Kurhotel Bad Heilbrunn, Thomas Gründl (Foto: Arndt Pröhl)
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Rundgang: Bürgermeister Thomas Gründl führt durch die Eingangshalle des Kurhotels. Boden und Vorhänge haben die besten Zeiten hinter sich.

Ehemaliges Kurhotel

Charme des Verfalls

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Bad Heilbrunn - Wo einst Kur und Erholung geboten waren, sind heute Staub und Moder. Ab 26. Oktober werden das ehemalige Kurhaus und die Wandelhalle abgerissen. Doch zuvor können Bürger sich bei einem Fest davon verabschieden. Ein Blick hinter die Holzkreuze.

Flauschiger Bademantel, Panoramasauna mit feinem Zitrusduft und ein kleiner Wasserfall, der sanft im Hintergrund plätschert. Mit einem Wellnesshotel von heute hat das ehemalige Kurhotel in der Heilbrunner Ortsmitte wenig zu tun. Eigentlich überhaupt nichts.

Bürgermeister Thomas Gründl steht an der Rückseite des mächtigen Gebäudes in der Badstraße und sperrt das Vorhängeschloss auf. Es verriegelt die Terrassentür, durch die seit dem Jahr 1982 kein Gast mehr gegangen ist. Wie alle Fenster ist auch die Terrassentür mit Brettern und einem Holzkreuz vernagelt.

Mit sanftem Druck stößt Gründl die Tür auf. „Hereinspaziert“, sagt der Bürgermeister. Einladend ist das ehemalige Kurhotel, das seit knapp zwei Wochen der Gemeinde gehört, allerdings nicht. Die wenigen Lichtstrahlen des tristen Herbsttages fallen in den alten Speisesaal, im Flur dahinter ist es düster. Strom gibt es in dem Hotel schon lange nicht mehr. Es riecht wie ein löchriger Tweed-Mantel, der feucht geworden ist. „Im Sommer, als es so heiß war, war es unerträglich“, sagt Gründl.

Die Gemeinde will trotzdem beim Ab-/Aufbruchfest (siehe unten) Führungen durch das ehemalige Kurhotel anbieten. „Es gehört uns allen“, sagt der Bürgermeister. In den vergangenen Jahren habe jeder Bürger nur die Holzkreuze gesehen. „Es ist einfach interessant, mal reinzuschauen“, sagt Gründl. Das macht er selbst regelmäßig, seit er den Schlüssel hat – aus Neugier. Fehlen wird ihm das Gebäude aber nicht, wenn es am 26. Oktober abgerissen wird. „Es gab Zeiten, da wusste ich nicht, ob wir das noch schaffen“, so Gründl. Jetzt kann er sich mit den Rathausmitarbeitern auf einen freien Blick auf den rund 20 000 Quadratmeter großen Park mit efeubewachsenen Bäumen freuen. Die sind wegen der Holzbretter freilich nicht von der Empfangshalle aus zu sehen, in der Gründl inzwischen steht. Dafür fällt das Licht seiner Stirnlampe auf senfgelbe Vorhänge, die dort vermutlich seit den 1960er-Jahren hängen. Damals wurde das Kurhaus, Baujahr 1877, umgebaut, und der Charme steckt noch immer in den Mauern. Allerdings auch einiges andere. „Beim Gutachten wurde Blei und Asbest gefunden.“

Möbel sind nicht mehr übrig – bis auf den holzbraunen Empfangstresen und ein paar Badewannen, die im ehemaligen Speisesaal abgestellt sind. Dazwischen führt ein Aufzug, nicht breiter als ein gewöhnlicher Türstock, in den Rest des Hauses. „In den Keller können wir nicht. Da ist ein Tunnelsystem mit Leitungen, wo man nicht mehr rausfindet“, berichtet Gründl.

So steigt er über die beige Marmortreppe mit gusseisernem Geländer nach oben zu den Zimmern. Sie gehen von dem Korridor ab, der so lang ist, dass das Ende kaum zu sehen ist. Die Tür von Nummer 105 steht offen: ein Stück Decke bröckelt auf den giftgrünen Teppich. Im angrenzenden Bad steht noch ein Zahnputzbecher auf dem Waschbecken neben der Dusche. „Damals war es nicht selbstverständlich, dass jedes Zimmer ein Bad hat“, sagt Gründl. Doch die Zeiten ändern sich. „Heute hat fast jeder seinen Wellnessbereich daheim.“

Ab-/Aufbruchs-Fest in der Wandelhalle

Bevor das Kurhaus und die dazugehörige Wandelhalle abgerissen werden, feiert Bad Heilbrunn am Sonntag, 25. Oktober, ein Ab-/Aufbruchfest – eine Erinnerung an frühere Dorffeste. Beginn ist um 15 Uhr in der Wandelhalle, die zu diesem Anlass ein letztes Mal hergerichtet wird. Im Eingangsbereich gibt es Kuchen und Gegrilltes vom Katholischen Frauenbund und dem Burschenverein. Die Musikkapelle Bad Heilbrunn spielt in der Halle, an deren Ende der Trinkbrunnen aus Kurzeiten steht. Im anderen Teil der Wandelhalle sind noch die Massagekabinen mit Badewannen zu sehen. Ab 16 Uhr halten Staatssekretär Gerhard Eck, Bürgermeister Thomas Gründl, Altbürgermeister und Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber sowie Landrat Josef Niedermeier Ansprachen. Außerdem führt die Gemeindearchivarin parallel zum Fest stündlich durch das ehemalige Kurhotel (siehe oben). Für die Führung braucht jeder seine eigene Taschen- oder Stirnlampe.

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