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Im Wald bei Kiensee wurde der Absturz eines kleinen Flugzeugs simuliert.

Feuerwehren und BRK

Wenn aus einer Übung plötzlich Ernst wird

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Bad Heilbrunn - Rund fünf Monate Vorbereitung steckten in der Großübung, die die Mürnseer Feuerwehr am Freitagabend organisiert hatte. Etwa 300 Helfer waren im Einsatz. Wie dramatisch er enden sollte, konnte zu Beginn niemand ahnen.

Angenommen wurde der Absturz eines kleinen Flugzeugs bei Kiensee. Schon der Auftakt stand unter keinem guten Stern. Eigentlich sollte die Alarmierung um 18 Uhr erfolgen. 15 Minuten davor begann es, zu blitzen, zu stürmen und heftig zu regnen. „Der Regen ist kein Problem, das kann im Einsatz auch passieren“, sagt Thomas Girgnhuber. Der stellvertretende Kommandant der Mürnseer Feuerwehr, der die Übung mit seinen Helfern organisiert hatte, beschloss trotzdem, den Übungsbeginn um 30 Minuten zu verschieben. Das Gewitter war einfach zu heftig.

Es schüttete immer noch kräftig, als die Alarmierung schließlich rausging. Die umliegenden Feuerwehren rückten aus – von Penzberg bis Bad Tölz – und waren wenige Minuten später am Ort des Geschehens. Auch BRK und Polizei waren im Anmarsch. Zu diesem Zeitpunkt waren bei Girgnhuber – er ist hauptamtlicher Rettungsassistent beim BRK – schon die ersten Meldungen über die Todesschüsse in München eingegangen. Aber da sei noch nicht klar gewesen, wie dramatisch die Lage war. „Die Integrierte Leitstelle konnte uns da schon nicht mehr unterstützen“, berichtet Girgnhuber.

Die Retter konzentrierten sich in diesem Moment noch ganz auf die Übung. Dichter Qualm waberte über die Wiese, an verschiedenen Stellen loderten Flammen auf. Das Flugzeugwrack – zwei mit Planen bespannte VW Busse – lagen im Wald. Im Inneren: 20 Verletzte, perfekt gespielt von der Dietramszeller BRK-Bereitschaft. Immer wieder knallte es.

Ein „Verletzter“ nach dem anderen wurde aus dem Flugzeug befreit und zu den Sanitätern gebracht. „Wer keinen Atemschutz trägt, geht bitte aus dem Rauch raus“, mahnte einer der Beobachter die Feuerwehrkräfte. Ein Hinweis, der sofort umgesetzt wurde. „Wir haben viel aus dieser Übung gelernt“, sagt Girgnhuber. „Wir haben auch gesehen, wo unsere Probleme sind. Beispielsweise bei der Wasserversorgung oder auch beim Aufstellen der Fahrzeuge.“ Aber insgesamt sei es gut gelaufen. „Ruhig und zügig“ sei gearbeitet worden.

Das hätte der stellvertretende Kommandant eigentlich auch schon am Freitagabend gerne den Einsatzkräften gesagt. „Aber das ging nicht mehr.“ Denn zum Zeitpunkt, als die Nachbesprechung stattfinden sollte, befand sich Girgnhuber auf dem Weg nach München. Gegen 19 Uhr lautete die Anweisung am Übungsort nämlich: „Wir brechen hier ab.“ Alle hauptamtlichen Kräfte des BRK wurden in München zusammengezogen. „Außerdem waren wir der Meinung, dass wir nicht einen Massenanfall von Verletzten üben können, wenn es 40 Kilometer weiter einen tatsächlichen Massenanfall gibt“, sagt Girgnhuber. Bis 2 Uhr morgens waren er und seine Kollegen auf der Feuerwache 2 in München in Bereitschaft. „Das einzig Gute war, dass wir durch die Übung gleich mit so vielen Autos nach München fahren konnten“, sagt der Rettungsassistent.

Die Nachbesprechung findet nun am 4. August um 19 Uhr im Heilbrunner Feuerwehrhaus statt. Bedanken möchte sich Girgnhuber „bei allen Firmen und Helfer, die uns bei der Vorbereitung unterstützt haben“. Fünf Monate hatte er in die Vorbereitungen gesteckt. Für eine kleine Feuerwehr wie Mürnsee sie hat gerade einmal 25 Mitglieder – sei die Organisation einer derartigen Großübung schon etwas Außergewöhnliches. „Die Kosten in Höhe von 1000 Euro kommen aus der Vereinskasse. Das zeigt, dass wir unsere Spenden wirklich für etwas Sinnvolles einsetzen.“

An der Übung beteiligt waren die Feuerwehren Mürnsee (Veranstalter), Bad Heilbrunn, Obersteinbach, Schönrain, Bichl, Penzberg und Bad Tölz sowie die Werksfeuerwehr von Roche. Außerdem diverse Führungskräfte der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes im Landkreis. Vor Ort waren zudem die Polizei Bad Tölz, die Schnelle Einsatzgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen, das BRK Bad Tölz, vier Notärzte, die Ambulanz von Roche und die BRK-Bereitschaft Dietramszell.

Großübung von Feuerwehr und BRK in Bad Heilbrunn

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