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Vor 30 Jahren wurde die Fachklinik in Bad Heilbrunn eröffnet.

30. Geburtstag

„Die Heilbrunner Fachklinik ist bis heute ein Glücksfall“

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Vor 30 Jahren blickte der Landkreis nach Bad Heilbrunn: Die Eröffnung der Fachklinik zog das Interesse auf sich. Mehr als 180 000 Patienten wurden dort behandelt, die Klinik ist Arbeitgeber für derzeit 400 Menschen. 

Bad Heilbrunn – „Grüß Gott! Meine Name ist Rudolf Schäfermeier. Wollen Sie eine Klinik?“ Martin Bachhuber, damals Bürgermeister von Bad Heilbrunn, wird diesen Tag im Jahr 1986 nicht vergessen, als Schäfermeier unerwartet in seinem Büro stand. Schäfermeier, Geschäftsführer bei der Fachgruppe Enzensberg, war Bachhuber allerdings nicht völlig fremd. Pläne zur Errichtung einer Klinik gab es schon seit 1982 unter Bürgermeister Josef Kolb, erinnert sich Bachhuber, damals noch Kämmerer. 1984 wurde er Kolbs Nachfolger, heute sitzt er für die CSU im Landtag. Als Areal hatte man damals jenes Grundstück im Auge, auf dem sich heute die Tennisplätze befinden. „Man dachte an eine Rheuma-Moor-Fachklinik“, erinnert sich Bachhuber. „Aber letztlich war hinter dem Projekt kein Zug.“ Zudem wurde es nichts mit dem geplanten Moorabbau in Oberbuchen.

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Die Sache nahm wieder Fahrt auf, als Bachhuber als Bürgermeister zusammen mit der Baugenossenschaft Wolfratshausen 8000 Flyer drucken ließ, um Investoren eine Projektfläche für eine Klinik oder ein Hotel schmackhaft zu machen. Eines dieser Werbeschreiben landete bei der „m & i Klinikgruppe Enzensberg“ – so kam der Kontakt zu Rudolf Schäfermeier zustande. Die Gruppe, erinnert sich Bachhuber, wollte eine Klinik im Einzugsbereich von München schaffen. Das Grundstück, also dort, wo heute die Tennisplätze sind, gefiel der Klinikgruppe jedoch nicht – und so verlief die Sache wieder im Sande, bis zu jenem Tag im Jahr 1986. Schäfermeier hatte jetzt aber ein anderes Grundstück im Auge – und man wurde sich einig.

Bau kostete 47 Millionen D-Mark

Im Oktober 1986 stimmte der Gemeinderat einstimmig für den Bau des 47 Millionen D-Mark teuren Projekts. Die Kommune hatte vorher über die Bauherrengesellschaft „m & i“ („Medizin und Immobilie“) sowie über die Betreibergesellschaft – Fachgruppe Enzensberg – Erkundigungen eingezogen. „Überall beste Bewertungen“, sagt Bachhuber. Im Juli 1987 waren die ersten Baugenehmigungen erteilt, kurz darauf rollten die Bagger an. Schon Mitte November 1988 wurde Einweihung gefeiert. „Das war nur möglich, weil Gemeinde, Grundstücksbesitzer und das Landratsamt unter Otmar Huber reibungslos zusammengearbeitet haben“, sagt Bachhuber. „Heute ist so eine Projektzeit unvorstellbar.“

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Bedenken zu dem Großprojekt gab es übrigens nur wenige. „Manche machten sich Sorgen um die Infrastruktur und die Verkehrsbelastung“, erinnert sich Bachhuber. Aber die Sorgen waren schnell zerstreut, vor allem, als klar war, wie viele Arbeitsplätze die Klinik schaffen würde. Vor Gericht zog jedenfalls niemand.

Anfangs war die Fachklinik vor allem auf Orthopädie spezialisiert, doch rasch wurde das Angebot ausgebaut. Eine weitere Kerndisziplin ist heute die Neurologie. Hier werden Patienten behandelt, die einen Schlaganfäll hatten, Operationen am Gehirn durchführen lassen mussten, eine Rückenmarksverletzung haben oder zum Beispiel an Parkinson oder Multipler Sklerose erkrankt sind.

