+
„Weil abgemähtes Kreuzkraut aber innerhalb von Stunden eine Notreife vollzieht und Samen ausbildet, muss es sofort eingeholt werden“, erklärte Fachreferent Johann Staltmayr (re.) den zahlreichen Zuhörern.

Kreuzkraut: Info-Termin in Heilbrunn

Wenn der Samen keine Grenzen kennt

Es gehört zur Gattung der Korbblütler, hat verzweigte Stängel sowie komplett gelbe Blütenstände und verleiht damit der Landschaft leuchtende Farbtupfer. Doch Vorsicht: Mit dem Kreuzkraut, dessen Aussehen hier beschrieben ist, ist aufgrund seines Gehalts an Pyrrolizidin-Alkaloiden (PA) nicht zu spaßen.

Bad HeilbrunnZahlreiche Bürger, unter ihnen viele Landwirte, informierten sich nun bei einer Wiesenbegehung in Bad Heilbrunn, zu der das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) mit Sitz Holzkirchen eingeladen hatte.

Während Schafen und Ziegen der Verzehr dieses Krautes kaum Probleme bereitet, besteht für Rinder und Pferde die Gefahr irreversibler Leberschäden. Zwar lässt das Vieh auf der Weide die Pflanze wegen seiner ebenfalls beinhalteten Bitterstoffe manchmal links liegen, doch bei der Futtergabe von Heu oder Silage ist diese Selektion kaum möglich und nach dem Geschmack der Tiere wohl auch nicht mehr nötig: Denn bei Trocknung oder Vergärung gehen die Bitterstoffe weitgehend verloren – die Giftstoffe aber nicht. Als Folge einer zu hohen Aufnahmemenge von PA kann es etwa zu Stoffwechselstörungen, Darmverschluss, Koliken, Festliegen, Unfruchtbarkeit oder Aborten und damit zu einem ungewollt frühen Ende im Schlachthof kommen.

Ein Nachweis mittels Leberuntersuchung ist teuer. Bei starkem Verdacht sollten die Bauern über ihre Tierärzte auf Kosten der Tierseuchenkasse und zugunsten der Forschung der Sache nachgehen lassen. Noch weitaus schlimmer wäre es, wenn immer größere Mengen an Alkaloid-belastetem Futter sich in Lebensmitteln, sprich Milch oder Honig, niederschlagen würden.

Dass die Kreuzkraut-Problematik den Landwirten auf den Nägeln brennt, zeigte sich am enormen Zulauf der Wiesenbegehung im Bereich Hinterstallau. Mit dabei waren die Pflanzenbauberaterin Elisabeth Kitzeder (AELF Holzkirchen) und Fachreferent Johann Staltmayr vom Landeskuratorium für Pflanzenbau.

Dass einige Kreuzkraut-Arten, die bis vor etlichen Jahren hier kaum ins Auge fielen, sich nun so stark ausbreiten, daran haben wohl auch die Straßenbauämter mitgewirkt. Zur Begrünung von Straßenrändern und -böschungen wurden nämlich Samenmischungen mit Kreuzkraut-Anteil verwendet.

Folglich sehe man Straßenbauämter sowie Kommunen jetzt auch bei der Bekämpfung der anspruchslosen und anpassungsfähigen Pflanze in der Pflicht, machten die Referenten deutlich. Ähnlich äußerten sich einige Besucher. Überdies seien die heißen Sommer, milden Winter und die Zunahme extensiv bewirtschafteter Flächen dem Kreuzkraut sehr zuträglich.

Welche Maßnahmen sind aber nun zu ergreifen? Zuallererst müsse man erkennen, um welche Kreuzkraut-Art es sich handelt. Zu beachten ist, dass die Pflanze zweijährig ist – das bedeutet, dass sie im ersten Jahr auf der Grasnarbe nur eine Blattrosette und erst im Jahr danach Stängel und Blüten mit meist je 13 gelben Blütenblättern bildet.

Das aufgewachsene Jakobskreuzkraut lässt sich oft durch konsequentes Mähen und Düngen vergraulen. „Weil abgemähtes Kreuzkraut aber innerhalb von Stunden eine Notreife vollzieht und Samen ausbildet, muss es sofort eingeholt werden“, erklärte Staltmayr den Zuhörern.

Um einiges widerspenstiger ist das Wasserkreuzkraut. Ausreißen oder Ausstechen seien mögliche Maßnahmen. Wobei möglichst schon im selben Arbeitsgang schnellwüchsiger Grassamen in die Lücken gesät werden sollte, um dem im Boden zigtausendfach vorhandenen Kreuzkrautsamen Platz und Licht wegzunehmen. „Rasch eine dichte Grasnarbe zu schaffen, ist unabdingbar“, betonte der Referent.

Bei starkem Befall bleibe oft nur der Einsatz von Chemie – was jedoch für Biobetriebe sowie auf Naturschutz- und FFH-Flächen nicht erlaubt sei. In schweren Fällen seien jedoch Ausnahmeregelungen möglich. Entsprechend empfahlen Kitzeder und Staltmayr, sich an die Landratsämter zu wenden: „Die Problematik ist dort schon bekannt.“

Entsorgt werden könnte das giftige Kraut beispielsweise in „ordentlich und mit ausreichend Temperatur“ betriebenen Biogasanlagen. Kleinere Mengen könne man in leeren Ölfässern anzünden, um die Samen abzutöten. Grundsätzlich sei ein gemeinschaftliches Vorgehen wichtig, „denn die fliegenden Samen des Krautes kennen keine Grundstücksgrenzen“. Und auch in der Politik müsse dieses Thema auf die Tagesordnung kommen, betonte MdL Benno Zierer von den Freien Wählern, der eigens von Freising nach Bad Heilbrunn gekommen war: „Macht Druck auf eure Abgeordneten, damit da was voran geht.“ (von Rosi Bauer)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Kontakt zu Einheimischen könnte besser sein“
Es gibt eine Personengruppe, die bereitet dem Lenggrieser Helferkreis Asyl Kopfzerbrechen. Und das sind junge Mütter mit Kindern. Warum dies so ist, erläutert …
„Kontakt zu Einheimischen könnte besser sein“
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Donnerstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Donnerstagabend
Herzogstandbahn: Revisionsarbeiten laufen auf Hochtouren
Herzogstandbahn: Revisionsarbeiten laufen auf Hochtouren

Kommentare