Güterichter als Schlichter in Streitfällen
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Amtsgericht

Verhängnisvoller Cocktail aus Alkohol und Tabletten

  • VonRudi Stallein
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Er hatte im Vollrausch unter anderem eine Schwangere in Gefahr gebracht. Dafür musste sich ein Heilbrunner (48) jetzt vor Gericht verantworten.

Bad Heilbrunn/WolfratshausenWegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs sowie fahrlässigen Vollrauschs wurde ein Heilbrunner (48) jetzt zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte im Mai vorigen Jahres einen schweren Unfall bei Bichl verursacht und damit unter anderem eine Schwangere in Gefahr gebracht.

Der Unfall hätte auch noch schlimmer ausgehen können: Es fehlte nicht viel, und der Angeklagte hätte sich wegen fahrlässiger Tötung vor dem Schöffengericht in Wolfratshausen verantworten müssen. Nahezu ungebremst war der 48-Jährige auf der Kreisstraße Töl 5 mit seinem VW-Golf in den Gegenverkehr gerast. Dabei kollidierte er mit dem Peugeot einer Tölzerin (31), die damals im fünften Monat war. Zuvor hatte er das Heck eines vor ihm fahrenden BMW einer Kochlerin (53) gerammt. Die Fahrerinnen erlitten diverse Prellungen, der Schaden an ihren Autos belief sich auf knapp 50 000 Euro.

Fahrer kann sich nicht an Unfall erinnern

„Ich kann mich nur entschuldigen und betonen, wie sehr mir das leidtut“, sagte der Angeklagte vor Gericht. „Ich war an dem Tag kaum zurechnungsfähig.“ Eine Blutuntersuchung kurz nach dem Unfall ergab, dass der Mann diverse berauschende Mittel konsumiert hatte. Er erklärte, in Folge seiner „langen Drogenkarriere“ an Depressionen zu leiden. Am Unfalltag habe er Diazepam, ein starkes Beruhigungsmittel, „in sehr großer Menge“ eingenommen und zudem drei Weißbier getrunken. Deshalb wisse er vom Unfall nichts mehr. Die Erinnerung setze erst auf der Intensivstation im Tölzer Krankenhaus wieder ein. Er hatte sich bei dem Unfall den linken Knöchel, das Brustbein sowie diverse Rippen gebrochen.

Der Beschuldigte, der derzeit keinen gültigen Führerschein besitzt, hatte an jenem Tag unbemerkt das Auto seiner Verlobten entwendet. Von Bad Heilbrunn war er über Langau Richtung Penzberg gefahren.

Kurz vor der Einmündung auf die Staatsstraße 2063 ließ die BMW-Fahrerin ihr Auto ausrollen, wie die Zeugin vor Gericht schilderte. „Im Seitenspiegel habe ich das Auto auf mich zurasen sehen, dann hat’s auch schon gescheppert.“ Die Kochlerin erlitt durch den Aufprall eine Gehirnerschütterung und ein HWS-Schleudertrauma.

Die Tölzerin, die auf der Gegenfahrbahn nach dem Abbiegen gerade beschleunigte, sagte aus, der entgegenkommende Golf sei mit sehr hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen. „Ich habe ihn erst gesehen, als es krachte“, erkläre die Frau mit stockender Stimme. Dem Baby sei nichts passiert. „Aber bis zur Entwarnung, das waren die schlimmsten Stunden.“ Vier Monate später brachte sie ein gesundes Mädchen zur Welt.

Staatsanwaltschaft will Mann ins Gefängnis schicken

Wegen des Medikamenten-Alkohol-Cocktails könne eine erhebliche Beeinträchtigung oder gar ein Verlust der Steuerungsfähigkeit zum Unfallzeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, erläuterte ein Gutachter.

Schon bei einem anderen Unfall im März war der Angeklagte nicht klar im Kopf gewesen. Unter dem Einfluss von Medikamenten und Cannabis war er in Dietramszell an einer Kreuzung ungebremst auf das Fahrzeug eines Fahranfängers aufgefahren. 2015 war der Angeklagte nach einem ähnlich gelagerten Unfall mit einer Geldstrafe davongekommen.

Nun verurteilte Richter Helmut Berger den gelernten Kfz-Mechatroniker zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten, die er für drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Als Auflage erteilte er dem Heilbrunner ein Alkohol- und Drogenverbot sowie Gespräche bei der Caritas zur Erstellung eines Behandlungs- und Therapieplans. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von fünf Monaten ohne Bewährung beantragt. 

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