+
Traumhafte Pistenverhältnisse bescherte der vergangene Winter den Skifahrern – wie hier am Brauneck. Trotz des vielen Schnees hatten auch die Lawinenobmänner im Landkreis keinen Grund zu großen Sorgen.

Bilanz der Lawinenkommission

Viel Schnee, aber kaum Lawinen

  • schließen

Auf einen turbulenten Winter, der aber glücklicherweise ohne Unglück verlief, blickten nun die Obmänner des Lawinenwarndienstes in ihrer Abschlussbesprechung zurück. Diese findet stets im Frühjahr in Bad Heilbrunn im Gasthaus Reindlschmiede statt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der vergangene Winter sei sehr lang gewesen und habe überdurchschnittlich viel Schnee gebracht, sagte Hans Konetschny, Leiter des Lawinenwarndienstes (LWD) Bayern. Phasenweise sei es aus LWD-Sicht „heftig“ gewesen.

Detailliert zur Situation im Landkreis äußerte sich Toni Stowasser, im Tölzer Landratsamt zuständig für Sicherheit und Ordnung. In der Jachenau zum Beispiel habe von Leonhardi, also 6. November bis 1. April, durchgehend Schnee gelegen. Im Januar sei der Schneefall teilweise extrem gewesen: So fielen am 21. und 22. Januar 26 beziehungsweise 18 Zentimeter Neuschnee. „Das ist ganz schön viel für eine Tallage.“

Der Schnee war Sturmtief Friederike zu verdanken, das die Lawinengefahr im Alpenraum steigen ließ und für Straßensperrungen sorgte. Im Landkreis waren die B 307 Richtung Kaiserwacht sowie die Mautstraße zwischen Vorderriß und Wallgau betroffen. Stowasser kritisierte, dass einige Autofahrer die Warnschilder, ja teilweise sogar die Schranken nicht ernst nehmen. Vor einigen Jahren sei die Schranke an der B307 sogar mal aufgebrochen worden. „Jeder meint, er hat heutzutage das Recht, überall und zu jeder Zeit zu fahren“, sagte Stowasser. „Und wenn dann was passiert, sind die Behörden schuld.“

Ende Januar hatte man dank der Bergwacht die Möglichkeit, sich mit Hilfe einer Drohne die Situation an der B 307 im Bereich Schaflahner aus der Luft anzuschauen. Derzeit überlege man im Landratsamt, sich auch eine Drohne anzuschaffen, um im Fall einer Katastrophe ebenfalls den Überblick von oben zu haben, so Stowasser.

Für die Skifahrer, etwa am Brauneck, bot der jüngste Winter traumhafte Pistenverhältnisse, wurde in der Versammlung Bilanz gezogen. Anwesend waren nicht nur Lawinen-Fachkundige, sondern auch Vertreter von Behörden, Skiliften und Polizei. Nur einmal habe es am Brauneck eine Lawine gegeben, die Tourengeher konnten sich jedoch selbst helfen. Die Obmänner aus Lenggries waren 16-mal in der Gruppe im Einsatz, um sich einen Überblick zu verschaffen, zudem gab es Kontrollfahrten von einzelnen Mitgliedern, berichtete Ralf Kirchgatterer aus Lenggries. Die Kochler hatten diesmal wenig zu berichten – aus gutem Grund: Wegen den Bauarbeiten an der Herzogstandbahn fiel dort die Wintersaison im Prinzip aus.

Wie ist es zu erklären, dass trotz des vielen Schnees kaum Lawinen abgingen? Hans Konetschny vom LWD führt das auf die Entwicklung der Wettersituationen zurück. Denn nach den starken Schneefällen kam stets wieder Regen, und der Boden erwärmte sich bis in die Hochlagen. Die liegende, durchfeuchtete Schneedecke konnte sich setzen, bis wieder neuer Schnee nachkam. Die Temperaturschwankungen waren jedenfalls groß und ungewöhnlich. Nur im Februar sei es der Jahreszeit angemessen über eine längere Phase sehr kalt gewesen.

Im freien Gelände sei die Schneedecke „total stabil“ gewesen, sagte Konetschny mit Blick auf den gesamten Alpenraum. Allerdings: „Eine durchfeuchtete Schneedecke bis zum Boden einzuschätzen, ist nicht einfach.“

Der LWD will künftig noch präziser informieren. Weil man zum Beispiel in Österreich nachmittags schon eine Lawinen-Prognose für den folgenden Tagen haben könnte, stünden auch die bayerischen Behörden unter einem gewissen Druck. „Bis jetzt wollten immer noch die Nacht abwarten“. Ein schnelleres und besseres Einschätzen der Lage sei jedoch nur möglich, wenn auch der Deutsche Wetterdienst seine Daten schneller und präziser zur Verfügung stelle.

Neu ist auch die umgestaltete Internetseite des LWD, sagte Konetschny und erklärte einige Details, etwa verlinkte Hinweise zu Straßensperrungen. Weiteres sei noch in Planung, etwa Warnhinweise in englischer Sprache.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mercedes gerät in Gegenverkehr
Eine Verletzte, hoher Sachschaden: Eine Unaufmerksamkeit eines Mercedes-Fahrers führte am Freitag zu einem Unfall.
Mercedes gerät in Gegenverkehr
Bremsen versagen: Auto prallt gegen Baumstumpf
Zu einem Unfall mit einer leichtverletzten Person kam es am Freitagnachmittag in Kochel.
Bremsen versagen: Auto prallt gegen Baumstumpf
Wer übernimmt den Winterdienst in Lenggries?
Es wird Sommer. Doch beim Blick auf die Tagesordnung der Lenggrieser Gemeinderatssitzung könnte es den einen oder anderen frieren: Denn es geht um den Winterdienst.
Wer übernimmt den Winterdienst in Lenggries?

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.