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Eine eindrucksvolle Figur mit Charakterkopf: Prof. Johann Nepomuk Sepp. Am 7. August 1816 wurde er im Kruglederer-Haus (Marienstift) in Tölz geboren.

200. Geburtstag des Universalgelehrten Johann Nepomuk Sepp

Der Vollblut-Patriot

Bad Tölz – Universalgelehrter Johann Nepomuk Sepp hat  Einfluss auf den Lauf der Geschichte genommen. Eine Geschichte über den Universalgelehrten  Johann Nepomuk Sepp.

Fragende Blicke, Kopfschütteln, Grinsen: Nicht selten stehen Tölz-Besucher ziemlich ratlos vor einer seitlich angebrachten Grabtafel an der Franziskanerkirche, auf der steht: „Der Tod ist strenges Weltgesetz, doch leichter ist gestorben / Seit Elsass Lothringen mit Metz und Straßburg wir erworben.“

Das Epitaph ist Johann Nepomuk Sepp gewidmet. Morgen, am 7. August, steht ein Doppeljubiläum an: Der 200. Geburtstag des Politikers und Universalgelehrten sowie der 100. Jahrestag der Enthüllung des Gedenksteins mitten im Ersten Weltkrieg.

Das löst auch gleich das Rätsel des merkwürdigen Sinnspruchs auf der Gedenktafel, die im Sommer 1916 als Erinnerung an den 100. Geburtstag angebracht wurde. Sepp, der 1909 starb und am Münchner Südfriedhof bestattet ist, war großer Patriot gewesen, mit dem Nimbus des „Franzosenfressers“. Dass man den famosen Ruf des Tölzer Ehrenbürgers mitten im Ersten Weltkrieg und während der schweren Kämpfe um Verdun propagandistisch auch an der Heimatfront – das Wort stimmt buchstäblich – ausschlachtete, war logisch.

Wie viele Tölzer Bürger haben wohl maßgeblich Einfluss auf den Lauf der Geschichte genommen? Nicht viele. Sepp aber war einer davon. In einem Nachruf hat Georg Jacob Wolf, der Herausgeber der Zeitschrift „Das Bayerland“ 1909, an eine bedeutende Sitzung der bayerischen Abgeordnetenkammer am 19. Juli 1870 erinnert. Der damals 53-jährige Sepp habe damals mit einer fulminanten Rede seine Patriotenpartei mit sich gerissen. Der Landtag stimmte noch am selben Tag mit einer knappen Zwei-Drittel-Mehrheit für die Kriegskredite, die für den Kriegseintritt Bayerns an der Seite Preußens notwendig waren. Heutige Historiker bewerten Sepps Rolle nicht mehr ganz so zentral.

Sepp bereitete im Landtag ein Jahr später entscheidend den Boden für den Eintritt Bayerns ins Kaiserreich. Für die Einigung Deutschlands hatte sich Sepp schon 1848 bei der ersten deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche ausgesprochen. Die Mitglieder der katholischen, Rom-treuen Vertreter in seiner Patriotenpartei, die „Ultramontanen“, sollten ihm die „Unterwerfung“ Bayerns unter das protestantische Joch der preußischen Hohenzollern aber nie verzeihen. Im Grund hatte Sepp seitdem politisch ausgespielt. Es ist aber wohl auch kein Zufall, dass der neue Reichskanzler Otto v. Bismarck 1874 Sepp und seinen Sohn mit der Suche des Grabs von Friedrich Barbarossa im heutigen Libanon beauftragte.

Wer war Johann Nepomuk Sepp? In einem Vortrag hat Karl Floßmann, Ehrenmitglied im Historischen Verein, einige Berufsbezeichnungen zusammengefasst: Theologe, Historiker, Politiker, Volkskundler, Forschungsreisender, Kunstfreund, Verfasser von 60 Büchern, Initiator von zahlreichen vaterländischen Denkmälern. Man könnte zu jedem Stichwort Buchfüllendes sagen. Der Historische Verein hat dies in dem kleinen Buch „Typisch Sepp“ (erschienen 2009) versucht.

Aus der Fülle seien einige Höhepunkte herausgegriffen: Sepp regte das Winzerer-Denkmal an, genau wie den „Löwen von Waakirchen“. Dass die Tölzer Stadtpfarrkirche 1877 einen neugotischen Turm bekam, hatte Sepp, der aus dem Haus des späteren Marienstifts stammte, schon 20 Jahre früher gefordert und sich – Motto: Nicht kleckern, sondern klotzen – gleich für eine Kathedrale ausgesprochen. Sepp rettete mit Einsatz privater Geldmittel das berühmte Kloster Wessobrunn und seine Kunstschätze vor dem Verfall. In der Lola Montez-Affäre zeigte der streitbare Hochschuldozent in München Flagge gegen König Ludwig I. und wurde prompt entlassen (1847).

Der im Umgang nicht einfache, streitbare und empfindliche Mann passte, wie Floßmann urteilt, „in keine Schublade“. Seine Bücher rufen bei Historikern und Volkskundlern heute eher Schmunzeln hervor, weil Sepp Information, Meinung und Spekulation nicht immer sauber trennte, so Floßmann. Aber er sei eben „kein Abschreiber und Wiederkäuer gewesen, sondern hat reichlich Feldforschung betrieben“.

Und so sind seine Werke auch „ein mächtiger Schatz an Information“. Ihn komplett zu bergen, ist bis heute nicht gelungen. Dem Multitalent, Vollblut-Patrioten und Original Johann Nepomuk Sepp wird man, da ist sich Floßmann sicher, nicht mit heutigen Maßstäben gerecht: „Man muss ihn mit all seinen Widersprüchen aus der Zeit heraus verstehen.“

Sebastian Lindmeyr und Christoph Schnitzer

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