2G im Ristorante Da Rocco: Was das bedeutet, macht Secil Özüduru-Aktüy auf dem Schild am Einlass deutlich.
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2G im Ristorante Da Rocco: Was das bedeutet, macht Secil Özüduru-Aktüy auf dem Schild am Einlass deutlich.

„Werden nicht mehr viel Geschäft haben“

„Nicht mehr viel los“: Wirte kämpfen mit 2G-Regelung - Weihnachtsgeschäft steht auf der Kippe

  • Katja Brenner
    VonKatja Brenner
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  • Elena Royer
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2G gilt seit Dienstag auch in der Gastronomie und der Hotellerie. Das krisengebeutelte Gewerbe sieht sich mit Mehraufwand konfrontiert – bei deutlich weniger Kundschaft.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das Personal hat sich zum Teil schon während früherer Pandemie-Phasen neu orientiert, nun bleibt auch die Kundschaft aus: Seit Dienstag gilt in der Gastronomie 2G, sprich: Nur Geimpfte und Genesene dürfen rein. Die Branche ist verpflichtet, entsprechende Nachweise der Gäste zu kontrollieren. Was bedeutet das für Gaststätten und Hotels?

Corona in Bayern: 2G in Gastro - Kundschaft bleibt aus

Secil Özüduru-Aktüy, Chefin des Restaurants Da Rocco in Bad Tölz, rechnet mit weniger Kundschaft wegen der 2G-Regel. „Für uns macht die neue Regelung keinen Sinn. Ich kann mir vorstellen, dass dann bald auch die 2Gplus-Regel kommt.“ Das „Da Rocco“ verzeichne schon jetzt weniger Gäste. „Die meisten sind aber entweder genesen oder geimpft“, erklärt die Chefin.

2G in Gastronomie: „Werden nicht mehr viel Geschäft haben“

Und der Nachweis? „Kontrollieren können wir das schon“, sagt Wolfgang Suttner vom Hotel-Gasthof Post in Kochel am See. Aber: „Wir werden nicht mehr viel Geschäft haben.“ Ohnehin laufe es eher mau, weshalb Bedienungen genug Zeit hätten, um Ausweis und Nachweis zu kontrollieren. „Wenn nicht viel los ist, geht das.“

Die Einlasskontrolle übernimmt auch im „Humplbräu“ in Wolfratshausen der Service mit. „Es ist bei Weitem nicht mehr so viel los“, bestätigt Benedikt Fagner. In den vergangenen zwei Wochen seien deutlich weniger Gäste gekommen, an Wochentagen teils die Hälfte eines durchschnittlichen Tages.

Einfach in die Gaststube marschieren kann man im „Humplbräu“ nicht. „Wir haben am Eingang eine Art Schranke“, erklärt Fagner. Gäste müssen klingeln, Personal- und Impfausweis werden kontrolliert, „damit wir ausschließen können, dass jemand den Impfausweis des Bruders dabei hat“. Anschließend werden die Gäste zum Tisch geführt. Das Prozedere stoße nicht bei allen auf Verständnis. Aber viele wüssten, was die Gastro mitmacht. Und: „Eine Strafe können wir uns aktuell nicht leisten“, sagt Fagner. Das bedeute „einen Monat Arbeit umsonst“.

Corona in Bayern: Wirte besorgt - „Weihnachtsgeschäft steht auf der Kippe“

Weder Benedikt Fagner noch Dominik Tabak, Inhaber des Wirtshauses Flößerei, sehen die Nachweiskontrolle als Problem. „Das läuft nebenbei“, so Tabak. „Wir haben mehr Zeit, da ohnehin nicht viel los ist.“ Dabei hatten die Wirtsleute sich auf einen „arbeitsreichen November und Dezember gefreut“, so Fagner, aber vieles sei in der Schwebe. „Das Weihnachtsgeschäft steht auf der Kippe.“

In der „Flößerei“ wurden bereits alle Weihnachtsfeiern abgesagt. „Es kommt fast niemand mehr“, so Tabak. „Wir haben jetzt schon wahnsinnig große Einbußen. Unser Umsatz ist 60 bis 70 Prozent geringer als vor Corona. Mit 2G wird das noch weniger.“

