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Hier entsteht der neue Heilbrunner Gewerbepark: Auf den 30 0 00 Quadratmetern an der Grenze zum bestehenden Mischgebiet siedeln sich unter anderem ein Zimmerer und Spengler an – mit Ferienwohnungen im Dachgeschoss. 

Konflikt um Ferienwohnungen

Urlaub im Gewerbepark?

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Im neuen Bad Heilbrunner Gewerbepark werden Ferienwohnungen gebaut. Rechtlich ist das erlaubt. Große Skepsis erregt die Entscheidung bei mehreren Gemeinderäten trotzdem. Manche befürchten, dass so günstiger Baugrund missbraucht wird. Der Bauherr wehrt sich: Man unterstelle ihm „bösartige Täuschungen“.

Bad Heilbrunn – Von der Erweiterung des Gewerbeparks sieht man in Bad Heilbrunn bislang nur eine gerodete 30 000 Quadratmeter-Fläche mit allerhand Wurzeln. Womit dort einmal Geschäfte gemacht werden sollen, steht aber zum Teil schon fest. Scheinbar auch mit Urlaubern: Der Bauausschuss der Gemeinde genehmigte zuletzt einen Bauantrag, der neben einer Zimmerei und Spenglerei mit Lager, einer Betriebswohnung und zwei Büros auch zwei Ferienwohnungen vorsieht.


Bauherr aus Mürnsee: „Wollen erweitern“


Der Bauantrag läuft auf Kathrin Schilcher aus dem Ortsteil Mürnsee. Dem Tölzer Kurier gibt Ehemann Michael Auskunft: Zum einen wolle er seine Zimmerei und Spenglerei aus Mürnsee in den neuen Gewerbepark verlegen, um mehr Platz für Maschinen zu haben. Zum anderen sind die Schilchers vor ein paar Jahren in den Ferienwohnungsbetrieb von „Haus Manhart“ eingestiegen. „Wir wollen beide Betriebe vergrößern und zusammenführen“, sagt Schilcher. Die beiden Wohnungen in Mürnsee seien gut ausgelastet. „Deshalb wollen wir das Geschäft ausbauen.“

„Würden Sie Urlaub im Gewerbegebiet machen?“ Mit dieser rhetorische Frage antworten mehrere Gemeinderäte, als sie der Tölzer Kurier um ihre Meinung zu dem Bauprojekt bittet. Andere wollen lieber gar nichts sagen. Manche befürchten, dass die Ferienwohnungen zweckentfremdet, also irgendwann zum Beispiel in Mietwohnungen umgewandelt werden könnten. Öffentlich unterstellen möchte das dem Bauherren aber niemand. Konfrontiert mit der Skepsis der Gemeinderäte sagt Schilcher (34): „Ich bin sehr enttäuscht, dass man mir als jungem Handwerker bösartige Täuschungen zutraut.“

Der Bauantrag ging in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses mit 6:2 Stimmen durch. Norbert Deppisch (Grüne) stimmte dagegen. Er hatte sich gewünscht, das Thema in großer Runde in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag zu diskutieren. Dies wurde abgelehnt. Eine Debatte hielt die Mehrheit für sinnlos, weil Ferienwohnungen im Gewerbegebiet ohnehin erlaubt seien. So klärte es Geschäftsleiter Andreas Mascher – erst nach der Abstimmung – in der Sitzung auf.

Diskutieren kann man aber sehr wohl darüber: Ferienwohnungen gelten zwar als Gewerbe und sind im Gewerbegebiet offiziell gestattet. Das bestätigt auch Sabine Schmid, Sprecherin des Landratsamts. Sie gibt aber zu bedenken: „Es muss im Einzelfall entschieden werden.“ Gemeinden müssten bei ihrer Entscheidung den Gebietscharakter und Immissionsschutz, also zum Beispiel Autoabgase oder Lärmbedingungen berücksichtigen. Logisch: Wo Gewerbe ist, kann es auch mal laut werden. Diese Gefahr sieht Schilcher kaum: „Wir werden nicht den ganzen Tag mit der Kreissäge fahren.“ Außerdem seien die Ferienwohnungen im Dachgeschoss weit weg vom Maschinenlärm. Darüber hinaus grenze sein Grund direkt an das bestehende Mischgebiet. „Und das hat einen sehr dörflichen Charakter.“

Gemeinderat Deppisch hütet sich vor Unterstellungen: „Aber ich sehe grundsätzlich die Gefahr, dass jemand aus einer Ferienwohnung eine Mietwohnung macht.“ Man könne sich so einen „enormen finanziellen Vorteil verschaffen“. Im Gewerbepark bekäme man den Quadratmeter eines Grundstücks für 155 Euro, woanders in Heilbrunn zahle man dagegen zwischen 400 und 500 Euro.

„Das hat einen Beigeschmack“

Auch Josef Schröfl (CSU) ist „unglücklich“ über das Projekt. „Das hat einen Beigeschmack.“ Man habe aber immer noch rechtliche Möglichkeiten. Allgemein gibt er zu bedenken: Sollten Ferienwohnungen zweckentfremdet werden, könne man das Landratsamt einschalten. Nach der Baunutzungsverordnung ist Wohnen im Gewerbegebiet nur in Ausnahmefällen erlaubt: Aufsichts- und Bereitschaftspersonen, Betriebsinhabern und -leitern.

Allerdings gab es in der Vergangenheit – zum Beispiel in Tölz – einige Fälle, in denen Ferienwohnungen nicht als solche genutzt wurden. Zu einer juristischen Klärung und Nutzungsuntersagung kam es allerdings nie. Auch im bestehenden Mischgebiet in Heilbrunn existiert eine Ferienwohnung, die, wie man hört, nach der Genehmigung im vergangenen Jahr auf großen Unmut im Ort gestoßen ist.

Auch Gemeinderat Josef Bernwieser (CSU) stimmte gegen den Bauantrag. „Man sollte damit gar nicht erst anfangen.“ Was er meint: Andere könnten nun auf die gleiche Idee kommen. Deppisch sieht es genauso: Die Gemeinde müsste die Mietverträge kontrollieren, und das sei sehr unrealistisch. Realistisch wäre eine Rolle rückwärts: Die Gemeinde könnte Ferienwohnungen im Gewerbepark noch untersagen. Das ist keine Option für Bürgermeister Thomas Gründl (CSU): „Wir müssten den ganzen Bebauungsplan ändern.“ Und das sei ein großer bürokratischer Aufwand.

Interessant macht den Fall übrigens auch die Zahl 3001: So viele Quadratmeter hat Schilcher im neuen Gewerbepark für Zimmerei und Co. gekauft. Ab 3000 Quadratmetern ist eine zweite Betriebswohnung zugelassen. Ein Beigeschmack? Schilcher sagt: „Ich hätte gerne 3100 genommen. Aber das ist sich bei der Aufteilung genau so ausgegangen.“ Schilcher teilt sich das Nordwest-Eck mit zwei anderen Betrieben. Über 3000 Quadratmeter habe er wegen der großen Fahrzeuge und Maschinen sowieso gebraucht. Die Option einer zweiten Betriebswohnung wolle er sich offenhalten: „Vielleicht zieht irgendwann mal ein Mitarbeiter ein, oder wir brauchen die Wohnung.“

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