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Bürgermeister Josef Janker stellt sich der Diskussion: Rund 90 Anlieger des Hintersbergs nutzten trotz Regens die Chance, beim Schwesternheim Fragen zum neuen Wohngebiet auf der Zwickerwiese zu stellen. Die Schwestern sind übrigens auch gegen eine Erschließung über die Heißstraße.

Ortstermin

90 Anwohner diskutieren mit Stadt über neues Wohngebiet auf der Tölzer Zwickerwiese

Mehr Transparenz und Bürgernähe hatten sich die Hintersbergler in der Diskussion um das neue Baugebiet Zwickerwiese gewünscht. Nun lud die Stadtspitze zu einem Ortstermin in der Heißstraße ein. Trotz Regens kamen rund 90 Anwohner von Heiß- und Ludwig-Thoma-Straße.

Bad Tölz – Es wurden viele Argumente und Einwände zum neuen städtischen Baugebiet mit 38 Wohneinheiten auf der oberen Zwickerwiese vorgetragen. Im Kern, das wurde überdeutlich, ging es den meisten Anliegern aber nur um eins: eine andere Zufahrt zum Baugebiet als über die Heißstraße.

Joseph Pallauf fasste das so zusammen: Man gönne es dem Zwickerbauern Martin Sappl ja, dass er den Hof nun auf wirtschaftlich solide Beine stellen könne. Doch gelte hier das Verursacherprinzip. Die Zufahrt zu dem neuen Baugebiet müsse von unten (Staatsstraße 2072) her erfolgen. Pallauf konnte nicht nachvollziehen, dass die Stadt mit dieser guten Verhandlungsposition nicht in die Verkaufsgespräche mit Sappl gegangen sei. Dafür gab’s viel Beifall.

Bürgermeister Josef Janker wies darauf hin, dass „die separate Zufahrt Sache des Bebauungsplanverfahrens sein wird“. Die Stadt favorisiere deshalb die Heißstraße, weil eine Zufahrt von unten in einem nicht unproblematischen, hängenden Gelände auch deutlich teurer kommen werde. Dadurch, dass ein Drittel des Geländes der Stadt verbleibt, sei auch sie an diesen Kosten beteiligt.

Separate Zufahrt würde viel Ärger ersparen

Zur Mutmaßung Pallaufs, dass das Baugebiet ja wohl irgendwann nach unten erweitert werde, erklärte er unmissverständlich: „Es wird von Seiten der Stadt definitiv zu keiner Erweiterung des Baugebiets kommen.“

Zwickerbauer Martin Sappl meldete sich zu Wort. Die Zufahrt, nicht alle anderen zuvor genannten Probleme, sei „der richtige Punkt. Darüber müssen wir reden.“ Eine Zufahrtsstraße von unten bedeute freilich auch Versiegelung von Flächen. „Versiegelung“ war zuvor als Argument gegen das Baugebiet genannt worden.

Renate Zirngibl und Bernd Dufner wunderten sich über die Vorgehensweise der Stadt. Mit einer separaten Zufahrt hätte man sich viel Ärger erspart, ein intaktes, schönes Wohngebiet geschont und „das Wohl der Bürger“ im Auge gehabt. Ein weiterer Anwohner brachte die problematische Kreuzung zur Bairawieser Straße zur Sprache. Maria Girmann wollte Jankers Verweise auf das laufende und ergebnisoffene Bebauungsplanverfahren so nicht hinnehmen: „Der politische Wille muss da sein, dann bewegt sich auch was.“ Stattdessen erschaffe man sich mit der Zufahrt über die Heißstraße künstlich ein Problem. Horst Kreiner stellte schließlich die Frage in den Raum, warum man nicht den bereits bestehenden Forstweg vom Friedhof durch das Wäldchen hinauf zum Faistweg verwende und ihn ertüchtige. „Zu schmal“, sagte jemand, eine weitere Antwort blieb aus.

Gibt es eine erhöhte Gefährdung der Anwohner

Wird es durch den Verkehr von 38 neuen Wohneinheiten eine erhöhte Gefährdung für Anwohner, etwa die von der Lebenshilfe, geben? Die Fragestellung griff Lebenshilfe-Geschäftsführer Franz Gulder auf und forderte zumindest einen Gehweg. „Das wird im Verkehrsgutachten geprüft“, versicherte Janker. „Macht doch lieber gleich eine Spielstraße!“, schlug Johannes Fritz unter Beifall vor. „Dazu würde ich nicht raten“, sagte Janker. „Dann müssen Sie alle immer Schrittgeschwindigkeit fahren.“

Marcel Mohaupt trug als einer der Unterzeichner den Forderungskatalog der Bürgerinitiative Hintersberg vor. Einer der wichtigen Punkte betrifft die Stollen eines früheren Bergbaugebiets, die bis unter das Baugebiet reichen sollen. Die erforderlichen Gutachten und möglicherweise sogar Bohrungen würden die Preise massiv in die Höhe treiben. Spekulieren hielt Bürgermeister Janker für „abwegig“. Es werde sich im Verfahren zeigen, welche Gutachten und Maßnahmen nötig seien. Bauamtsleiter Christian Fürstberger habe im Bauausschuss auch stets darauf hingewiesen, dass da was kommen könne. „Da ist ja die Katze im Sack gekauft worden“, merkte ein Anwohner kritisch an.

Hat der Stadtrat eigentlich von dem Bergbaugebiet gewusst, als er dem Kauf zustimmte, fragte eine Anwohnerin. Sie habe nämlich von einem Stadtrat gehört, das sei nicht der Fall gewesen. Josef Janker wollte davon nichts wissen. Christian Fürstberger habe „von Risiken gesprochen, die auftreten können. Der betreffende Stadtrat hat nicht zugehört.“

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Mohaupts Wunschvorstellung, das obere Baugebiet hinunter in Richtung Staatsstraße zu verlegen, hielt Janker für „nicht genehmigbar“. Es gelte das Anbindungsgebot. Seiner Meinung nach entstehe so eine Splittersiedlung. „Aber wir werden das prüfen.“ Martin Sappl bat in dem Zusammenhang schon darum, dass man über so etwas zuerst mal mit ihm rede.

Von Christoph Schnitzer

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