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35-Tonnen-Koloss fürs Tölzer Taubenloch

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Kran hebt Findling hoch.
Ein Schwerlastkran war nötig, um den Findling aus der Königsdorfer Straße herauszuheben © Heimgreiter

Vor 200 Jahren wäre man über so einen Fund erschrocken. Da galten Findlinge als Werk von Riesen. Heute freut sich die Stadt Tölz über den 35-Tonnen-Stein, der ihr sogar hilft, Geld zu sparen.

Bad Tölz Gefunden wurde der fast strahlend gelb-weiße Monolith vor rund zwei Wochen an der Baustelle an der Königsdorfer Straße (wir berichteten). Die Stadt hat dort das ehemalige Wohnhaus des Tölzer Bürgermeisters Anton Holzner abreißen lassen und errichtet dort ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohneinheiten. Die Mietwohnungen sind für Familien gedacht, die auf dem freien Markt keine Unterkunft finden.

Beim Ausbaggern der Baugrube stießen die Bauarbeiter in drei Meter Tiefe an der Stelle, wo einmal der Aufzugsschacht sein soll, auf den Koloss, der viermal zweimal zwei Meter misst, wie Sprecherin Birte Otterbach in einer Pressemitteilung des Rathauses schreibt.

Ein Hölzl-Kran hob den Findling heraus. So weiß man auch, dass der Monolith rund 35 Tonnen schwer ist. Laut Otterbach habe ein geologieerfahrener Kollege den Stein als Dolomit identifiziert. Die Riefen auf der Oberseite zeigten, dass er in der letzten Eiszeit von enormen Eismassen an seinen Platz im Isartal geschoben wurde. Es handelt sich um die Würm-Kaltzeit vor 110 000 bis 10 000 Jahren, wie Wikipedia verrät. Erst in der Zeit der Aufklärung im frühen 19. Jahrhundert wurde dieser ungewöhnliche Geschiebetransport durch die teilweise mehrere Kilometer dicken Eismassen bekannt.

Ein weitgereister Zeuge der Erdgeschichte“

Stadtbaumeister Florian Ernst

So ein Fund ist sehr selten, sagt Stadtbaumeister Florian Ernst. Auf städtischem Grund sei ihm und den beteiligten Baufirmen nichts Ähnliches bekannt. Und weil so ein „weit gereister Zeuge der Erdgeschichte“ schon etwas Besonderes sei, habe man sich entschlossen, den Findling zur Attraktion des kleinen Taubenloch-Parks zu machen, der derzeit umgebaut wird. Das Konzept sieht laut Ernst vor, dass „Findlinge als Sitzmöglichkeiten mit räumlichen Bezug zur Isar aufgestellt werden“.

Um geeignete Steine zu bekommen, hat die Stadt eine Ausschreibung gestartet und kann anhand der Ergebnisse ganz gut einschätzen, was ihr Tölzer Findling wert ist. Nämlich rund 16 000 Euro. Die spart man sich jetzt beim Taubenloch-Umbau.

Der Dolomit-Riese soll künftig am Eingang des Parks die Besucher empfangen. Und: „Darauf herumklettern, ist auch erlaubt“, sagt Ernst. „Der ist nicht nur zum Anschauen.“ Eine Tafel soll dann auch den Stein und seine Geschichte erklären. Dafür will die Stadt auch noch die Expertise eines Geologen einholen.

Der Transport des 35-Tonnen-Findlings ist nicht ganz so einfach. Dafür wird nochmals ein 200-Tonnen-Autokran zum Einsatz kommen, erläutert Birte Otterbach. Transportiert wird das Schwergewicht auf einem Tieflader. Vermutlich wird der Stein Ende der Bauarbeiten im Spätherbst an seinen neuen Standort gebracht und dient von da ab als Blickfang.

Von Christoph Schnitzer

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