Weltweit anerkanntes Zentrum für Diabetes

Die dritte Kerndisziplin ist heute der Fachbereich Innere Medizin/Kardiologie. Zudem gibt es in Heilbrunn mittlerweile ein weltweit anerkanntes Zentrum für Diabetes- und Stoffwechselerkrankungen. Und in der Abteilung Nephrologie/Transplantationsnachsorge werden Patienten sowohl nach einer OP als auch im Rahmen der Langzeitnachsorge betreut. „Hier kommen Patienten aus ganz Deutschland zu uns“, sagte Maximilian Roth, Mitglied der Klinikleitung. Neu im Spektrum sind Rehabilitationen für Nierenspender und Dialysepatienten.

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Medizinisch hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert, beispielsweise im Bereich Orthopädie. Im sogenannten „Zentrum für Schmerzerkrankungen“ werden Patienten akut behandelt, beispielsweise, wenn sie Schmerzen an der Wirbelsäule haben. „Man kann heute Nerven, die Schmerzen verursachen, mit einem heißen Draht veröden“, erklärt Roth eine der Methoden („elektrothermische Denervierung“). Heutzutage könne man bei rund 80 Prozent der Fälle eine Bandscheiben-OP verhindern, so Roth. Auch im Bereich der Diabetologie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. So können Erkrankte ihre Insulinpumpe am Körper mit dem Smartphone steuern.

Von den durchschnittlich 300 Patienten werden etwa ein Drittel akut behandelt, zwei Drittel sind Reha-Patienten. Der größte Fachbereich ist die Neurologie, gefolgt von Orthopädie, Innere Medizin und Nephrologie. Während die Patienten mit orthopädischen und neurologischen Problemen überwiegend aus der Region kommen, zieht die Heilbrunner Klinik in allen anderen Bereichen Patienten aus ganz Deutschland an.

400 Angestellte, darunter 30 Ärzte

Und wie kommt man nun nach Bad Heilbrunn? Die Wege sind verschieden, erklärt Maximilian Roth: entweder durch eine Überweisung vom Facharzt, von einer Klinik, von einem Sozialdienst oder im Rahmen eines Heilverfahrens finanziert von der Rentenversicherung. Aber das ist längst nicht alles: „Heutzutage informieren sich viele Patienten gezielt im Internet und melden sich dann bei uns“, berichtet Roth. Und bekommt man dann schnell einen Termin? „Das hängt von der Art der Erkrankung ab“, sagt Roth. In der Nephrologie beispielsweise müsse man Wartezeiten in Kauf nehmen.

Mit 400 Angestellten, darunter 30 Ärzten, gehört die Heilbrunner Fachklinik zu den größten Arbeitgebern in der Region. Im Pflegebereich arbeiten rund 120 Beschäftigte, etwa 80 sind es im therapeutischen Bereich, die anderen verteilen sich auf Verwaltung, Großküche und Service. „Alle Stellen im ärztlichen und im pflegerischen Bereich sind besetzt“, sagt Roth und betont, dass es in Heilbrunn nur deutschsprachige Ärzte gebe. Wie schwierig ist es für die Klinik, Mitarbeiter für den Pflegebereich zu finden? „Auch wir merken den Fachkräftemangel“, sagt Maximilian Roth. „Aber wir bemühen uns sehr um das Wohl unserer Mitarbeiter. Das trägt Früchte.“ Die Bezahlung erfolge nach Tarifvertrag, ausgehandelt zwischen privaten Krankenanstalten und Verdi.

Will die Klinik in den kommenden Jahren erweitern? Aktuell sei kein Ausbau geplant, sagt Roth. „Das heißt aber nicht, dass wir nicht strategisch denken.“ Konkrete Pläne gebe es aber nicht.

Auch die Gemeinde Bad Heilbrunn profitiert seit 30 Jahren in vielerlei Hinsicht von der Einrichtung – die Klinik hat nicht nur einen guten Ruf, sondern ist auch Beitragszahler für die gemeindliche Infrastruktur. „Die Klinik ist bis heute ein Glücksfall für Bad Heilbrunn“, sagt Bachhuber.

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