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Im Gespräch mit Frauen aus Bad Heilbrunn: Pater Thomas Astan beim Erzählcafé.

Thomas Astan: Von Derricks Bösewicht zum Ordenspriester

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„Es gibt nichts Spannenderes als eine Biografie“, findet Irmgard Bromberger. Ein Grund für die Vorsitzende des Katholischen Frauenbunds, das Erzählcafé „Lebenslinien“ in Bad Heilbrunn zu gründen. Zur Premiere am Dienstagnachmittag lud Bromberger gleich einen Mann ein, dessen Biografie ordentlich Spannung versprach.

Bad Heilbrunn – Thomas Astan war Schauspieler und Regisseur. Mit 40 krempelte er sein Leben um. Heute ist er Pater und gehört der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern an. Er spielte mit Horst Tappert als Bösewicht in der Krimiserie „Derrick“ und predigte in Berlin als Künstlerseelsorger für Musiker und Maler. Darüber hinaus reiste er lange durch Südamerika und gründete im Anschluss einen Verein, der Straßenkinder unterstützt.

Der hat eine Menge zu erzählen, meinen die 15 Frauen, die sich im heißen Heilbrunner Pfarrsaal versammelt haben. Doch Astan will viel lieber gefragt werden. Erste Frage: „Wie sind Sie zu den Salesianern gekommen?“ Für die Antwort muss Astan, heute 74 Jahre alt, weit ausholen. „Ich habe zehn Jahre gottesfern gelebt. Mir ist der Glaube abhandengekommen“, beginnt er. Eine „schleichende Geschichte“ sei das gewesen – so ähnlich wie bei heutigen Jugendlichen, die sich nach der Firmung langsam wieder von der Kirche entfernen.

Es brauchte ein Schlüsselereignis, das Astan den Weg zu Gott zurück ebnete. Die 1980er: Der Mann aus Nordrhein-Westfalen hatte gerade eine Theatertournee mit Horst Tappert und 150 Vorstellungen hinter sich. Das Stück „Die 12 Geschworenen“. Und dann sprang er an einem Wintertag über einen Schneehaufen. „Danach rutschte ich unter ein Auto und brach mir den Oberschenkel“, erzählt Astan. Auf die Operation folgten die Reha im Schweizer Kurort Davos – und viel Zeit zum Nachdenken. Aus vier Wochen wurden sieben Monate. Weit weg vom Showgeschäft näherte sich Astan Gott und der Kirche wieder an. Er wünschte sich mehr geistige Tiefe im Leben.

Germanist und Theaterwissenschaftler war er damals zwar schon, nun setzte er das Theologie-Studium drauf – wo sonst als in Rom. Sechs Jahre verbrachte er dort, danach schloss er sich den Salesianern an – und der nächsten Hauptstadt. In Berlin leitete er zwischen 1999 und 2015 Gottesdienste speziell für Künstler. „Wir haben manchmal bis Mitternacht diskutiert, das vermisse ich hier im Süden“, erzählt Astan den Damen in Heilbrunn. Sie erfahren das Credo, das er sich über die Jahre angeeignet hat und gerne wiederholt: „Was wir nicht verarbeiten, das begegnet uns immer wieder.“

Astan, der sonntags rund um den Staffelsee predigt, begegnen heute nicht mehr viele Jugendliche in den Gottesdiensten. Eine Tatsache, die ihn sogar ein wenig wütend macht – aber nicht auf die Jugendlichen. „In der Kirche ist heute vieles faul“, sagt er. Frage: „Und was zum Beispiel?“ Hier kommt dann doch wieder der Germanist in Astan heraus: „Die Sprache, die man in der Kirche hört, ist oft hunderte Jahre alt. Wir müssen sie in die heutige Zeit übersetzen.“ Genau das mache er nun Sonntag für Sonntag.

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