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Geschwächt: Walid Yarzada kämpft in einem Krankenhaus im indischen Neu-Delhi gegen eine akute Leukämie-Erkrankung.

Walid Yarzada (16) kämpft um sein Leben

Zahlen oder sterben

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Sozialleistungen hat Waheed Yarzada nie in Anspruch genommen. Nun bittet der Flüchtling doch um Hilfe. Nicht für sich. Sondern für seinen krebskranken Bruder.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Summe scheint unerreichbar: 50 000 US-Dollar kostet die Krebstherapie, die Walid Yarzada das Leben retten könnte. „Das ist nur eine Schätzung, es könnte auch mehr werden“, sagt sein Bruder, Waheed Yarzada. Aufgeben kommt für den 33-Jährigen trotzdem nicht in Frage. „Entweder können wir bezahlen, oder er stirbt.“

Hoffen auf Spenden: Waheed Yarzada und Martina Brandstetter vom Asyl-Helferkreis in Bad Heilbrunn. Das Ziel sind mindestens 50 000 Dollar.

In Deutschland kaum vorstellbar. Doch Walid liegt in einem Krankenhaus im indischen Neu-Delhi. Das „Rajiv Gandhi Cancer Institute“ genießt zwar einen guten Ruf. Ohne Krankenversicherung hilft das dem 16-jährigen Walid aber nichts. Vor sechs Monaten bekam der junge Afghane die Diagnose: Akute Myeloische Leukämie (AML), eine Form von Blutkrebs also. Die erste Chemo-Therapie brachte nicht den gewünschten Erfolg – aber die Familie an den Rand des finanziellen Ruins. „Wir haben alles gegeben, was wir hatten“, sagt Waheed Yarzada.

Flüchtlings- und Integrationsberater in Bad Heilbrunn

Sein Gehalt reicht eigentlich nur für ihn selbst, seine Frau und den sechsjährigen Sohn. Die kleine Familie lebt in Geretsried, seinen Arbeitsplatz hat Waheed Yarzada hauptsächlich in der ehemaligen Leonardis-Klinik in Bad Heilbrunn. Seit drei Jahren ist er bei dem Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“ fest angestellt, zunächst als Asylsozialberater, seit wenigen Monaten als Flüchtlings- und Integrationsberater. 

In Bad Heilbrunn kennen und schätzen ihn nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die Mitglieder des Asyl-Helferkreises. Sie wollen Waheed Yarzada und seinem Bruder helfen. „Er liegt mir sehr am Herzen, weil er ein guter, sozialer Mensch ist“, sagt Martina Brandstetter. „50 000 Dollar bekommen wir aber nicht annähernd zusammen.“ Deshalb kam der ehrenamtlichen Asyl-Helferin die Idee, sich mit einem Spendenaufruf an den Tölzer Kurier zu wenden.

Die Zeit drängt: Walid leidet inzwischen auch noch an einer Infektion mit dem Erreger Klebsiella pneumoniae. Bevor die Ärzte dieses Problem nicht unter Kontrolle gebracht haben, kommt eine weitere Chemo-Therapie oder eine Stammzellen-Transplantation nicht in Frage. „Er fühlt sich schwach, und hat oft hohes Fieber“, sagt Waheed Yarzada. Meist telefoniert er drei Mal täglich mit seinem kleinen Bruder in Indien. 

Schriftliche Drohungen von Islamisten

Ursprünglich lebten die Yarzadas in Kabul. Wegen des Kriegs und der besseren Bildungsmöglichkeiten für seine vier Söhne und die Tochter entschieden sich die Eltern für einen Umzug nach Indien. Nach seinem BWL-Studium kehrte Waheed Yarzada nach Afghanistan zurück, flüchtete aber vor vier Jahren nach Deutschland. Immer wieder hatte er schriftliche Drohungen von Islamisten erhalten. Wegen seines Engagements für Straßenkinder. Und weil er Frauen Zugang zu Bildung verschaffen wollte.

Als Vize-Präsident eines Logistik-Unternehmens arbeitete Waheed Yarzada außerdem mit den Amerikanern zusammen. Grund genug für die Taliban, nach seinem Leben zu trachten.

In Deutschland hat er sich gut eingelebt, spricht die Sprache annähernd perfekt. „Ich bin dankbar für die Möglichkeit, in einem sichern Land leben zu dürfen.“ Leistungen vom Jobcenter hat er nie in Anspruch genommen, betont Waheed Yarzada. „Ich wollte immer mein eigenes Geld verdienen.“ Da sein Gehalt nicht reicht, um seinen Bruder zu retten, schluckt er seinen Stolz hinunter und hat bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen ein Spendenkonto eingerichtet. „Ich bitte um Spenden und bin für jede Hilfe sehr dankbar.“

Spendenkonto

Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, Empfänger: Waheed Yarzada, IBAN: DE 33 7005 4306 0011 6554 12, BIC: BYLADEM1WOR, Verwendungszweck: Walid Yarzada/Leukämie-Behandlung. Wer noch Fragen hat oder ein ärztliches Attest über den Zustand seines Bruders sehen möchte, kann per E-Mail (waheedy@gmx.de) Kontakt zu Waheed Yarzada aufnehmen.

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