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Martin Luther in Worms: Dieses Glasfenster in der Tölzer Johanneskirche erinnert an das Auftreten des Reformators vor dem Reichstag. Hier wurden die Gräben zwischen Katholiken und Protestanten nochmals vertieft.

Reformationstag 

Was bleibt? Mut für neue Aufgaben

Mit einem offiziellen Feiertag werden am 31. Oktober 500 Jahre Reformation gewürdigt. Das Jubiläum hat, so denken die evangelischen Pfarrer vor Ort, sichtbar die Ökumene gestärkt und Mut für die anstehenden Aufgaben gemacht.

Bad Tölz/Kochel/Lenggries – Stefan Huber, der evangelische Pfarrer von Lenggries, muss nicht lange überlegen, um sein persönliches „Highlight“ des vergangenen Reformationsjahres zu nennen. Als nämlich zum ersten Mal überhaupt der katholische Kirchenchor in der Waldkirche einen Choral von Luther sang. „Das war wirklich etwas Besonderes.“ Das vielfältige Echo im Nachhinein habe einem erst so richtig deutlich gemacht, wie groß das Bedürfnis nach Ökumene ist. Für Huber selbst sind 500 Jahre zwar schon eine beeindruckende Zahl, „aber der Reformationsprozess hat mit dem heurigen Feiertag weder begonnen, noch ist er abgeschlossen“. Seine Hoffnung ist, dass man sich in dem Jahr nicht nur selbst gefeiert hat, sondern auch genug Impulse bekommen hat, um mit mehr Zuversicht und Mut drängende Aufgaben anzugehen, Stichworte: Kirchenaustritte und Verlust an gesellschaftlicher Bedeutung. Huber: „Auch bei uns geht die Reformation weiter.“

Erst vor etwa einem Vierteljahr ist Matthias Binder mit seiner Frau Elke nach Kochel gekommen, um sich dort die Pfarrstelle zu teilen. Dass das Reformationsfest am 31. Oktober bewusst im Zeichen der Ökumene steht, hält Binder für wichtig. Schließlich bedeute das auch eine Änderung der eigenen Haltung zur Reformation, die, so sagt auch Dekan Martin Steinbach aus Tölz, immer wieder unter anderen Vorzeichen gestanden hat. Bis hin zur strikten Abgrenzung der Konfessionen.

Binder hat auch in der protestantischen Diaspora in Kochel, dort wo man sich begegnet ist, „eine echt ökumenische Haltung“ vorgefunden. Er ist ganz zuversichtlich, dass es auf der Stufe der Ökumene, auf der wir stehen, kein Zurück mehr gibt“. Auch Binder ist nach dem Jubiläumsjahr vor allem wichtig, „dass wir uns genug gesammelt haben, um die Herausforderungen unserer Zeit anzugehen“.

In Tölz wird das „Ökumenische Reformationsfest“ am Dienstag eine ganz besondere Note haben. Beim Festgottesdienst (siehe Kasten) wird nicht nur der katholische Stadtpfarrer Peter Demmelmair mitfeiern und predigen. Auch Peter Priller, Kurat der Tölzer Altkatholiken, wirkt an dem Gottesdienst mit. Zweimal im Jahr feiern Protestanten und Altkatholiken übrigens ohnehin gemeinsam Abendmahl. Besondere Gäste werden auch der Hodscha (Imam) und Vorstand des Mevlana-Moschee-Vereins an der Säggasse sein. Erstmals ins Gespräch gekommen sei man übrigens, so erzählt Steinbach, beim ökumenischen Friedensgebet, das Katholiken und Protestanten vor Jahren in Tölz ins Leben gerufen haben. Das nächste Treffen findet am 9. November statt.

Im Rückblick auf das Luther-Jahr imponiert Steinbach die konsequente Umsetzung der Ökumene auf allen Ebenen bis hinauf zum Papstbesuch bei der Reformationsfeier im schwedischen Lund. Trotz aller – auch belebender Konkurrenz – sei die Geschichte von Protestanten und Katholiken halt doch eine gemeinsame, heute wieder im Zeichen der Wiederannäherung. Für den Dekan stärken die Jubiläumsfeiern gerade auch im katholischen Kernland Bayerns das protestantische Selbstbewusstsein.

Das ist am Reformationstag in Isarwinkel und Loisachtal geplant: In Bad Tölz startet das Reformationsfest am Feiertag, 31. Oktober, um 14.30 Uhr mit einem „Erzählcafé“ im Gemeindehaus. Pfarrer Urs Espeel und Diakon George Papp moderieren die Ökumene-Erfahrungen von Gästen beider Konfession in früherer Zeit. Um 17 Uhr beginnt der Festgottesdienst in der Johanneskirche, um 18.30 Uhr gibt es im Gemeindehaus einen Empfang. Evangelische und katholische Jugend kochen gemeinsam mit Flüchtlingen für die Gäste. In Kochel am See wird um 9.30 Uhr der Festgottesdienst gefeiert. Er soll, so Pfarrer Matthias Binder, mit „alten und neuen Gemeindeliedern“ musikalisch gefeiert werden. Um 10.30 Uhr folgt ein Frühschoppen mit Lutherbier, Schorle und Weißwürsten. Das ganze Jubiläumsjahr über hat die Evangelische Kirche Lenggries in einer Predigtreihe Luthers Choräle in den Mittelpunkt gestellt. Auch musikalisch wurden die Lieder von unterschiedlichen Interpreten dargeboten. Am Reformationstag wird es beim Festgottesdienst um 9.30 Uhr um den Choral „Ein feste Burg“ gehen, der vom eigenen Kirchenchor gesungen wird. Auch ein Posaunenbläser wird an dem Gottesdienst mitwirken. Anschließend ist ein Sektempfang. Zu einem ökumenischen Wortgottesdienst laden in Bad Heilbrunn die evangelische Kirchengemeinde und die Pfarrei St. Kilian ein. Beginn in der evangelischen Christuskirche ist um 9.30 Uhr. Danach ziehen die Gläubigen in einer gemeinsamen Prozession zur katholischen Kirche St. Kilian, wo ein Abschlusssegen erteilt wird.

Von Christoph Schnitzer

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