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Information aus erster Hand: Stefan Vogt (re.) vom Straßenbauamt Weilheim stellt bei der Ortsteilversammlung im Feuerwehrhaus in Obersteinbach die Auswirkungen der Bundesstraßen-Sperrung vor. 

Ortsteilversammlung

Obersteinbacher wollen zwei Ampeln

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Die Vollsperrung der Bundesstraße 472 beschäftigt die Menschen im Loisachtal. Dies wurde auch bei einer Informations- und Ortsteilversammlung im Obersteinbacher Feuerwehrhaus deutlich. Der Saal war mit 50 Zuhörern voll besetzt, und es gab Dutzende Wortmeldungen. Die wichtigste Erkenntnis: Mit 38 Ja- und 5 Nein-Stimmen beschlossen die Anwohner, dass zwei Ampeln aufgestellt werden.

Obersteinbach– Die Frage, ob Ampeln installiert werden, führte zu kontroversen Diskussionen. Bauamts-Leiterin Susanne Bichlmayr erläuterte zunächst die Fakten. Um von der einen zur anderen Ampel zu kommen, müssen die Autofahrer 1,2 Kilometer zurücklegen, und das mit Tempo 30. „Wir sind die Strecke abgefahren und haben etwa drei Minuten gebraucht“, sagte Bichlmayr. Wenn man davon ausgehe, dass in einem Ampel-Zyklus neun bis zehn Autos starten, müsse ein Intervall vier bis fünf Minuten dauern. „Da können wir ja gleich einen Brotzeit-Stand aufstellen“, rief ein Versammlungs-Teilnehmer etwas sarkastisch und hatte die Lacher auf seiner Seite. Ebenfalls für Schmunzeln sorgte ein Landwirt mit seinem Zwischenruf: „In dreieinhalb Minuten schaffe ich es aber nicht, dass ich meine Kühe da entlang treibe.“

Stefan Vogt vom Straßenbauamt sieht derart lange Ampel-Intervalle mit Skepsis. „Wenn ich vier oder fünf Minuten an einer roten Ampel stehen muss, dann gehe ich davon aus, dass sie kaputt ist. Vor allem wenn man die andere Ampel nicht sieht.“ Schon eine Minute sei für viele gefühlt eine lange Zeitspanne. Vogt fürchtet, dass manche Autofahrer an einer roten Ampel irgendwann einfach losfahren. Bichls Bürgermeister Benedikt Pössenbacher berichtete, dass in seiner Gemeinde vor vier Monaten die gleichen Diskussionen geführt worden seien. Zunächst habe er für die Ampel plädiert, dann habe er sich umstimmen lassen. Das Hauptargument: Eine Ampel trifft die Einheimischen am meisten. „Wenn man nur morgens in die Arbeit fahren muss und abends wieder heim, dann kann man fünf Minuten Wartezeit schon aushalten. Aber es gibt auch Bichler, die dorthin und dorthin fahren müssen.“ Und dann summiere sich die Wartezeit. Er warnte: „Ihr schränkt euch selber ein.“ Was hinzukomme: Ampeln sorgen für Lärm und Wartezeit.

„Ich verstehe, was du meinst“, entgegnete Gemeinderat Josef Schwaller. Die Situation in Bichl und Obersteinbach sei aber nicht vergleichbar, „denn wir haben in Obersteinbach drei Engstellen, in denen nur ein Auto durchpasst.“ Hinzu komme, dass die Ampeln außerhalb des Orts stehen und die Bewohner so nicht durch Abgase und Lärm gestört werden.

Bürgermeister Thomas Gründl verwies auf die Erfahrungen in Mürnsee, wo eine Lösung ohne Ampel unmöglich gewesen sei. „Aber Mürnsee kann man doch überhaupt nicht mit Obersteinbach vergleichen“, entgegnete ein Teilnehmer. „Durch Obersteinbach fahren alle aus Benediktbeuern, Kochel, Tölz und Ried, die zur Arbeit wollen.“

Etliche Zuhörer fürchten zudem, dass die Staus länger als gedacht ausfallen und die einspurige Brücke für den Gegenverkehr damit unpassierbar wird. „Wenn es nicht hinhaut, kann man die Ampel auch versetzen“, entgegnete Bichlmayr. Rückendeckung bekam sie von einem Zuhörer, der feststellte: „Eine Ampel ist das geringste Übel. Wenn zwei Autos nebeneinander durch Steinbach fahren, wäre das schon sehr gewagt.“ Keine Zustimmung fand der Vorschlag, die drei Engstellen während der Zeit der Sperrung zu entfernen: „Das sehe ich sehr kritisch“, entgegnete Gründl. Eine Zuhörerin befand, allein schon wegen der zahlreichen Radfahrer gehe es nicht ohne Ampel. Ein weiterer Zuhörer pflichtete ihr bei: „Es ist dunkel, es gibt keinen Bürgersteig, Fußgänger und Radfahrer sind unterwegs: Soll man dann durch die Wiese durchgehen?“ Diese Frage griff Feodor Schraml auf: „Bei jedem Gartenfest werden die Wiesen mit einem Band abgesperrt. Man muss einfach rechts und links einen zwei Meter breiten Weg abstecken. Dazu wäre jeder Landwirt bereit.“

Nach der langen und kontroversen Diskussion fiel die Abstimmung deutlich zugunsten zweier Ampeln aus. Sie sollen aber nachts ausgeschaltet bleiben.

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