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Gericht

52-mal beim Schwarzfahren erwischt

Bad Tölz/Wolfratshausen - Urteil vor Wolfratshauser Amtsgericht: Vorbestrafter Tölzer (32) muss für zwei Jahre ins Gefängnis

Die Frau ist hochschwanger, der werdende Vater mittellos und 150 Kilometer entfernt. Weil er sich trotzdem um seine Freundin kümmern wollte, setzte sich ein Tölzer (32) ohne Geld und gültigen Fahrschein in den Zug Richtung Augsburg: 52-mal wurde er zwischen Mai 2014 und Mai 2015 beim Schwarzfahren erwischt, bis zu viermal an einem einzigen Tag. Außerdem kam der vielfach Vorbestrafte in dieser Zeit diversen Auflagen seines Bewährungshelfers nicht nach – er ließ Termine unentschuldigt verstreichen, gab Drogentests nicht ab. Aus diesen beiden Gründen wurde er nun zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Hypernervös und extrem angespannt erschien der 32-Jährige zur Verhandlung vor dem Wolfratshauser Amtsgericht. „Ich musste mich doch um sie kümmern“, rechtfertigte er aufgebracht die unbezahlten Fahrten mit dem Regionalexpress und der BOB. Die Häufigkeit erklärte er damit, dass er wegen Terminen beim Arbeitsamt ständig nach Bad Tölz habe zurückkehren müssen. „Die streichen mir doch sonst das letzte Geld“, klagte er. Außerdem habe er keine Chance gesehen, bei der Frau und dem Kind wohnen zu können: „Das hätte das Jugendamt wegen meiner Vorgeschichte nicht erlaubt.“

Die „Vorgeschichte“ begann 1999 mit Diebstahl und vier Wochen Jugendarrest. In den folgenden Jahren stand der Tölzer regelmäßig vor Gericht, oft wegen Drogen und Diebstahls. Wegen Amtsanmaßung, räuberischen Diebstahls und anderem wurde er 2006 (unter Einbeziehung einiger früherer Strafen) zu einer Jugendstrafe von insgesamt vier Jahren verurteilt. Kaum aus der Haft entlassen, fuhr er wegen Sachbeschädigung, Drogen und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte erneut für zwei Jahre ein. Wieder in Freiheit, wurde der „Risikoproband“ vom Amtsgericht Wolfratshausen wegen Verstoßes gegen Weisungen der Führungsaufsicht zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt, die jedoch in der Berufungsverhandlung am Landgericht in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurde. In der Zwischenzeit brummte ihm das Amtsgericht wegen Schwarzfahrens eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro auf.

Das erklärte die Nervosität des Angeklagten, der immer wieder von seinem Verteidiger Bernd Dufner gebremst werden musste. „Jetzt gehen sie mal vom Gas. Es kann doch nicht so schwer sein, sich hier zu benehmen“, ermahnte der Rechtsanwalt seinen zappeligen und aufbrausenden Mandanten. Der machte keinen Hehl daraus, warum er so aufgeregt war: „Ich habe Angst, dass ich eingesperrt werde.“

Wegen der Sorge um seine Freundin (inzwischen ist die Beziehung beendet, die Frau macht eine Drogentherapie) habe er auch die Termine mit dem Bewährungshelfer nicht einhalten können, ließ der Angeklagte das Gericht wissen.

Das wirke sich zwar strafmildernd aus, mache die Vergehen aber nicht entschuldbar, sagte Richter Helmut Berger. Für die Schwarzfahrten verurteilte er den Tölzer zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis, weitere zehn Monate kommen wegen der nicht abgelieferten Urinproben und der verpassten Gesprächstermine hinzu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Das eine kann ich Ihnen sagen, Herr Berger. Ich lege Berufung ein“, schimpfte der Verurteilte, als er den Saal verließ. „Mit den Richtern in München kann ich wenigstens reden – mit ihnen nicht.“

Rudi Stallein

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