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Großgerät im Einsatz

10.000 Schläge für eine sichere Brücke

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Bad Tölz - Lkw, Fahrräder, Fußgänger: Auf der Tölzer Isarbrücke herrscht Tag und Nacht Verkehr. Damit das Bauwerk das aushält, prüfen zwei Ingenieure regelmäßig die Tragfähigkeit – mit Hammer, Risskarte und einem gewaltigen Fahrzeug.

Max Rümmer tänzelt wie beim Limbo im Zickzack auf der schwankenden Rampe entlang, immer weiter in die Mitte der Isarbrücke. Mit einem Hammer schlägt er gegen den Beton über ihm. Musikalisches Allegro-Tempo, 110 Schläge die Minute. Sein Kollege, Rainer Kasbauer, wartet am Anfang der Rampe und fährt sie weiter aus, damit Rümmer jeden Meter abklopfen kann.

Die Ingenieure stehen auf einem sogenannten Brückenuntersichtgerät. Von einem Lastwagen auf dem Gehweg der Isarbrücke führt ein Stahlgerüst am Geländer nach unten, an dem die Rampe befestigt ist, von der aus Rümmer und Kasbauer den Beton der Brücke untersuchen können. Mit diesem Fahrzeug waren die beiden gestern den ganzen Tag unter der Brücke. Die Hauptuntersuchung, für die das Brückenuntersichtgerät nötig ist, steht alle sechs Jahre an.

Mit jedem Hammerschlag, hallt Rümmer ein helles „Kling“ entgegen. Doch dann kommt er an eine Stelle, an der das Geräusch an einen Schlag auf einen leeren Eimer erinnert. Eine Hohlstelle. „Durch Korrosion an der Stahleinlage quillt der Beton richtig auf und platzt irgendwann ab“, sagt Kasbauer (54).

Genau das versuchen die Tölzer Ingenieure frühzeitig zu erkennen. „Die Schäden werden sonst immer größer“, sagt Rümmer (55). Die Untersuchung sei günstiger, als irgendwann die ganze Brücke zu erneuern. Neben dem Klopfen – „10 000 Schläge sind es bestimmt“ – suchen Kasbauer und Rümmer den Beton nach Rissen ab. „Auf der Risskarte können wir vergleichen, wie breit sie sind, und das dokumentieren.“

Die Schäden unter der Isarbrücke sind gerade mal zwischen 0,1 und 0,3 Millimeter breit. Das erkennt nur, wer ganz nah mit den Augen an den Beton kommt. „Zu 100 Prozent kann man das nicht abdecken, aber wir versuchen es“, sagt der 55-Jährige. Bei einer 50 Jahre alten Brücke könne immer was sein. Für Brücken hegen die beiden durchaus eine Begeisterung. „Das sind einfach gewaltige Bauwerke, eine Paradedisziplin für Bauingenieure.“

Seit dem Jahr 2000 schreibt die DIN 1076-Norm die genauen Bauwerksprüfungen vor. RK-Statik, das Ingenieurbüro von Rümmer und Kasbauer, untersucht jedes Jahr sechs der rund 20 städtischen Brücken in Tölz. Die Rehgrabenbrücke, die am heutigen Donnerstag dran ist, ist zwar größer als die Isarbrücke. „Dort sind wir aber schneller, weil es keine Brückenpfeiler gibt, denen wir ausweichen müssen“, so Rümmer.

Mit Hammerschlägen sucht Max Rümmer nach Hohlstellen im Beton. Sie klingen anders als der Rest der Brücke.

Das Brückenuntersichtgerät brauchen die Ingenieure nur für die beiden Brücken. Die anderen können mit Hilfe von Leitern und Anglerhosen untersucht werden. Rümmer: „Unter die Brücke am Einbach bin ich auch schon geschwommen.“

Die Schäden an der Isarbrücke sind unbedenklich. Würden die Ingenieure einen Riss entdecken, der auf Schäden an der Bewehrung, also der Betonverstärkung, hinweist, würden sie das weitergeben. „Wir sind praktisch der Hausarzt. Wenn es weiter fehlt, geht es zum Spezialisten“, sagt Kasbauer.

Cyriakus Klüber (59), der oben auf der Brücke in dem Lkw sitzt, ist Spezialist für Brückenuntersichtgeräte. Er steuert den Stahlarm und hält über eine Kamera Kontakt mit den Ingenieuren unter der Brücke. Der 59-Jährige arbeitet für „Wemo-Tec“ in Eichenzell bei Fulda, eine der wenigen Firmen, die mobile Brückenuntersichtgeräte haben. „Wir bringen Fahrzeuge bis nach England oder Schweden“, sagt Klüber. Er selbst ist aber nur in Deutschland unterwegs und übernachtet in seiner Fahrerkabine. Vor Tölz war er in Berchtesgaden. Wo es nächste Woche hingeht? „Schaun mer mal“, sagt Klüber.

Bilder: Im Korb unter die Brücke

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