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Die CSU Bad Heilbrunn läd zum Weißwurstfrühstück alle Ehrenamtlichen ein - doch das schmeckt nicht jedem in der Gemeinde. 

Sportverein sagt ab

Streit um Ehrenamtstag in Bad Heilbrunn

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Die CSU lädt in Bad Heilbrunn alle Vereine und Feuerwehren zum Ehrenamtstag bei Weißwurst und Brezen ein: eine politische Veranstaltung im Kommunalwahlkampf?

Bad Heilbrunn – In Bad Heilbrunn gibt es kurz vor der Kommunalwahl Zwist wegen einer Veranstaltung der CSU. Der Ortsverband lädt an diesem Sonntag um 10.30 Uhr alle Vereine und die Feuerwehren zu einem „Ehrenamtstag“ in den Kursaal ein. „Bei Weißwurst, Wiener und Getränken möchten wir in persönlichen Gesprächen unsere starke Verbundenheit und unseren großen Dank aussprechen“, heißt es in dem Schreiben, das der Ortsvorsitzende Josef Schwaller und Bürgermeister Thomas Gründl unterschrieben haben. Der Termin wird auch auf den Wahlkampf-Flyern der CSU beworben.

Darauf reagiert nun Robert Rieker, der Vorsitzende des Sportvereins, mit einem offenen Brief. Rieker ist Mitglied der Freien Wähler (FW) in Bad Heilbrunn und kandidiert für einen Sitz im Gemeinderat. 

Robert Rieker, Vorsitzender des Sportvereins und Mitglied der Freien Wähler.

Rieker kündigt an, dass der SV Bad Heilbrunn mit allen Abteilungen und Fördervereinen nicht an dem von der CSU veranstalteten Ehrenamtstag teilnehmen werde. „Als Verein dürfen wir nicht den Rahmen für eine politische Veranstaltung bilden“, begründet Rieker die Absage. Auf Nachfrage des Tölzer Kurier sagt der Vorsitzende, dass er jedoch keinem Mitglied privat verbiete, an dem Ehrenamtstag teilzunehmen.

Ehrenamtstag und Wahlkampf laut CSU „zwei Paar Schuhe“

Der CSU-Ortsvorsitzende Schwaller bedauert die offizielle Absage: Der Ehrenamtstag sei nicht als Wahlkampfveranstaltung gedacht, beteuert Schwaller. „Das sind zwei Paar Schuhe.“ Der Ehrenamtstag sei „eine Einladung zur Brotzeit als Dank an alle Freiwilligen“. Er finde es schade, „dass da jetzt so ein Keil reingebracht wird“.

Josef Schwaller, Vorsitzender des CSU-Ortsverbands.

Bürgermeister Thomas Gründl (CSU) verteidigt die Erwähnung auf dem Flyer mit den Wahlkampfterminen in der Gemeinde. „In irgendeiner Form müssen wir ja auf die Einladung aufmerksam machen“, sagt Gründl. Es werde bei dem Ehrenamtstag aber weder um die Kommunalwahl gehen noch gebe es politische Reden. „Es ist ein Ansinnen, Danke zu sagen, mehr nicht.“

Vorsitzender des Sportvereins würde sich wünschen, dass Gemeinde den Ehrenamtstag ausrichtet

Gründl zufolge haben die Freien Wähler im vergangenen Jahr eine ähnliche Veranstaltung gemacht: „Nur mit dem Unterschied, dass dort der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger eine Rede gehalten hat“, so Gründl. Das hatte seiner Meinung nach „sehr wohl eine parteipolitische Note. Dort ist der Sportverein gekommen.“ Er, Gründl, sei jedoch trotzdem auch anwesend gewesen und habe als Bürgermeister ein Grußwort gesprochen.

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Auf diesen Umstand macht auch Rieker in seinem Brief aufmerksam. Er habe damals der Einladung zugesagt, um „ein wenig öffentliche Wertschätzung und Anerkennung zu ergattern“. Rieker bemängelt in diesem Zusammenhang, dass von Seiten der Gemeinde keine Reaktion gekommen war, als die Heilbrunner Fußballer 2019 in die Landesliga aufgestiegen waren. Das sei der größte Erfolg in der 60-jährigen Vereinsgeschichte gewesen. Rieker entschuldigt sich dennoch in seinem Brief für die Teilnahme des Sportvereins an der parteipolitischen Veranstaltung der Freien Wähler und merkt an: „Ich würde mir wünschen, dass künftig die Gemeinde Ausrichter von Ehrenamtstagen wäre.“

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Josef Schwaller will auf Riekers Brief nicht weiter eingehen. „Da will jemand einfach nur Unfrieden stiften.“ Der CSU-Ortsvorstand hofft am Sonntagvormittag auf zahlreiche Teilnehmer. Aus organisatorischen Gründen werden sie gebeten, sich vorher anzumelden. „Ich fände es sehr schade, wenn diejenigen, die hervoragende Ehrenamtsarbeit leisten, nicht kommen.“ 

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