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Der Tölzer Tragstuhl belege, so Markus Söder augenzwinkernd, dass sich der bayerische Finanzminister schon vor 300 Jahren klimaneutral bewegt habe.

Ausstellung in Regensburg eröffnet

100 bayerische Schätze, und einer ist aus Tölz

In Regensburger Haus der Bayerischen Geschichte  wurde die Ausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren“ eröffnet. Ein Exponat: eine 300 Jahre alte Portechaise. Der vollvergoldete Tragstuhl vom bayerischen Hof ist ein Unikat.

Bad Tölz – Am Ende gelang es Ministerpräsident Markus Söder sogar, einen Bogen zwischen der 300 Jahre alten Tölzer Sänfte und dem derzeit global beherrschenden Thema Umwelt zu spannen. Der damalige Finanzminister des bayerischen Hofs habe sich immerhin bereits „klimaneutral fortbewegt“, merkte Söder augenzwinkernd an. 400 geladene Gäste im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg schmunzelten. Söder eröffnete am Donnerstag die Sonderausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren Bayern“.

Ein „Schatz“ davon ist ein Dachbodenfund aus dem Tölzer Stadtmuseum. Eine vollvergoldete Portechaise, die vor 300 Jahren von der Ehefrau des kurfürstlichen Kämmerers (= Finanzminister) und gleichzeitigen Mätresse des Kurfürsten Max Emanuel benutzt wurde. Vielleicht war die hübsche Madame Kurgast im alten Heilbad Heilbrunn. Es könnte sein, dass der bekannte Tölzer Historiker Johann Nepomuk Sepp einst ihren Erwerb fürs Tölzer Museum veranlasst hat. Es gibt noch viel zu forschen.

Nach 150 Jahren im Dornröschenschlaf wurde die Portechaise, also ein überdachter Tragstuhl, von Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker vor sieben Jahren wiederentdeckt. Ihre Qualität zu erkennen, war das eine, die nötigen 100 000 Euro Restaurierungskosten aufzutreiben, das andere.

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Hier kommt das Ehepaar Helga und Kurt Kappelmaier aus München ins Spiel. Über verwandtschaftliche Beziehungen haben sie ihre Liebe zur Isarstadt entdeckt und betätigen sich seit Jahren als Mäzene. Marionettentheater und Winzerer-Kapelle in der Pfarrkirche wurden durch ihre Stiftung unter dem Dach der Messerschmitt-Stiftung schon gefördert. Und jetzt also die komplette Restaurierung des Prunk-Tragstuhls, der bei der ersten Inaugenscheinnahme „schon arg derhaut“ gewesen sei, wie sich Kappelmaier erinnert. „Das macht uns schon glücklich, dass das so ein Prachtstück geworden ist.“ Einer von 100 Schätzen aus 1000 Jahren Bayern. Und für immer mit dem Namen Kappelmaier verbunden, freut sich seine Frau Helga.

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Nach Ende der Sonderausstellung in Regensburg soll die Portechaise das Glanzstück des Tölzer Stadtmuseums und entsprechend präsentiert werden, sagt Kurdirektorin Brita Hohenreiter, die ebenfalls in Regensburg war und es „als große Ehre“ ansieht, dass Tölz bei dieser Landesausstellung vertreten war. Im ungebauten Museum richtig in Szene gesetzt, werde die Nobelsänfte „dem Stadtmuseum einen richtigen Schub geben“.

Was „richtig in Szene setzen“ heißt, darüber hatte Markus Söder in seiner kurzweiligen Rede philosophiert. Schon als geschichtsinteressiertem Schüler seien ihm die Geschichtslehrer am sympathischsten gewesen, die Detailwissen aneinanderfügen und zu einem Erzählstrang zusammenführen konnten.

Söder war überzeugt, dass die Ausstellung „100 Schätze“ auch bei Jugendlichen Interesse wecken könne, weil man bei Betrachtung der ausgewählten Gegenstände und ihrer Geschichte „auch ein Gefühl dafür bekommt, wo wir herkommen und warum wir sind, wie wir sind“. Man müsse nur zulassen, einzutauchen in die Geschichte. Am Rande erwähnt: Neben einem Schandmantel, einem Pestkarren und einem Dürer-Bild ging der Ministerpräsident in seiner Rede nur noch auf die Tölzer Portechaise ein.

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„Einzigartig“, sagt Brita Hohenreiter seien Engagement und Eigeninitiative von Elisabeth Hinterstocker gewesen. Die Museumsleiterin selbst ist „glücklich und zufrieden“ mit dem Erreichten und erinnert sich an Juli 2018 zurück. Da stand eines Tages unangemeldet Stephen Loft-Simson vor der Museumstür. Der Sänften-Spezialist aus dem englischen Bristol hatte aus dem Internet von der Portechaise erfahren und war umgehend nach Tölz gefahren, um das, wie er es nannte, Spitzenstück zu inspizieren. Solche Erfahrungen hat Hinterstocker nicht nur einmal gemacht. Und so fällt auch die Antwort auf die Frage, ob so viel Aufwand gerechtfertigt ist, eindeutig aus. „Wir hätten es schon gut begründen müssen, wenn wir so ein Stück verkommen hätten lassen.“

Christoph Schnitzer

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