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In Bad Tölz gibt es seit Monaten regelmäßige „Fridays for Future“-Demonstrationen für mehr Klimaschutz.

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Noch herrscht in keiner Gemeinde „Klimanotstand“ - zumindest nicht offiziell 

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Den „Klimanotstand“ haben einige deutsche Städte ausgerufen. In Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es ähnliche Ansätze - auch ohne dieses Schlagwort.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Klimanotstand in Konstanz: Anfang Mai hat die Stadt am Bodensee beschlossen, alle Entscheidungen unter einen Klimavorbehalt zu stellen – das bedeutet, dass etwa Maßnahmen zur klimaneutralen Versorgung von Neubauten oder auch ein Mobilitätsmanagement für die ganze Stadt erarbeitet werden sollten.

„Ein ganz wichtiges Thema“, sagt Heilbrunns Bürgermeister Thomas Gründl. Die Gemeinde habe bereits vor Jahren einen Nutzungsplan aufgestellt, um aufzuzeigen, was möglich ist. In private Bauvorhaben einzugreifen, hält er allerdings für schwierig. „Hier ist der Staat gefordert, dass er bestimmte Maßnahmen fördert.“ Inzwischen gebe es viele Möglichkeiten, sein Anwesen so zu gestalten, dass man Geld spart und gleichzeitig das Klima schone. Das Bewusstsein sei schon stärker vorhanden. „Wir in Bad Heilbrunn arbeiten beispielsweise mit der Energiewende eng zusammen.“ Kurzfristig habe sich über einen Bürger ergeben, dass die Gemeinde im Herbst eine Veranstaltung anbieten kann, „wie man sich mit seinem Anwesen energieautark aufstellen kann“, so Gründl. Im Gemeinderat wird das Thema demnächst ebenfalls auf den Tisch kommen. „Ich bin dankbar, dass sich hier ein Bürger, der Experte auf dem Gebiet ist, einbringt.“

Wie passen die Forderungen nach Klimaschutz und bezahlbarem Wohnraum zusammen?

Auch in Wackersberg beschäftigt man sich mit dem Thema Klimaschutz. „Aber es ist nicht so einfach, diesen mit der Forderung nach bezahlbarem Wohnraum in Einklang zu bringen“, sagt Bürgermeister Alois Bauer. Denn eine schlichte Bauweise sei nicht mehr möglich. Der Standard für Wohnungsbau sei sehr hoch. Allerdings gibt es in seinen Augen auch manche Fehlentwicklung. Bauer, früher selbst in der Baubranche tätig, gibt ein Beispiel: „Es ist kontraproduktiv, wenn die Lebenszeit einer Dämmung kürzer ist als die Energie, die es gebraucht hat, sie herzustellen.“ Beim neuen Mehrgenerationenhaus habe man ganz aktuell darauf geachtet, dieses energieneutral zu bauen.

Anstatt Wärmedämmung könne man auch an anderen Ecken etwas machen, sagt Bauer. Beispielsweise habe man vor einiger Zeit versucht, den Bereich Burgstein ans Nahwärmenetz anzuschließen. „Aber die Bevölkerung war da noch nicht so weit.“ Ein neuer Versuch soll folgen. Jeder könne selber etwas zum Klimaschutz beitragen. „Natürlich kostet das erst mal Geld, aber danach spart man auch wieder.“ Er würde sich wünschen, dass jeder überlege, was er für sich tun könnte. „Es wird zu viel diskutiert und zu wenig gemacht, das stört mich.“ Es sei so einfach etwa mit dem Radl statt mit dem Auto zum Brezenholen zu fahren.

Klimanotstand: Für Bad Tölz aktuell kein Thema

Einen Klimanotstand wird man auch in Bad Tölz nicht ausrufen, sagt Sprecherin Birte Otterbach. „Das ist für uns derzeit kein Thema.“

Das ist es auch in Kochel am See nicht. Trotzdem hat Bürgermeister Thomas Holz das Thema im Blick – „und das nicht erst seit den Fridays for Future“. So schaue man bei Sanierungen von eigenen Gebäuden auf eine möglichst große Energieeffizienz. So speise man nun beispielsweise die Kindertagesstätte mittels Fernwärmeleitung aus der Heizanlage der Heimatbühne. Zudem stelle man gerade die Straßenbeleuchtung auf LED um. „Ein wesentliches Thema ist der Öffentliche Personennahverkehr“, sagt Holz. Dass Gäste mit Kurkarte kostenlos Bus fahren, verringere den Individualverkehr. Dazu trägt auch die verbesserte Abstimmung zwischen Zugankunfts- und Busabfahrtzeiten unter anderem Richtung Walchensee bei.

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Überlegt wird in Kochel auch, ob auf den Sitzungsvorlagen im Gemeinderat die klimatechnischen Auswirkungen einzelner Maßnahmen angegeben werden können. Hier sei man allerdings „noch ganz am Anfang der Überlegungen“. Natürlich sei es aber wichtig, so Holz, „dass das Thema Klimaschutz in die Köpfe muss“.

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Klimanotstand? „Nein, das war bei uns noch kein Thema“, sagt der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl. Gleichwohl ist die Gemeinde an einigen Projekten dran, die zur Energiewende beitragen, wie Weindl jüngst in der CSU-Versammlung erläuterte.

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Die Umstellung der Beleuchtung in den Schulen auf LED gehört hier genauso dazu wie das Nahwärmenetz, dessen Bau gerade läuft. Künftig versorgt die Hackschnitzelanlage an der Schule zahlreiche gemeindliche Einrichtungen mit Wärme. Fast abgeschlossen ist auch die Umstellung der Kläranlage. Hier wird dann aus Faulgas Strom erzeugt.

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