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Fürchtet um die Zukunft kleinbäuerlicher Betriebe: Peter Fichtner, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands.

Interview

„Was die Bienen rettet, zerstört viele kleinbäuerliche Betriebe“

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Viele Landwirte werden das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ wohl nicht unterstützen. Warum, erklärt Peter Fichtner aus Bad Heilbrunn, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV).

Bad Heilbrunn - Die Forderungen der Initiative „Rettet die Bienen“ treffen vor allem die Landwirtschaft. Warum viele Bauern ihre Existenz bedroht sehen, während die Bienen und Blumen gerettet werden, erklärt Peter Fichtner aus Bad Heilbrunn. Der 60-Jährige ist Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV)

Herr Fichtner, werden Sie das Volksbegehren unterschreiben?

Nein, auf keinen Fall. Und ich spreche für einen Großteil der Landwirte in der Region.

Ist den Landwirten der Artenschutz nicht wichtig?

Doch, natürlich. Aber die Bauern tun bereits einiges dafür. In der ganzen Diskussion geht zum Beispiel völlig unter, dass es schon ein freiwilliges Programm zur Schaffung von Blühflächen gibt. Letztes Jahr haben die Landwirte dadurch 14 000 Hektar in Bayern zum Blühen gebracht. Bei Betrieben mit Weide ist immer eine Blühwiese für die Insekten vorhanden. Natürlich trägt die Landwirtschaft einen Teil der Verantwortung. Sie allein ist aber nicht das Problem.

Was dann?

Weltweit gibt es jeden Tag 200 000 Flugbewegungen. Auch der Straßenverkehr wird einfach nicht zur Kenntnis genommen. Oder die Tatsache, dass die meisten Insekten sehr darunter leiden, dass es wegen der künstlichen Beleuchtung nie wirklich dunkel wird. Das wird einfach nicht genauer untersucht. Der Gesetzesentwurf blendet die Verantwortung aller aus. Auch die Gesellschaft sollte in die Pflicht genommen werden.

Woran denken Sie?

Wenn jeder Gartenbesitzer in Deutschland zehn Quadratmeter seines Gartens als Blühfläche stehen lässt, würden wir allein dadurch 20 000 Hektar an Blühwiesen gewinnen. Es gibt aber sicherlich nicht wenige, die das Volksbegehren unterstützen und selbst zweimal pro Woche den Mähroboter in ihrem Garten laufen lassen. Angesichts dieser Scheinheiligkeit platzt mir wirklich der Kragen.

Welche Folgen hätte es aus Ihrer Sicht für die Landwirte, wenn das Volksbegehren Erfolg hat?

Viele kleinbäuerliche Betriebe müssten aufhören, vor allem die im Nebenerwerb. Auch hier im Landkreis.

Warum?

Alles, was künftig verpflichtend werden soll, war bislang freiwillig und wurde vom Kulturlandschaftsprogramm gefördert. Zum Beispiel die blühenden Randstreifen an den Bächen und Gräben. Tritt das Gesetz in Kraft, fällt der Grundsatz zur Förderung weg – und damit das Geld.

Die Initiatoren wollen doch aber auch, dass die Landwirte fair bezahlt werden, damit sie sich weiter um die Natur kümmern können...

Das ist recht und schön. Der Wunsch nach mehr Biolandbau muss aber von den Verbrauchern kommen, sonst haben wir ein Preisproblem. Soweit sind die Leute aber noch nicht, fürchte ich. Die meisten Verbraucher wollen hochwertige, aber billige Lebensmittel. Dabei weiß jeder: Man kriegt keinen 7er-BMW zum Preis eines Mini-Coopers.

In welchem Bereich könnten die Landwirte mehr für den Artenschutz tun?

Ein echtes Problem für die Insekten sind die Betriebe mit Fahrsilos. Diese Speicher müssen möglichst auf einmal mit dem Grünfutter befüllt werden. Gibt es in einem Ortsteil mehrere Fahrsilos, kann es also passieren, dass an einem Tag die komplette Gemarkung niedergemäht wird. Das ist natürlich schlecht für die Insekten. Darüber muss man reden.

Was halten Sie von der Forderung, den Einsatz von Pestiziden einzudämmen?

In Gründlandregionen wie hier ist diese Forderung eine Lachnummer. Ackergifte kommen hier zu 99,9 Prozent ohnehin nicht zum Einsatz. Für was auch? Als Unkrautpflanze gibt es eigentlich nur den Ampfer.

Lesen Sie auch: Breites Bündnis im Landkreis für ÖDP-Volksbegehren

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