Feiern abgesagt: Wirt muss schließen - „Können Betrieb nicht aufrecht erhalten“

Deshalb hat sich Andreas Binder vom Tölzer „Binderbräu“ entschieden, bis voraussichtlich 31. Dezember ganz zuzusperren. „Wir haben lauter Absagen von Familien- und Weihnachtsfeiern bekommen“, sagt Binder. Innerhalb von zwei Tagen fielen auf diese Weise Gruppen mit insgesamt rund 350 Personen weg. Die Umsätze würden Personal- und Betriebskosten kaum auffangen. „Wir können den Betrieb nicht aufrecht erhalten“, so der Wirt.

Die Entscheidung sei ihm „sehr schwer“ gefallen – nach insgesamt zwölf Monaten Schließung seit Pandemiebeginn. Das Problem: „Es ist nichts planbar, man kann nicht einkaufen“, erklärt Binder. Sein Bier aus der eigenen Brauerei brauche mindestens sechs Wochen Vorlauf. Für die Wirtschaft hat er weniger Personal. „Zwei sind weggegangen, einer ist in Elternzeit.“ Einen Koch zu wenig habe das Wirtshaus schon länger. „Andererseits traut man sich nicht, jemanden einzustellen, weil das Geschäft ja zurückgegangen ist“, gibt Binder zu bedenken. Er hofft, dass das nächste Jahr besser wird, „aber das haben wir schon mal gedacht“.

Corona-Lage in den Hotels: „Letztes Jahr sah die Lage kaum anders aus“

Als zweites Standbein haben der Gasthof zur Post und der Gasthof Humplbräu Hotelzimmer. Durch die gestiegene Inzidenz haben laut Benedikt Fagner schon viele ihre Buchung storniert. Auch Suttner berichtet, dass momentan die Zimmer nicht stark belegt seien. Bei Stornokosten zeigt er sich kulant, sollte jemand 2G nicht erfüllen. Zudem sei „nicht Saison“ und „letztes Jahr sah die Lage kaum anders aus“, erinnert sich Fagner.

Viele Stornierungen hat Karlheinz Leimer, Geschäftsführer des Posthotels Kolberbräu in Tölz, zu verzeichnen. Zum Christkindlmarkt wäre das Haus mit Reisegruppen ausgebucht gewesen. Der ist aber abgesagt. „Das fällt jetzt alles weg“, sagt Leimer

Für Rosmarie Lautenbacher vom „Holzwirt“ in Ascholding bedeutet die 2G-Regel in der aktuellen Pandemiesituation einerseits zusätzliche Sicherheit. Andererseits könnten auch Geimpfte erkranken und das Virus reintragen, gibt sie zu bedenken. „Wir sind ohnehin schon gebeutelt, und jetzt kommt das auch noch dazu“, sagt die „Holzwirt“-Chefin.

Sie rechnet damit, dass die neue Regelung auch bei ihr „auf jeden Fall“ für ein Ausbleiben der Gäste sorgen wird. Als Wirtin will Lautenbacher ihre Gäste bewirten, nicht deren Impf- oder Genesenen-Status kontrollieren. „Ich komme mir vor wie das Ordnungsamt“, sagt sie. „Wir sind dafür da, dass sich die Leute wohlfühlen und nicht, um Gäste abzuweisen.“

2G in Bayern: Wirtin wünscht sich zusätzlich Tests auch für Geimpfte

Ähnlich sieht das Gabriele Amodio vom Restaurant Italy in Geretsried. „Einerseits finde ich die 2G-Regelung gut, andererseits tut es mir leid, wenn ich einen Gast abweisen muss.“ Besser fände es Amodio, wenn sich alle, auch Geimpfte, testen würden. „Das wäre ein gescheiter Weg. Ich bin für Impfen und Testen“, sagt sie. Auch Schnelltests vor dem Gasthaus wären für sie eine Lösung. Die aktuellen Regelungen verunsicherten jedoch viele, was dazu führe, dass sie ganz zu Hause blieben.

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