Die Sparkassen-Geschäftsstelle an der Ferdinand-Maria-Straße in Bad Heilbrunn. Am 1. Januar 2022 soll die Filiale geschlossen werden. Dagegen regt sich Widerstand. Jetzt startet eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung.
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Die Sparkassen-Geschäftsstelle an der Ferdinand-Maria-Straße in Bad Heilbrunn. Am 1. Januar 2022 soll die Filiale geschlossen werden. Dagegen regt sich Widerstand. Jetzt startet eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung.

In Heilbrunn liegen Listen aus – Gaißacher bitten VdK um Hilfe

Widerstand gegen Sparkassen-Schließungen im Tölzer Land

Die Kritik an der angekündigten Schließung zahlreicher Sparkassen-Filialen reißt nicht ab. In Bad Heilbrunnn werden nun Unterschriftenlisten ausgelegt. In Gaißach hat sich ein Ehepaar hilfesuchend an den VdK gewandt.

Bad Heilbrunn/Gaißach - Zum 1. Januar 2022 sollen im Landkreis die Sparkassen-Geschäftsstellen Icking, Bad Heilbrunn, Gaißach, Jachenau und Walchensee ganz geschlossen werden. In Dietramszell, Reichersbeuern, Egling, Königsdorf und Waldram werden SB-Stellen eingerichtet. Zwar haben sich schon einige betroffene Gemeinden kritisch zu Wort gemeldet (wir berichteten). Dass aber von den Kunden so wenig Widerstand kommt, wundert zum Beispiel Marianne März aus Bad Heilbrunn, die sich an den Tölzer Kurier gewandt hat. Sie kann sich die Zurückhaltung nur so erklären, dass die meisten meinen, dass man sowieso nichts ausrichten könne.

Für Heilbrunnerin gehören die Sparkassen zur Grundversorgung

Damit will sie sich nach einigen Gesprächen mit anderen Heilbrunnern nicht zufrieden geben und wird ab Montag, 13. September, eine Unterschriftenaktion starten. In der Heilbrunner Apotheke, bei Garten Holzmann, im Rathaus sowie noch einigen anderen Stellen legt März Listen aus, auf denen man gegen die Schließung der Heilbrunner Filiale protestieren kann (Corona-Hinweis: Bitte eigenen Stift mitnehmen.)

Für Marianne März gehört eine Sparkasse zur Grundversorgung am Ort. Heilbrunn sei schließlich auch kein ganz kleiner Ort. Die Bäuerin aus Mürnsee weiß von Geschäftsbesitzern, die nun ihre Tageseinnahmen nach Benediktbeuern fahren müssen. „Das ist doch auch völlig unökologisch“. Sie selber komme auch nur selten in die 8,5 Kilometer entfernte Loisachtalgemeinde.

Auch in Gaißach regt sich weiterhin Widerstand

Benediktbeuern (6,9 Prozent) bildet übrigens zusammen mit dem Landkreis (54), Bad Tölz (19,7), Kochel (6,9) und Lenggries (12,5) den Zweckverband Vereinigte Sparkassen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, der Träger des „öffentlich-rechtlichen Kreditinstituts“ ist.

Auf den gesetzlich verankerten Auftrag, eine kommunale Sparkasse zu stellen, berufen sich denn auch Thomas und Maria Ostheimer aus Gaißach, die ebenfalls die Schließung der Sparkassen-Filiale vor Ort nicht hinnehmen wollen. „Wenigstens ein Automat sollte bleiben“, sagt die 80-jährige Maria Ostheimer und spricht „von einem Stück Lebensqualität“.

Ehepaar bittet VdK-Präsidentin um Unterstützung

Das Ehepaar hat VdK-Präsidentin Verena Bentele in Berlin einen Brief geschrieben, in dem es um Hilfe bittet. Thomas Ostheimer (85) ist seit 50 Jahren querschnittgelähmt. Er liegt derzeit im Unfallkrankenhaus in Murnau. Seiner Frau „stinkt es furchtbar“, wie die Sparkasse „mit uns oide Leit umgeht“.

Seit fast sechs Jahrzehnten seien sie nun Kunden der Sparkasse. Und jetzt werde einem lapidar mitgeteilt, man solle nach Tölz in die Sparkasse Badstraße fahren. Dort mit einem Rollstuhl auszusteigen, sei geradezu lebensgefährlich, sagt Maria Ostheimer, die dem früheren Gaißacher Sparkassen-Chef Aschenbach noch heute dankbar ist, dass er einen barrierefreien Zugang, der diesen Namen auch verdient, geschaffen hat. Das sei leider lange her. Man habe ihr mitgeteilt, dass es auch die Möglichkeit eines Geldboten gebe. Das sei ja geradezu „vorsintflutlich“, ärgert sich die Seniorin und fühlt sich an die Zeit erinnert, als sie die Rente ihres Mannes noch von der Post abholen musste. Auch ist ihr nicht klar, wie eine Geldsendung in der Praxis funktionieren und was der Service kosten soll.

Zumindest eine SB-Stelle soll in Gaißach erhalten bleiben

Vor diesem Hintergrund will ihr nicht in den Kopf, warum die Sparkasse nicht einmal die SB-Stelle in Gaißach erhält. „Der Sparkasse gehört doch das Haus. Und das haben sie mit unserem Geld gekauft.“ Es dürfe, appelliert sie, nicht nur um die Gewinne gehen, sondern „auch um ein bisschen Menschlichkeit“.

Ähnliche Gedanken hegt auch Marianne März, die wenigstens eine Sparkassen-Selbstbedienungsstelle in Heilbrunn erhalten will. Auf den Hinweis der Sparkasse, dass man ja am Ort beim Raiffeisen-Automaten am Rewe Geld abheben könne, erwidert sie, dass sie sich an einem frei stehenden Automaten unwohl fühle. „Ein bissl geschützt sollte das schon sein.“ (cs)

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