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Wandern ist angesagt: Junge Menschen haben Freude am Bergsteigen, so wie hier am Brauneck.

Bilanz

Auf den Hütten herrschte heuer Wassermangel - trotzdem hatten die Wirte einen Super-Sommer

Viele Wanderer im Isarwinkel bedeutet: Gedrückte Klospülungen, laufende Wasserhähne, viel Geschirr zum Abspülen. Das Wasser wurde einigen Hüttenwirten im Sommer knapp.

Lenggries – Was war das für ein Sommer: Die Luft flimmerte von der Hitze, die Menschen drängten zur Eisdiele oder ins Freibad – und Regen war rar. Auf den Hütten und Almen in den Isarwinkler Bergen hieß es deshalb: Wasser sparen.

Die Hitze, der spärliche Niederschlag und dazu unzählige Klospülungen und laufenden Wasserhähne durch viele Wanderer ließen die Wasservorräte der Hütten dahinschmelzen. Das Wasser reichte –- doch bei vielen gerade so. Die anderen, weniger heißen Sommermonate gereichten den Hüttenwirten im Isarwinkel dafür umso mehr zum Vorteil.

Wasserstand im August so niedrig wie sonst Ende September

„Wir machen unseren Hüttenstrom mit Wasserkraft“, sagt Andreas Ruech. Bereits am 17. August sei der Wasserstand so niedrig wie sonst Ende September gewesen, so der Karwendelhaus-Wirt. Insgesamt sei die Saison jedoch gut verlaufen. „Das Tagesgeschäft hat zwar wegen der Hitze im August etwas nachgelassen“, sagte Ruech. In den anderen Monaten sei 2018 dafür eines der besseren Jahre gewesen.

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Auf der Tölzer Hütte am Schafreuter war die Problematik ähnlich. „Man musste mit dem Wasser gut haushalten“, so Wirt Michael Bubeck. Die Tölzer Hütte nutzt Quell- und auch Regenwasser. „Der Tank wurde nicht ganz leer, aber es war knapp“, so Bubeck. Wirtschaftlich war die Saison für den 53-Jährigen sehr gut. Das lag laut Bubeck am konstant guten Wetter und daran, dass die nahe gelegene Falkenhütte geschlossen ist. Bei 70 Betten schätzt der Wirt die Zahl an Übernachtungen auf rund 3000 zwischen Mai und September. Bubeck freut sich über Ausflügler, sieht aber auch Gefahren für Natur und Tier: „Die Leute sollen auf den Wegen bleiben und zu tagesüblichen Zeiten gehen.“

Hatte Glück mit der Wasserversorgung: Die Tegernseer Hütte am Roß- und Buchstein.

Glück: Immer wenn es fast leer war, hat es doch einmal geregnet

Die zwischen Roß- und Buchstein gelegene Tegernseer Hütte hatte mit dem Wasser auch Glück: „Immer wenn es fast leer war, hat es dann doch einmal geregnet“, sagt Sylvia Ludwig. Die Hüttenwirtin hatte mit ihrem Mann bei gutem Wetter „schon sehr viele Gäste“ und bemerkte heuer vermehrt junge Leute am Berg.

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Vielmehr junge Menschen am Berg

Die registrierte auch Michaela Durach auf der Lenggrieser Hütte am Seekar. „Ich finde es auffallend, wie viele junge Studenten in dieser Saison als Gruppen gekommen sind“, sagt die Wirtin. Wandern sei „einfach angesagt“. Vermehrt wagten sich auch E-Bike-Fahrer auf die Hütte. „Das sind dann oft Kurzentschlossene, die bei schönem Wetter noch schnell rauf fahren“, so die 38-Jährige. Dank des guten Wetters sei die Saison ab Mai „sehr gut gelaufen“ – mit zirka 3000 Übernachtungen.

Am Brauneck müssen sich die Wirte keine Sorgen um das kühle Nass machen. Alle Hütten sind inzwischen an die gemeindliche Versorgung angeschlossen. Das Wasser kommt konstant – ebenso wie heuer die Gäste.

Brauneck-Wirtin hofft auf gutes Wetter auch im Herbst

Julia Müller ist froh, dass durch das gleichbleibend gute Wetter auch der Zustrom an Gästen im Panorama-Restaurant über den Sommer gleichbleibend gut verteilt blieb. „Sonst ist oft alles auf eine Woche konzentriert“, so die Panorama-Wirtin. Das Gleiche hofft Müller nun auch für den Herbst.

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Einige paar Höhenmeter weiter berichtet Brauneckhaus-Wirt Rudolf Steiger-Wiesner, die Saison sei „absolut okay“ gewesen. Hans Oswald, Wirt der Jocheralm, sagt, er hatte „gut was zu tun“ im Sommer. Ein weiterer Wirt am Brauneck ist froh: „Ja, die Saison war recht zufriedenstellend“, sagt Peter Lindlbauer. Anfang August seien die Leute zwar eher zum Baden als auf die Hütte gegangen, ansonsten habe der Wirt der Quengeralm aber „nichts zu meckern“.

Ebenfalls „sehr gut“ lief es bei Martin Ginhart am Blomberg. „Die Leute hatten irgendwann keine Lust mehr auf Baden“, so der Wirt vom Blomberghaus. Dann seien viele trotz Hitze zum Wandern gegangen.

Nora Linnerud

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