Stromzähler
+
Ab dem kommenden Jahr wird Strom für Kunden der „17er Oberlandenergie“ teurer.

Happiger Sprung

Kommunale Anbieter: Einer erhöht den Strompreis um über 10 Prozent, der andere gar nicht

Beide sind regionale Versorger in kommunaler Hand. Dennoch sieht die Strompreisentwicklung bei der „17er Oberlandenergie“ und den Stadtwerken Bad Tölz völlig unterschiedlich aus.

Bad Tölz – Verblüffend ist das schon: Es gibt zwei von kommunalen Gesellschaftern getragenen Stromlieferanten in Bad Tölz. Die Stadtwerke (100-prozentiger Eigentümer: Stadt Tölz) und die „17er Oberlandenergie“, an der neben 27 Kommunen auch die Stadtwerke mit 7,89 Prozent Minderheitsgesellschafter sind. Der Unterschied: Die einen, die Stadtwerke, halten ihren Strompreis fürs kommende Jahr konstant. Die „17er“, erhöhen hingegen um stolze 10,6 Prozent.

Warum ist das so? Julia Mohaupt vom Marketing der Tölzer Stadtwerke spricht von einem „sozialen Auftrag“, den man als kommunales Unternehmen in Zeiten von Corona sehr ernst nehme. Zudem sei man im Gegensatz zur „17er Oberlandenergie“ im Netzgebiet Bad Tölz der Grundversorger. Der beliefert die meisten Haushaltskunden und hat als Lieferant ein geringeres Risiko. Als Mitgesellschafter beim „17er“ nehmen die Stadtwerke laut Mohaupt „keinen Einfluss“ auf die Preisgestaltung.

Regionaler Ökostrim aus dem Wasserkraftwerk Obernach

Die „17er Oberlandenergie“ begründet den happigen Preissprung von 10,6 Prozent für die Tölzer Kunden im kommenden Jahr unter anderem damit, dass das sogenannte Netzentgelt im Tölzer Stadtgebiet um 2,2 Cent pro Kilowattstunde höher sei als zum Beispiel im Netzgebiet der Bayernwerk AG, erklärt Geschäftsführer Thomas Feistl. Die Stadtwerke dürfen als Eigentümer des Stromnetzes ein Entgelt für die Nutzung verlangen. In der Vergangenheit, so Feistl, habe man die Netzentgeltdifferenz stets ausgeglichen. Aufgrund des geänderten Kundenverhaltens und viel häufigerer Wechsel sei diese Praxis aber nicht mehr aufrechtzuerhalten. Man sei sich klar, dass der Preissprung happig sei und habe lange überlegt, „aber wir mussten es irgendwann machen“. Feistl verweist auch darauf, dass man regionalen Ökostrom aus dem Wasserkraftwerk Obernach anbiete und man sich mit einem Arbeitspreis von 30,89 Cent/kWh im Preisvergleich mit anderen Anbietern „nicht verstecken muss“.

Hätte man nicht in Zeiten von Corona gleichwohl nicht auf eine so deutliche Erhöhung verzichten müssen? Man habe nicht nur Verpflichtung gegenüber Haushalten und Gewerbetreibenden, sondern auch gegenüber Mitarbeitern und Lieferanten, antwortet der Geschäftsführer. „Wir sind angehalten, wirtschaftlich zu arbeiten.“ Während der Corona-Zeit habe man überdies nicht erst das staatliche Zahlungsmoratorium abgewartet, sondern sei schon zuvor auf besonders betroffene Geschäftskunden (Gastwirte, Einzelhändler) zugegangen, um mit ihnen zum Beispiel Stundungen abzusprechen. „Wir haben da mit vielen gute Lösungen gefunden.“ Außerdem habe man die Mehrwertsteuerreduzierung nicht erst seit 1. Juli, sondern für das ganze Jahr 2020 an die Kunden weitergegeben.

Preise 2021 im Vergleich:

  • Stadtwerke Tölz: Arbeitspreis: 28,10 ct/kWh, monatlicher Grundpreis konventioneller Zähler: 12,50 Euro, moderner Zähler: 13,33 Euro.
  • 17er Oberlandenergie: 30,89 ct/kWh, konventioneller Zähler: 11,90 Euro, moderner Zähler: 12,58 Euro.

Lesen Sie auch:

Stadtwerke Tölz schaffen mehr Infrastruktur für E-Autos

So sehen die Pläne für ein Tölzer Hallenbad der Zukunft aus

Stromverbrauch in Bad Tölz geht in Corona-Krise zurück

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare