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Freitags, samstags und manchmal auch mittwochs st ehen die Unterstützer des Bürgerbegehrens – hier Herbert Piffl (li.) – mit einem Infostand in der Marktstraße.

Mehr als die Hälfte erreicht

900 Unterschriften für Bürgerbegehren zum Bichler Hof

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Halbzeit beim Bürgerbegehren Bichler Hof – und die Initiatoren haben bereits mehr als die Hälfte der geforderten Unterschriften zusammen. Ein Selbstläufer sei die Aktion aber nicht, betont Unterstützer und Grünen-Stadtrat Franz Mayer.

Bad Tölz – „Gnädige Frau, sind Sie Tölzerin? Kennen Sie die Geschichte zum Bichler Hof?“ Immer wieder spricht Herbert Piffl an diesem Freitagvormittag Passanten in der Tölzer Marktstraße an. Zusammen mit dem Grünen-Stadtrat Franz Mayer hat er Dienst am Infostand in der Marktstraße. Jeden Freitag und Samstag und manchmal auch mittwochs stehen die Initiatoren des Bürgerbegehrens zum Bichler Hof in der guten Stube von Tölz und sammeln Unterschriften. 1400 brauchen sie, damit es zum Bürgerentscheid kommt. 900 haben sie bislang zusammen. Bis 10. Juni wird gesammelt.

Die Initiatoren möchten, dass beim Projekt Bichler Hof der erste Teil der Zobon – das ist die Satzung für Zukunftsorientierte Bodennutzung – angewandt wird. Bauherr Hubert Hörmann, der auf dem Areal am Fuß des Bichler Hofs 22 Doppelhaushälften errichtet, um den Umbau des Hotels quer zu finanzieren – müsste dann ein Drittel des Areals zu einem günstigen Preis an die Stadt verkaufen. Die könnte dann entweder selbst bauen oder die Grundstücke verkaufen und mit dem Erlös an anderer Stelle beispielsweise günstigen Wohnraum schaffen. Bislang verzichtet die Stadt auf dieses Drittel, weil Hörmann mit der Errichtung des hochklassigen Hotels ein städtebauliches Ziel verfolgt. Diese Möglichkeit räumt die Zobon ebenfalls ein.

Die meisten Passanten, die Piffl an diesem Tag anspricht, sind über das Projekt informiert – zumindest einigermaßen. „Meinen Sie denn, dass das was bringt?“, fragt eine Frau und blickt unschlüssig auf die Unterschriftenliste, die am Infostand ausliegt. „Nur wenn man es nicht versucht, bringt es nichts“, spricht ihr eine andere Passantin Mut zu und greift selbst zum Stift. Viele wittern im Vorgehen des Stadtrats auch einfach eine ungerechte Bevorzugung des Bauunternehmers. „Das ist doch ein Treppenwitz“, meint ein Passant. Erst werte die Stadt Grün- zu Bauland auf, ermögliche so die Finanzierung des Hotelprojekts „praktisch zum Nulltarif“ – und dann müsse der Bauherr noch nicht einmal Flächen an die Stadt abgeben. „Die Großkopferten werden immer bevorzugt“, sagt ein Mann. Es ist nicht das letzte Mal, dass dieser Satz an diesem Vormittag fällt.

60 Menschen verteilen Flyer und werben bei Freunden

Die Resonanz sei insgesamt recht groß, sagt Piffl. „95 Prozent der Bürger kennen die Problematik und sagen: ,Gott sei Dank macht jemand was.‘ Nur ganz wenige sagen, dass sie das nicht gut finden“, berichtet der Tölzer. Das bestätigt Franz Mayer. Die Unterschriftensammlung laufe gut, „ist aber auch kein Selbstläufer“. Rund 60 Menschen seien für die Sache aktiv, stehen an den Infoständen, verteilen Flyer oder werben im Freundeskreis für die Unterschriftenaktion.

Der Grünen-Stadtrat selbst steht auch deshalb gerne an den Infoständen, „weil ich die Gespräche interessant finde, die man mit den Leuten führt“. Er erfahre beispielsweise viel über Wohnsituation, sagt er. Dazu hat auch ein Mann etwas beizutragen, der gerade vorbeikommt. „Mein Sohn sucht seit sechs Jahren in Tölz eine Wohnung, und niemand hilft.“

Bürgerbegehren läuft bis 10. Juni

Zwei Oberfischbacher machen ebenfalls einen Zwischenstopp am Infostand. Unterschreiben dürfen sie als Nicht-Tölzer zwar nicht, „aber als Nachbarn wollten wir uns auch über das Projekt informieren“. Sie können auch gleich mit einem Gerücht aufräumen, das die Runde macht. Nein, sagen sie, der Grundstückseigentümer Hörmann habe nicht den beliebten Wanderweg mit einem Tor versperrt. „Wir sind da gestern extra gegangen. Der Steig ist offen.“

Am kommenden Freitag und Samstag werden die Unterstützer des Bürgerbegehrens noch einmal Infostände in der Marktstraße anbieten. In den Pfingstferien ist Pause – bevor es dann bis 10. Juni in den Endspurt geht. Im Anschluss werden die Unterschriften geprüft. Kommt die erforderliche Zahl von 1400 zusammen, und ist die Fragestellung des Begehrens nach rechtlicher Prüfung zulässig, dürfen die Tölzer abstimmen. Termin für den Bürgerentscheid könnte der 14. Oktober sein – der Tag der Landtagswahl. Mayer: „Wir sind also auf einem guten und erfolgreichen Weg – auch wenn wir das Ziel noch nicht erreicht haben.“

Lesen Sie auch: Das sagen die Initiatoren des Hotelprojekts Bichler Hof

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