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Die sogenannte „Müller-Krippe“ ist auch eine Jahreskrippe und steht in der Tölzer Asklepios-Klinik (Ostflügel). Bis 1986 war sie im Freilichtmuseum Glentleiten zu sehen. Es ist die ehemalige Krippe des Tölzer Franziskanerklosters. Erst seit Juli 2017 steht sie der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung. 

„Es ist der Glaube, der im Mittelpunkt steht“

40 Jahre Krippenverein: Nicht nur zur Weihnachtszeit

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Viele Menschen verbinden Krippen ausschließlich mit Weihnachten. Aber es gibt auch Jahreskrippen, in Tölz sogar gleich drei. Um sie und um einige andere kümmert sich der Tölzer Krippenverein. Er feiert heuer 40-jähriges Bestehen.

Bad Tölz– Wer zur Franziskanerkirche geht, entdeckt kurz vor deren Eingang links den Schriftzug „Tölzer Jahreskrippe“. Tritt man durch die Tür, blickt man auf sechs verschiedene Krippen, darunter eine aus Stein. Eine andere stammt aus dem Jahr 1934. Diese Krippen-Präsentation ist einmalig im Oberland, vielleicht sogar in ganz Bayern. Die Mitglieder des Tölzer Krippenvereins freuen sich zwar über das Lob, aber sie bleiben bescheiden: „Es ist der Glaube, der im Mittelpunkt steht“, sagt Vorstand Wolfgang Friedl.

Mit 40 Jahren ist der Krippenverein noch ein relativ junger Verein. Immerhin feiert der bayerische Landesverband heuer sein 100-jähriges Bestehen. Im Grunde gab es auch in Bad Tölz schon vor 1977 Menschen, die sich um Krippen aller Art kümmerten.

Bereits 1917 wurde eine Vereinigung gegründet, theoretisch könnte man also heuer das 100-jährige Bestehen feiern. Chroniken belegen, dass es in und um Bad Tölz viele Krippen gab. Aber im Zweiten Weltkrieg kam das Engagement weitestgehend zum Erliegen. „Hitler hatte Krippen verboten“, sagt Friedl. In den Jahren danach gab es nur lose Zusammenschlüsse von Krippen-Freunden. Erst in den 1970er-Jahren nahm sich die „Werbegemeinschaft Marktstraße“ (Vorläufer der „Aktiven Tölzer“) wieder der Krippen an. Da erwachte das Bewusstsein, dass Bad Tölz früher neben München als „Zentrum altbayerischer Krippenkunst“ galt, hat Friedl recherchiert.

Bis heute gibt es in Tölz zahlreiche große Krippen, die von den 38 Vereinsmitgliedern betreut werden. Jahreskrippen befinden sich neben und in der Franziskanerkirche und in der Asklepios-Klinik („Müller-Krippe“) sowie zur Weihnachtszeit im Stadtmuseum, in der Mühlfeldkirche, im Seniorenwohnheim Josefistift, in der Kalvarienbergkirche, in der Kirche Heilige Familie und in der Stadtpfarrkirche (wird zurzeit restauriert). Zudem kümmert sich der Verein um den Krippenpavillon in der Marktstraße und um die Krippe in der Klosterkirche auf dem Reutberg.

Vor allem Siegfried Schmeller hat in den vergangenen Jahrzehnten mit unerschöpflichem Ideenreichtum viele Krippenbilder aus dem Alten und Neuen Testament gestaltet. Dafür wurde er 2011 mit der Ehrenmedaille des Verbands Bayerischer Krippenfreunde ausgezeichnet, und zusammen mit seiner ebenfalls engagierten Frau Gerhild bekam er 2013 die Bezirksmedaille im Bereich Kultur. „Wenn man im Glauben steht, ist eine Krippe nicht stilvolle Dekoration zu Weihnachten, sondern der Versuch, seinen Glauben weiterzugeben“, erklärt Schmeller, langjähriger Vorstand, sein Engagement.

Der Tölzer Verein, sagt Schmellers Nachfolger Friedl, unterscheide sich durchaus von anderen Krippenvereinen in der Region. „Bei uns geht’s nicht rein um die Geselligkeit.“ Man biete Baukurse an und helfe Interessenten, den Traum von der eigenen Krippe zu verwirklichen. „Das Interesse ist kontinuierlich groß“, sagt Friedl. Die Teilnehmer bekommen Tipps und Hilfe, wie sie Landschaften, Gebäude und Hintergründe sowie Personen und Kleidung gestalten können. Zudem unternehmen die Mitglieder Fahrten zu Krippenausstellungen und -museen, um sich fortzubilden und Anregungen zu holen.

Seit vielen Jahren werden auch Ausstellungen durchgeführt. Ein großer Erfolg waren zum Beispiel die „Rosenkranz“-Themenausstellung 2002 und „Credo“ 2010. Zu beiden kamen jeweils mehr als 10 000 Besucher.

Etwa alle vier Wochen wird in der Jahreskrippe neben der Franziskanerkirche ein neues Bild gestaltet. Die Präsentation ist täglich geöffnet, der Eintritt ist frei. Besucherzahlen werden nicht erfasst. „Aber anhand der Rückmeldungen folgern wir, dass es sehr viele sind. Die Tourist-Info berichtet auch immer wieder von begeisterten Urlaubern“, freut sich Wolfgang Friedl. Im „Jahr der Barmherzigkeit“ 2016 gestaltete der Verein die Darstellungen mit großem Tölz-Bezug und zeigte zum Beispiel die Helfer der örtlichen Tafel. Die Resonanz war groß – die Kurstadt hat hier eben etwas ganz Besonderes zu bieten.

Weitere Infos

über Krippen und den Verein auf www.bad-toelz.de im Bereich Sehenswürdigkeiten.

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