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20-jähriger Tölzer zu 72 Sozialstunden verurteilt

Unter Drogen über rote Ampel

Bad Tölz/Wolfratshausen – Vollgedröhnt mit diversen Drogen „in Konzentrationen, die durch die Decke schießen“, wie Jugendrichter Urs Wäckerlin feststellte, rauschte der junge Mann (20) mit seinem Golf über die rote Ampel an der Tölzer Osterleite.

Eine Polizeistreife beobachtete ihn dabei und verfolgte den Verkehrssünder. Der nahm Reißaus über den Alten Bahnhofsplatz, gab jedoch nach einigen hundert Metern auf. Eine Blutprobe förderte Rückstände von Marihuana, Amphetaminen und MDMA zutage. Nun wurde der 20-Jährige wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu 72 Sozialstunden verurteilt.

Am Vorabend des Vorfalls, der sich am 7. Dezember 2015 ereignete, hatte der 20-Jährige in München ein Festival besucht. Dort habe er eine Tablette angeboten bekommen, danach habe er sich komisch gefühlt, erläuterte der Angeklagte vor Gericht. Zudem räumte er ein, mehrere Joints geraucht zu haben. „Den letzten etwa zwei Stunden, bevor ich aufgehalten worden bin.“ Was den Richter zu der Feststellung veranlasste: „Autofahren ist da eher die falsche Therapie.“

Seine Flucht erklärte der Beschuldigte mit einer Schreckreaktion. „Als ich das Blaulicht sah, habe ich Panik bekommen. Ich dachte: Wie soll ich meinem Vater erklären, dass ich mit Drogen ins Auto gestiegen bin?“ Den Polizisten gegenüber, die ihn gegen 1.30 Uhr in der Nacht aufhielten, hatte er schon an Ort und Stelle erzählt, am Abend zuvor etwas geraucht zu haben.

Damit und mit einer Tablette allein waren die hohen Werte der toxikologischen Untersuchung jedoch nicht zu erklären. Vor allem die Spuren von Speed waren noch extrem hoch. „Das lässt sich eher mit ein, zwei Nasen kurz vorher erklären“, erläuterte eine Gutachterin. Die Einschätzung, ob das Fehlverhalten des Angeklagten als Ordnungswidrigkeit oder Straftat zu werten sei, überließ sie dem Gericht.

Richter Wäckerlin ließ keine Zweifel daran, dass er in dem unkontrollierten Drogenkonsum den Grund für die Aussetzer des jungen Mannes sah, der „nur wegen dem guten Wort der Jugendgerichtshelferin“ (Wäckerlin) um einem Arrest herumkam. Der Tölzer war nämlich erst in diesem Sommer wegen Erwerbs von Betäubungsmitteln zu 32 Sozialstunden verurteilt worden, hatte diese aber nicht absolviert.

Nun kommen 40 weitere Stunden hinzu, und eine mahnende Ansage des Richters: „Ich erwarte, dass das jetzt hinhaut.“

Zudem ordnete Wäckerlin ein Alkohol- und Drogenkonsumverbot, diverse Urinkontrollen sowie sechs Gespräche mit der Caritas-Suchtberatung an. (rst)

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