+
Von oben draufgeschaut: Pflöcke markieren die Kurven, die der Bach künftig nehmen soll. Die dunkle „Linie“ zeigt den jetzigen geraden Bachverlauf.

Stiftung Nantesbuch

Eine kurvenreiche Schönheit: Haselbach wird renaturiert

  • schließen

Kurven sind schön. Nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Bächen. Deshalb hat die Stiftung Nantesbuch mit der Renaturierung des Haselbachs zwischen Heilbrunn und Königsdorf  begonnen.

Bad Heilbrunn/Königsdorf – Einst schlängelte sich der Haselbach in vielen kleinen Windungen und Schleifen durch die Wiesen zwischen Gut Nantesbuch und Königsdorf. Manchmal trat er über die Ufer, überschwemmte einige Flächen, bot aber vielfältigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Dann kam der Mensch. Seinem Hunger nach nutzbaren und vor allem einigermaßen trockenen Weideflächen musste die Natürlichkeit des Bachs ab etwa 1850 weichen. Heute zieht er sich beinahe schnurgerade durch die Wiesen. Das aber soll sich jetzt ändern: Die Stiftung Nantesbuch, der das weitläufige Areal seit 2013 gehört, hat mit der Renaturierung eines 1,1 Kilometer langen Bachabschnitts begonnen. 1,4 Kilometer wird er lang sein, sobald er seine Kurven zurück hat.

Eine Karte aus dem Jahr 1811 bilde die Grundlage der Planung, erklärt Stiftungs-Geschäftsführer Konstantin Reetz beim Ortstermin. Uwe Feickert vom Landschaftsplanungsbüro U-Plan ist federführend für das Projekt zuständig. „Wir machen rückgängig, was der Mensch vor 150 Jahren verändert hat“, sagt er. Die „schönen Mäander“ aus der Karte wurden bereits in die Natur „übertragen“. Neben dem jetzigen Bachlauf sind mit Pflöcken die Kurven markiert, die das Wasser künftig nehmen soll. Starthilfe braucht es dabei natürlich erst einmal von einem Bagger, der das 1,35 Meter breite Bett anlegt. Die Sohle wird sich übrigens 20 Zentimeter höher als jetzt befinden. Um dieses Stück hat sich der Bach in vergangenen Jahrzehnten eingetieft, weil das Wasser in dem begradigten Verlauf schneller abfloss. „Jetzt wollen wir die Sohle wieder auf das historische Niveau heben“, sagt Feickert. Dazu werde Kies aus der Loisach eingebracht, ergänzt Joachim Strobel, Leiter des Bereichs Natur und Landschaft bei der Stiftung Nantesbuch. Die Hauptarbeit soll aber der Bach selbst leisten: „Er soll sein Bett modellieren, mit flacheren und steileren Stellen“, erklärt Feickert.

Wenn es die Witterung zulässt, soll die Renaturierungsmaßnahme bis Ende Januar/Anfang Februar abgeschlossen sein. Das wäre wichtig, um nicht die Laichzeit der Fische zu stören. Von denen gibt es einige im Haselbach, wie eine Elektrobefischung zeigte. „Der Bestand ist erstaunlich gut“, sagt Strobel. Bachforellen, Mühlkoppen, Bachschmerlen oder auch der namensgebende Hasel leben in dem Gewässer. Für sie wird im Zuge der Renaturierung auch Totholz eingebracht, um mehr Unterstandmöglichkeiten zu bieten.

In Kauf genommen wird, dass der Haselbach künftig bei Hochwasser über die Ufer tritt und neu geschaffene Retentionsflächen überflutet. Das wurde im Königsdorfer Gemeinderat bei der Beratung vor gut einem Jahr mit einiger Skepsis zur Kenntnis genommen. Die Gemeinderäte befürchteten, dass die Renaturierung negative Auswirkungen auf weiter entfernt liegende Flächen, die nicht im Besitz der Stiftung sind, haben könnte. Nur ganz knapp stimmten sie der Maßnahme seinerzeit zu. Feickert beruhigt: Dass die Renaturierung keine negativen Auswirkungen auf die Nachbarn hat, habe nicht zuletzt das Wasserwirtschaftsamt im Genehmigungsverfahren geprüft.

Angesät werden die Retentionsflächen mit einer Mischung, die 30 Prozent Blühpflanzen enthalte, sagt Strobel. „Es wird hier also deutlich bunter werden.“ Das ist gut für die Bienen und andere Insekten, aber auch für die Vogelwelt. Bekassinen, Schwarz- und Braunkehlchen sollen dort künftig ihren Lebensraum finden. „Wir schaffen hoffentlich ein blühendes Tal“, sagt Strobel.

Dass das Gewässer einige Flächen im Haselbachtal zurückerobern darf, ist auch deshalb möglich, weil die Wiesen nicht mehr so intensiv beweidet werden. „Früher gab es hier Jungvieh in sehr hoher Anzahl“, sagt Geschäftsführer Reetz. Die Stiftung setzt seit Sommer 2015 auf eine ganzjährige Beweidung durch gerade einmal zehn Auerochsen. Seit April hat sich zu ihnen eine kleine Herde Exmoor-Ponys gesellt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

150 Teilnehmer diskutieren über Alpenflüsse: Nicht immer Einigkeit, aber zumindest Dialog
Bei einem Renaturierungsprojekt in Kochel-Brunnenbach klaffen die Vorstellungen von Wasserwirtschaftsamt und Landwirten auseinander: Eines von vielen Beispielen für …
150 Teilnehmer diskutieren über Alpenflüsse: Nicht immer Einigkeit, aber zumindest Dialog
Tölz-Live: Mönch aus Äthiopien besucht Hohenburg und Veranstaltungstipps 
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz-Live: Mönch aus Äthiopien besucht Hohenburg und Veranstaltungstipps 
Sportpark-Einweihung: „Ein Tölzer Aushängeschild“ wird gefeiert
Am „höchsten und sportlichsten Punkt von Bad Tölz“ trafen sich am Samstag zahlreiche Besucher, um vor dem Eisstadion auf der Flinthöhe die Einweihung des Sportparks mit …
Sportpark-Einweihung: „Ein Tölzer Aushängeschild“ wird gefeiert
Die Wahl im Stimmkreis 111 im Live-Ticker:  Wo war die Wahlbeteiligung am höchsten?
Die Auszählung hat begonnen. Gespannt werden die ersten Ergebnisse aus dem Stimmkreis erwartet. Wie das Tölzer Land wählt und alle Reaktionen und News dazu, berichten …
Die Wahl im Stimmkreis 111 im Live-Ticker:  Wo war die Wahlbeteiligung am höchsten?

Kommentare