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2G-Regel in der Gastronomie sorgt für Gästerückgang: „Es ist wirklich traurig“

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Von: Melina Staar

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Bleibt bis auf Weiteres geschlossen: Das „Jailhouse“ im Moraltpark. „Weniger Gäste, aber nicht ganz so übel“
Bleibt bis auf Weiteres geschlossen: Das „Jailhouse“ im Moraltpark. „Weniger Gäste, aber nicht ganz so übel“ © Arp/A

Für die Gastronomie ist es erneut eine schwierige Zeit. Auf 3G folgte 2G. Viele kämpfen mit einem Gästerückgang, manche haben sogar ganz geschlossen. So wie das „Jailhouse“, das vergangene Woche auf seiner Facebook-Seite verkündete: „Schweren Herzens müssen wir unsere Pforten für eine gewisse Zeit schließen.“

Bad Tölz - „Jailhouse“-Betreiber Peter Frech erklärt die Hintergründe der Schließung: „Es lohnt sich momentan einfach nicht.“ Zuletzt hatte er etwa 30 Gäste abends, „sonst sind wir sieben Tage die Woche ausreserviert“. Mit den wenigen Besuchern lasse sich das nicht stemmen. „Wir müssten ständig Essen wegschmeißen, weil wir zu 90 Prozent Frischware verwenden. Das bleibt auch weiter unser Anspruch, wir wollen die Qualität erhalten, die die Leute von uns seit zehn Jahren gewohnt sind.“

Strom- und Personalkosten sind mit der geringen Gästezahl „nicht mehr bezahlbar“

Dazu kommen die Strom- und natürlich Personalkosten. „Das ist nicht mehr bezahlbar“, sagt Frech. Problematisch ist, dass es momentan für die geplagte Gastronomie kein Unterstützungspaket gibt, auch bei der Pacht gebe es keinen Nachlass. „Wir haben wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, wollten draußen etwas anbieten. Einen Grillstand oder ein Winter Wonderland.“ Aber auch das sei nicht durchführbar. „Das ist wirklich traurig.“ Im schlimmsten Fall rechnet Frech damit, erst wieder Ende März öffnen zu können. Das hänge von den politischen Entscheidungen der nächsten Wochen ab. Die Lage sei eine „Katastrophe, weil sich die Gastronomie seit den Lockdowns noch nicht wieder erholt hat“.

Auch das Café Bolzmacher hat geschlossen

Auch das Café Bolzmacher in Wackersberg hat derzeit zu. „Fünf bis sechs Gäste decken nicht die Kosten“, erklärt Susanne Bolzmacher den Schritt. Das Café liegt außerhalb, ist beliebt bei Spaziergängern und Radfahrern. „Wir haben unsere Stammgäste“, sagt sie. „Aber sobald ich die Kaffeemaschine anmache, habe ich Kosten. Es tut mir sehr leid, aber so wie es jetzt ist, kann ich das nicht stemmen.“ Ob es erneute staatliche Unterstützung für die gebeutelte Branche gibt, wisse im Moment niemand. „Ich kann im Moment nicht sagen, wann wir wieder aufmachen.“ Ganz verzichten müssen Freunde des Cafés aber nicht auf die Kuchen. Die Konditorei Bolzmacher in Tölz hat weiterhin geöffnet.

Im Lenggrieser „Floßwirt“ ist die Lage „nicht ganz so übel“

„Weniger Gäste, aber nicht ganz so übel“, beschreibt Marcel Bucher vom Lenggrieser „Floßwirt“ die Lage. Tatsächlich seien schon, als die 3G-Regel galt, hauptsächlich Geimpfte und Genesene ins Gasthaus gekommen. „Es war nur eine ganz kleine Gruppe, die nicht geimpft war.“ Grundsätzlich sei der November immer ein ruhiger Monat gewesen. Die meisten Gäste kommen nun aus der Umgebung. Auch die Möglichkeit, Essen zu bestellen und mit nach Hause zu nehmen, werde oft genutzt. Viele Gasthäuser würden in dieser Zeit des Jahres Betriebsurlaub machen, erklärt Bucher. Er habe sich dagegen entschieden. „Wir haben durchgehend sechs Tage offen und wollen einfach mal schauen, wie es durch den Winter läuft.“

Schließen ist fürs „Gasthaus“ keine Option - auch wegen des Personals

Relativ zufrieden ist auch Tino Kellner vom Tölzer „Gasthaus“. „Es ist schon was los.“ Schade sei, dass alle Feierlichkeiten ausfallen mussten. „Wir waren gut gebucht, was kleinere oder größere Weihnachtsfeiern betrifft.“ Doch alles sei abgesagt worden, auch zwei Klassentreffen – „vernünftigerweise“, wie Kellner anmerkt. „Wir hätten auch selber Bedenken gehabt.“ Der Rückgang an Gästen sei bereits mit der Umstellung auf 3G etwas spürbar gewesen. „Der Sprung auf 2G war nicht bemerkbar.“ Denn die wenigsten hätten sich extra getestet, um zum Essen zu gehen. „Nur die eine oder andere Reservierung wurde aufgrund von 2G abgesagt zu der Zeit.“

Im November hatte er die Hälfte des Umsatzes, die er in normalen Jahren habe. „Letztes Jahr um diese Zeit mussten wir zusperren. Das war besser als aufzuhaben.“ Schließen sei jetzt dennoch keine Option. „Schon alleine aus Verantwortung gegenüber dem Personal.“ Durch den langen Lockdown sei es ohnehin schwierig gewesen, wieder Angestellte zu finden. „Wir wollen sie jetzt gerne behalten.“ Was bei ihm gut laufe, sei das To-Go-Geschäft. „Das hilft uns. Auch im Sommer hat es nie stark nachgelassen.“ Neben dem zusätzlichen Standbein sei für ihn am Abholgeschäft wichtig, „dass wir in Kontakt mit unseren Stammgästen bleiben“.

Einige setzen wieder auf Speisen zum Abholen oder Liefern

Auf Speisen zum Abholen oder Liefern setzt auch erneut die „Einbachmühle“. Er müsse dies wieder anbieten, „um die anfallenden Kosten bewältigen zu können“, berichtet Inhaber Jürgen Kunert. Das a-la-carte-Geschäft und Feierlichkeiten seien weggebrochen. „Daher gibt’s nicht viele andere Möglichkeiten.“ An Wochentagen seien die Einbachmühle und das La Llorona, das Kunert ebenfalls betreibt, zu zehn Prozent geschäftlich ausgelastet, an Wochenende etwas besser. Die Restaurants sollen geöffnet bleiben. „Sollte 2G- plus kommen, wird’s aber noch schwerer.“ Aus der Ruhe bringen lässt sich Kunert deshalb aber nicht. „Schwer war die Gastronomie schon immer, auch das geht vorüber.“

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