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Amphibienschutz an der Bundesstraße 13 bei Lenggries-Anger: Das Staatliche Bauamt lässt am Straßenrand Betonfertigteile einbauen. Die Befestigungen sollen die Frösche und Kröten bei ihrer Laichwanderung zu den Durchlässen an der viel befahrenen Straße leiten. Auf die mobilen Schutzzäune kann so künftig verzichtet werden.

Amphibienwanderung 

So kommen Frösche sicher über die Straße

Sie lieben es feucht und schlüpfrig, nicht zu kalt und am liebsten dämmrig: Für Amphibien beginnt jetzt wieder die große Wanderzeit. Das bedeutet für etwa 110 Helfer des Bund Naturschutz im Landkreis verstärkten Einsatz am Straßenrand, um die Tiere sicher auf die andere Seite zu transportieren. Autofahrer sollten in den kommenden Wochen besonders vorsichtig unterwegs sein.

Bad Tölz-Wolfratshausen „Hier herrscht Lebensgefahr“, sagt Achin Rücker, Zweiter Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, „und zwar nicht nur für die Frösche und Kröten.“ Die Helfer, die in der Dämmerung nach Fröschen und Kröten Ausschau halten, sind laut Rücker den Gefahren des Straßenverkehrs verschärft ausgesetzt.

Beispielsweise an einer Teilstrecke am Stallauer Weiher, an der es keine festen Querungshilfen für Amphibien gibt. An solchen Stellen werden provisorische Krötenzäune parallel zur Straße aufgestellt, in die die Tiere hineingeraten und von wo sie letzlich in Fangeimer fallen. Mindestens einmal täglich ist während der Wanderzeit eine Kontrolle der Eimer nötig. Die aufgefangenen Tiere werden registriert, bevor sie auf der anderen Straßenseite wieder ausgesetzt werden.

Die Anzahl der Erdkröten, Grasfrösche oder Laubfrösche zu kennen, ist insofern wichtig, als es Fördermittel von der Regierung für die Amphibiensammler gibt, und die Höhe dieser Gelder sich auch nach der Anzahl der Amphibien richtet – nach Arten geordnet. Eine große Aufgabe, bestätigt Monika Schotte, Geschäftsstellenleiterin des Bund Naturschutz. Immerhin handelte es sich im vergangenen Jahr um 30 000 Tiere, die gezählt und verwaltet werden mussten. „Im Landkreis gibt es etwa 16 dieser Sammelstellen“, erklärt Schotte. „Das bedeutet eine Menge Bürokratie.“ Abgerechnet werden können Material- und Fahrtkosten, aber auch ein geringer Lohn für die Helfer.

Warum eigentlich machen sich Frösche und Kröten Jahr für Jahr auf die beschwerliche und gefährliche Wanderung? „Das liegt in ihrer Natur. Die Tiere wollen sich fortpflanzen und kommen zum Laichen an das Wasser“, sagt Rücker. „Und sie gehen da hin, wo sie selbst geschlüpft sind.“ Danach machen sie sich wieder auf den Rückweg in Wälder, Wiesen oder Gärten, was ebenso von den Helfern begleitet wird. „Da muss man schon mal aufpassen, dass man die Eimer nicht verwechselt“, so Rücker lakonisch.

Um die Population der heimischen Amphibien zu schützen, gibt es allerdings auch feste Leiteinrichtungen. Dabei handelt es sich um niedrige Betonwände am Straßenrand, die die Tiere nicht überwinden können. So wandern sie an dieser Mauer entlang, bis sie zu einem Tunnel geraten, durch den sie unter der Straße sicher auf die andere Seite gelangen können. Diese Leiteinrichtungen gibt es beispielsweise in Ort, am Stallauer Weiher auf Höhe Wiesweber und ganz neu an der B 13 in Lenggries-Anger bei der Hirschbachbrücke. Die Bauzeit dauerte etwa fünf Monate. Es waren Kosten in Höhe von 650 000 Euro veranschlagt. Die Leiteinrichtung ist 680 Meter lang und hat drei Durchlässe. Eine davon ist aufwendiger gebaut, denn dort fließt der Mühlbach durch. „Dort sind Laufflächen seitlich, ähnlich wie Gehwege“, erklärt Stefan Vogt, Sachgebietsleiter beim Bauamt Weilheim. Eine kleine Amphibienbrücke soll zudem das sichere Überqueren des Hirschbachs gewährleisten. In dieser Gegend herrscht ziemlich reger Froschverkehr, denn es kommen Tiere aus den Isarauen, die zum Weiher wollen, aber auch solche, die die umgekehrte Richtung nehmen.

Der Lenggrieser Franz Speer hat im vergangenen Jahr am Wanderparkplatz Hohenburg eine selbst gebaute Schleuse getestet. Dazu werden zwei Holzschuber ausgezogen und auf die Straße gelegt – was bedeutet, dass man die ohnehin nur schwach befahrene Straße kurzfristig sperren muss. Das System hat sich bewährt und wird wieder zum Einsatz kommen – sobald die ersten Frösche und Kröten wieder auf Freiersfüßen unterwegs sind.

Ines Gokus

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