gibt es jedoch schon einen genehmigten Vorbescheid. Thierer wiederum will die baulichen Details erst mit der Kreisbaubehörde absprechen, um den Räten einen „baureifen Plan“ vorzulegen. Nach den Sommerferien, hofft Thierer, hat er die Genehmigung auf dem Tisch, um dann zum Jahresende 2021 mit dem Bauen beginnen zu können.

Auf dem rund 7000 Quadratmeter großen Areal sollen zirka 35 Wohneinheiten geschaffen werden. Das neue Gesetz zur Abstandsflächenregelung komme der Situierung der Gebäude zugute, sagt Thierer. Drei Komponenten seien geplant: Zum einen barrierefreier Wohnraum für Menschen ab der Altersgruppe 60 plus. Angesprochen werde eine Klientel, die selbstbestimmt in der eigenen Wohnung den Lebensabend verbringe möchte, aber Platz für eine Betreuungsperson haben möchte. Für diese wird es eine Einliegerwohnung geben. Die zweite Komponente ist Wohnraum für Menschen, die laut Thierer „finanziell nicht so gut gesegnet sind“. Für sie werden Wohnungen mit 45 bis 85 Quadratmeter geschaffen. Die dritte Komponente ist ein Reihenhauskonzept für Familien. Auch hier stehe die „Wandlungsfähigkeit“ im Mittelpunkt, sagt Thierer. Die Räume sollen so gestaltet sein, dass man entweder das eigene Büro („Homeoffice“) unterbringe oder, je nach Lebensphase, erwachsene Kinder oder einen Elternteil zur Pflege.

Ähnliche Konzepte habe die Firma schon in Garmisch-Partenkirchen und Penzberg realisiert. „Solche multifunktionalen Systeme sind sehr gefragt“, sagt Thierer.

Die sechs Gebäude sollen eine Tiefgarage haben. Oberirdisch soll es so wenig (Besucher-)Parkplätze wie möglich geben, damit die Bewohner nicht nur von viel Grün umgeben sind, sondern auch Platz für Begegnung haben. „Für mich ist das Areal das schönste Grundstück in Bad Heilbrunn“, sagt Thierer.

Die Gemeinde hatte es zur Bedingung gemacht, dass Wohnraum für ältere Menschen entsteht, die dort in den eigenen vier Wänden auch betreut werden können. Aber auch für Familien soll Wohnraum geschaffen werden. „Das Verhältnis muss passen“, sagt Bürgermeister Gründl.

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