+
Rund 400 Zuhörer genossen am Samstagabend das Konzert.

Open-Air-Konzert der Stiftung Nantesbuch

Gänsehaut und Begeisterung bei Sonnenuntergang

Einzigartige Momente erlebten die rund 400 Zuhörer beim Open-Air-Konzert der Stiftung Nantesbuch mit „Franui Musicbanda“ und der Tölzer Stadtkapelle.

Bad Heilbrunn – Nantesbuch sei der Ort für Begegnung mit Kunst und Natur, so steht es in einer Broschüre. Das Open-Air-Konzert samt Lesung am Samstagabend stellte dies eindrucksvoll unter Beweis. Mitreißende Prosa von John von Düffel, klassische Musik neu bearbeitet und zwei Ensembles der Spitzenklasse, nämlich „Franui Musicbanda“ aus Osttirol und die Tölzer Stadtkapelle, begeisterten die zahlreichen Zuhörer auf der Anhöhe in Karpfsee, unter ihnen übrigens auch Stiftungsgründerin Susanne Klatten.

Autor John von Düffel ist an zwei Flüssen aufgewachsen. Das Leben und Sterben seines Großvaters hat er in seinem Buch „Vom Wasser“ niedergeschrieben. Von Düffel erzählt in beeindruckend bildreicher Sprache vom Wasser, dem darin wohnenden Geist Harkemann und seinem Großvater, der auf einer Insel eine Papierfabrik aufbaute. Eines Nachts stürzt der Fabrikant aus Unachtsamkeit in den Fluss, ertrinkt und seine Leiche wird erst Tage später entstellt gefunden.

Lesen Sie auch: Tölzer Stadtkapelle drittbestes Blasorchester Bayerns

Von Düffel stellte den Harkemann als mächtigen, unheimlichen Gegner zum Großvater dar. Er zog die Zuhörer mit seiner unaufgeregten und doch eindringlichen Vorlesung in seinen Bann und führte sie über den Vater-Sohn-Konflikt bis zum Auffinden der Leiche zu blankem Grauen.

Rund 60 Musiker standen auf der Bühne.

Zwei Mitglieder von „Franui Musicbanda“, Andreas Schett und Markus Kraler, schrieben für diese Lesung klassische Musik und bedienten sich bei Komponisten wie Johannes Brahms, Franz Schubert, Richard Strauss und Gustav Mahler. Die insgesamt zehn Musiker des Ensembles holten sich für die Aufführung in Nantesbuch zudem Unterstützung der rund 60-köpfigen Tölzer Blaskapelle. So erlebten die Gäste am Samstagabend eine gewaltige musikalische Bandbreite vom filigranen Violinsolo bis hin zu mächtiger Blasmusiksinfonie.

Trauermarsch mit beschwingten Takten

Die Musik ging nicht immer mit dem Vorgelesenen konform. Zur Suche nach dem Vermissten im Wasser erklangen „nach Bela Bartok 44 Duos für 2 Violinen“. Diese Musik erinnerte eher an geschäftig-fröhlich durcheinanderlaufende Menschen. Und im Trauermarsch „Teure Mutter“ erlaubte die Bearbeitung auch beschwingte Tanztakte.

Aber stets begeisterte die Musik, sei es die sinfonische Größe der Tölzer Stadtkapelle, die das Ensemble mit Richard Strauss’ „Allerseelen“ oder Beethovens „Marcia funebre“ zu Gehör brachte, oder sei es mit dem überraschenden, weil so vielfältigen Klang von Franui. Letztere brachten Hackbrett, Harfe, Violine, Bläser und andere Instrumente zusammen. Und doch blieb der Eindruck eines künstlerischen Abends aus einem Guss, obwohl die drei ausführenden Parts ganz unterschiedliche Gattungen vertraten.

Franui sang stellenweise mehrstimmig. Manchmal untermalte die Musik die Lesung dezent, manchmal überraschte das Programm mit promptem Wechsel von Musik zu Wort. Spielten die Ensembles zusammen, dirigierte Andreas Schett von „Franui Musicbanda“ einhändig.

Amseln mischen sich zu den Bläsern

Die Natur mischte sich ebenfalls unter die Musiker – so eine Amsel zu den Bläsern, die Grillen zum Trommelwirbel. Trotz gruseligen Prosastellen genoss das Publikum einen malerischen Sonnenuntergang vor Bergkulisse. Die Zugabe allerdings ließ erahnen, was für ein unterhaltsames Programm die beiden Musikensembles noch gemeinsam erarbeiten könnten: „Lossts ’n obi und werft’s Stoana drauf, sonst steht er uns am End‘ wieder auf“, sang Franui mehrstimmig zu ihrem „schönsten Trauermarsch“, der beim Wirt entstanden war. Mit begeistertem Schlussapplaus entließ das Publikum die Aufführenden.

Birgit Botzenhart

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare