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Eine Situation, wie es sie seit dem vergangenen Frühjahr nicht mehr gab: Eine große Gruppe von Asylbewerbern kommt am Tölzer Landratsamt an. 

So geht‘s weiter mit der Unterbringung 

2600 Plätze für Asylbewerber

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Bad Tölz - Mehrere große Asyl-Unterkünfte im Landkreis stehen bereit, um demnächst belegt zu werden. Das Landratsamt geht davon aus, dass dadurch aktuell 2600 Plätze zur Verfügung stehen. Derzeit leben 1830 Geflüchtete in den Asylunterkünften des Landkreises.

Der Trend geht zur großen Gemeinschaftsunterkunft: Unter dieser Überschrift steht aktuell die Unterbringung von Asylbewerbern im Landkreis. Dadurch dass mehrere große Objekte dazukommen, geht das Landratsamt aktuell davon aus, dass insgesamt 2600 Plätze zur Verfügung stehen. Wann, wo und inwieweit diese belegt werden, ist allerdings noch weitgehend unklar.

Zum Stichtag 31. Dezember 2016 lebten in den Asylunterkünften im Landkreis 1830 Menschen. Diese Zahl ist seit vielen Monaten konstant. Es verändert sich lediglich der Anteil der „Fehlbeleger“ unter ihnen. Das sind Geflüchtete, über deren Asylantrag entschieden ist, die sich eine Wohnung suchen könnten, aber keine finden und in den Unterkünften geduldet werden. Ende 2016 waren es 503.

Die dezentralen Unterkünfte

Derzeit verteilen sich die 1830 Geflüchteten auf 164 Liegenschaften in allen 21 Gemeinden des Landkreises. Dieser versucht, die bestehenden Unterkünfte nach Möglichkeit aufrechtzuerhalten. Das Motto laute: „Kein vorauseilender Abbau von Platzkapazitäten“, heißt es in der monatlichen Asyl-Statistik aus dem Landratsamt. Der Grund: „Es ist keine verwertbare Prognose zur Entwicklung vorhanden.“ Man wolle daher weiter „alle Möglichkeiten ausschöpfen“.

Nach Vorgabe des Freistaats gibt es einen grundsätzlichen Stopp aller Neuanmietungen durch die Landratsämter. Auslaufende Mietverträge für kleine Unterkünfte sollen nicht verlängert werden. Derzeit kündige das Landratsamt aber auch keine Verträge, teilt die Behörde mit. Und: Im Januar gab es sogar die Genehmigung, drei Mietverträge doch zu verlängern.

Was die baurechtlich umstrittene Nutzung des ehemaligen Unteroffiziersheims in der Lenggrieser Kaserne angeht, gibt es mittlerweile eine klare Aussage aus dem Landratsamt: „Wir wollen das Objekt aufgeben“, sagt Pressesprecherin Marlis Peischer. Einen Zeitplan gebe es aber nicht.

Die zentralen Unterkünfte

Zu den kleineren Unterkünften kommen nun noch sechs Gemeinschaftsunterkünfte, die nicht der Landkreis, sondern die Regierung von Oberbayern betreibt, drei davon im südlichen Landkreis:

Schulzentrum Bad Tölz:Neben dem Sportplatz hat der Landkreis eine Asylunterkunft mit 120 Plätzen errichtet und Ende 2016 begonnen, dort die ersten Geflüchteten einzuquartieren. Sie wurden zumeist aus anderen aufgelösten Unterkünften umverlegt. Zum 4. Januar hat der Landkreis das Gebäude am Schulzentrum an die Regierung von Oberbayern übergeben. „Derzeit leben dort rund 30 Personen, darunter einige Familien“, erklärt Carina Karg, Sprecherin der Regierung von Oberbayern, auf Anfrage.

Flinthöhe Bad Tölz: Neben der Montessorischule baut die Stadt eine Unterkunft mit 170 Plätzen. „Sie wird voraussichtlich im Februar fertig“, sagt Stadtbaumeister Hannes Strunz. „Dann werden wir sie der Regierung übergeben. Wir gehen davon aus, dass sie ab März genutzt werden kann.“

Es gilt die Vereinbarung, dass der Landkreis im Gegenzug die Asylunterkunft im Jodquellenhof aufgibt. „Ein Ende der Nutzung wird hier angestrebt. Zum Zeitplan lässt sich noch nichts sagen“, erklärt Landratsamts-Sprecherin Peischer.

Ehemalige Leonardisklinik Bad Heilbrunn: Dieses Gebäude, das sich in Privatbesitz befindet, steht seit über einem Jahr bereit, um bis zu 90 Flüchtlinge zu beherbergen. Der Gebäudekomplex ist aber noch immer leer. Nun soll ihn die Regierung als Gemeinschaftsunterkunft übernehmen. Wann hier die ersten Asylbewerber einziehen, ist aber weiter unklar. „Über Nutzung und möglichen Betriebsbeginn laufen Gespräche“, so Carina Karg von der Regierung.

Weiß der Heilbrunner Bürgermeister Thomas Gründl schon Näheres? „Leider nicht“, sagt er auf Anfrage. „Auch wer kommt, werde ich wohl erst sehen, wenn die Menschen schon vor Ort sind.“ Wie berichtet hat Gründl große Bedenken, dass seine Gemeinde überlastet sein könnte, wenn sie neben den schon anwesenden 50 Flüchtlingen noch 90 weitere in der Leonardisklinik aufnehmen soll. Mit dieser Sorge habe er sich mittlerweile an den CSU-Landtagsabgeordneten Thomas Kreuzer gewandt, berichtet Gründl.

Zudem fordert der Bürgermeister, dass an der künftigen Gemeinschaftsunterkunft ein Sicherheitsdienst eingesetzt wird.

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