Der wiedergewählte Vorstand des SV Bad Heilbrunn (v. li.): Anton Krinner (Schriftführer), Gaby Forster (Kassierin), Robert Rieker (Vorsitzender), Philipp Reyer (2. Vorsitzender).
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Der wiedergewählte Vorstand des SV Bad Heilbrunn (v. li.): Anton Krinner (Schriftführer), Gaby Forster (Kassierin), Robert Rieker (Vorsitzender), Philipp Reyer (2. Vorsitzender).

SV Bad Heilbrunn

Sportlicher Erfolg reißt Loch in Finanzplanung

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Die teure Flutlicht- und Beregnungsanlage hat den SV Bad Heilbrunn nach dem Aufstieg in die Landesliga an die finanziellen Grenzen gebracht. Dank glücklicher Umstände aber kann das Minus aufgefangen werden.

Bad Heilbrunn – Der Erfolg hat seinen Preis: Die 1. Mannschaft des SV Bad Heilbrunn ist bis in die Landesliga aufgestiegen und spielt damit so hochklassig wie nie in der Vereinsgeschichte. Zugleich hat die Fußballabteilung im Jahr 2019 ein sattes Defizit in Höhe von über 15 000 Euro eingefahren. Eine ordentliche Steuer-Rückerstattung lindert nun jedoch die Sorgen: „Wenn es die nicht gegeben hätte, dann hätte es zappenduster ausgeschaut, und ich würde nicht so entspannt hier stehen“, sagte Gesamt-Vorstand und Fußballer-Kassier Robert Rieker in der Jahresversammlung im Gasthaus Reindlschmiede.

Wer wollte, konnte am Freitagabend gleich vier Jahresversammlungen miterleben. Zuerst tagten die „Aktiven Bad Heilbrunner“ und dann der Förderverein – beide unterstützen den SV Bad Heilbrunn (wir berichten noch). Anschließend gaben der Gesamtverein und die Fußballabteilung gemeinsam einen Überblick über die Situation im Verein.

Das vergangene Jahr war ein außergewöhnliches für den HSV. Rieker erinnerte mit leuchtenden Augen an den 27. April 2019, an dem feststand, dass die Fußballer in die Landesliga aufsteigen. „Unglaublich, dass ein kleines Dorf so etwas schaffen kann“, sagte Rieker. Er erinnerte auch an die „würdige Meisterfeier“ gut zwei Wochen später: „So was kann man sich in der heutigen Zeit gar nicht mehr vorstellen.“

Auch Abteilungsleiter Klaus Bauereiß schwelgte in Erinnerungen an „das Wunder von Bad Heilbrunn“. Der HSV habe die Bezirksliga „nach Belieben dominiert“ und sei zugleich die fairste Mannschaft gewesen. Walter Lang sei schon sieben Jahre im Amt, so lange wie kein Heilbrunner Trainer vor ihm.

Statt Gehältern gibt es Essen für die Spieler

Die Schattenseite: Mit der höheren Liga stiegen auch die Kosten rapide. Was allerdings nicht an Spielergehältern oder Aufwandsentschädigungen liegt – die gibt es in Heilbrunn nach wie vor nicht. Vielmehr musste in die Infrastruktur investiert werden. Die größten Ausgabeposten waren das Flutlicht und die Beregnungsanlage, die gut 155 000 Euro kosteten. Auch wenn die Gemeinde dafür 80 Prozent Zuschuss gab, blieb für die Fußballer ein stattlicher Restbetrag übrig. Hinzu kamen Ausgaben für eine Anzeigetafel, eine Sportplatz-Begrenzung und Jugendtore. Auch die Finanzierung des Spielbetriebs sei in der höheren Liga „unglaublich teuer“ geworden, berichtete Rieker. So summierten sich die Kosten für die Busfahrten auf 20 000 Euro. Die Spieler verdienen in Heilbrunn nach wie vor zwar keinen Cent, dafür wird ihnen nach den Partien eine Mahlzeit spendiert. Auch dies summierte sich im Laufe der Saison auf 10 000 Euro.

Unter dem Strich ergaben sich für die Fußballer Ausgaben in Höhe von gut 328 000 Euro, denen 312 000 Euro Einnahmen gegenüberstanden. Neben den gemeindlichen Zuschüssen waren die Spenden mit über 112 000 Euro der größte Einnahmeposten – in Heilbrunn ist es üblich, dass die Übungsleiter ihre Pauschalen an den Verein zurücküberweisen. „Übungsleiter-Ausgaben von über 64 000 Euro könnten wir uns nicht leisten“, sagte Rieker. Zudem öffneten einige Gönner ihren Geldbeutel ziemlich weit.

51 neue Mitglieder im vergangenen Jahr

Trotzdem stand am Jahresende ein Minus von 15 734 Euro. Das Konto sei damit „nahezu leer“, so Rieker. Der Verein habe eigentlich Veranstaltungen geplant, um die Ausgaben zu refinanzieren, „aber wegen Corona war da Fehlanzeige“. Das Vereinsheim sei in den vergangenen Monaten ebenfalls geschlossen geblieben, daher habe es in diesem Bereich auch keine Einnahmen, sondern nur Ausgaben gegeben. Vor diesem Hintergrund kam die Steuer-Rückzahlung zum richtigen Zeitpunkt. Über die genaue Höhe wollte Rieker noch nichts sagen, „weil es da noch einige Unwägbarkeiten gibt“. Nur so viel: „Sie hat uns gerettet. Sonst würden wir tief in den Miesen stehen.“

Bei den Mitgliedern gab es 2019 einen Zuwachs um 51 von auf 950. Aktuell liegt die Zahl bei 990. Klaus Bauereiß berichtete, dass die Anzahl der Fußball-Nachwuchsteams von sechs auf sieben angestiegen ist. Eine Besonderheit sei, dass es heuer wegen Corona im Kreisbereich kein Aufstiegsrecht gebe. Die Vereine haben vielmehr die Gelegenheit, ihre Mannschaft entsprechend der Leistungsstärke in der Gruppe, der Kreisklasse oder Kreisliga einzustufen.

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