Gefühl für Eis und Schnellkraft: Mit diesen Fähigkeiten flitzte die Tölzer Eisschnellläuferin Evi Sappl 1968 mitten in die Weltspitze hinein.

Eisschnellläuferin Eva Hofbauer-Sappl

50 Jahre danach: Tölzer Olympia-Medaillenhoffnung blickt zurück

Wenn an diesem Freitag die Olympischen Spiele in Pyeongchang eröffnet werden, fiebert auch Eva Hofbauer-Sappl in Graz mit. Die 70-jährige Tölzerin ist exakt vor 50 Jahren bei den Winterspielen in Grenoble einmarschiert. Evi Sappl war die große deutsche Medaillenhoffnung im Eisschnelllauf.

Bad Tölz/Graz – Um es gleich vorweg zu nehmen: Sappl wurde in ihrer Paradedisziplin über die 500 Meter nur Zwölfte und war hinterher stocksauer. Mit dem schlechten Eis in der Freilufthalle inmitten der Stadt war die nach nur drei Jahren Training kometenhaft in die Weltspitze aufgestiegene Tölzerin überhaupt nicht zurechtgekommen. „Die ganze erste Gruppe hatte schlechte Zeiten.“ Als sie exakt vier Wochen später in Inzell startete, unterbot sie die Goldmedaillen-Zeit der russischen Läuferin um fast eine Sekunde. Und lief beinahe Weltrekord. In Sapporo 1972, so schwor sie damals, „bin ich wieder dabei. Dann will ich’s wissen.“ Es sollte anders kommen. Sappl heiratete, zog mit ihrem ersten Ehemann, dem Tölzer Eishockeyspieler Walter Riedl nach Mannheim und bekam zwei Kinder. Die Karrierepläne stockten.

An Grenoble denkt sie dennoch gerne zurück und lässt vor ihrem geistigen Auge nochmals die Bilder von damals vorbeiziehen: Wie aufgeregt und überfordert sie war, als sie sich in den Zug nach Frankreich setzte. Ein Sechser-Abteil. Nur Damen. Jeder musste seine Wettkampfklamotten und die Schlittschuhe im eigenen Koffer bei sich tragen. Die Eisschnellläufer waren mit die ersten, die in Grenoble eintrafen. Unvergesslich ist Hofbauer-Sappl, wie sie deshalb damals beim Hissen der deutschen Fahne dabei sein durften.

Der Olympia-Ausweis von Grenoble: Damit konnten sich die Athleten im Olympiadorf und in den Wettkampfstätten frei bewegen.

Die gelernte Steuergehilfin arbeitete damals beim „Moralt“, und es war keineswegs so, dass man als Olympionikin besonders gefördert wurde. Der Arbeitgeber habe das eher geduldet, erzählt sie. Ach ja, es gab auch damals schon eine finanzielle Förderung der Amateursportler. „Von der Sporthilfe habe ich 90 Mark im Monat bekommen.“ Das war auch 1968 nicht viel. Dafür hat Hofbauer-Sappl die drei Trainingsjahre bei ihrer Rentenberechnung wieder entdeckt. Nämlich als Fehlzeiten. „Finanziell rentiert hat sich das alles bestimmt nicht“, meint sie, hat durch die Olympiateilnahme aber dennoch eine Menge Positives für den „Lebensrucksack“ mitgenommen. „Ich bin gelassener geworden und gereift.“ Sie sei immer wieder in ihrem Leben an den Punkt gekommen, an dem sie sich gedacht habe: „Ich muss mir nichts mehr beweisen. Ich habe schon so viel erreicht.“

Eva Hofbauer-Sappl (70) stammt aus Tölz und lebt heute in Graz.

Wenn Eva Hofbauer-Sappl an Grenoble denkt, dann erzählt sie von der damaligen niederländischen Thronfolgerin Beatrix, die sie damals im Kreise der holländischen Eisschnellläuferinnen getroffen hat. „Mit der konnte man sich ganz normal unterhalten.“ Und sie hütet immer noch ein Autogramm der US-Schauspielerin Audrey Hepburn, die bei den Eiskunstlauf-Wettbewerben nicht weit von ihr saß.

Die einstige Kufenflitzerin erinnert sich auch an die Folgen des Kalten Kriegs zwischen Ost und West. Mit den Konkurrentinnen aus der DDR „hatten wir die gleiche Kabine, durften aber nicht miteinander reden. Nur beim Auslaufen konnten wir mal unauffällig ein paar Worte wechseln.“

Die nach ihrer zweiten Heirat nach Graz umgezogene Eva Hofbauer-Sappl blickt heute auch skeptisch auf den Sportbetrieb im Zeichen der olympischen Ringe. Mit Idealismus habe das nicht mehr viel zu tun. „Es geht nur ums Geld, und die Olympiade wird vorgeschoben“, sagt sie. Illusionen macht sie sich keine. Doping sei im Grunde nur eine Konsequenz des immer mehr professionalisierten Sports.

Trotzdem hat sie den Olympia-Virus immer noch in sich. „Ich habe im Fernsehprogramm schon alles angekreuzt.“ Und für wen klopft das Herz, wenn es zu einem österreichisch-deutschen Duell käme? Eva Hofbauer-Sappl zögert keine Sekunde: „Wenn es das Duell Neureuther und Hirscher gäbe, wäre ich natürlich für den Deutschen. Logisch.“

Und sie freut sich auf jede Siegerehrung, „weil ich mich so gut in den Sportler hineinversetzen kann. Ich kann das nachvollziehen.“ Ganz nahe am Wasser gebaut hat sie, wenn sie Eröffnungs- oder Schlussfeiern am Bildschirm verfolgen kann. „Das finde ich toll. Da kann ich einfach nicht anders.“

Christoph Schnitzer

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