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Trägt inzwischen den Spitznamen „Gulaschkanone“: einer der beiden mobilen Blitzanhänger, der tatsächlich ein bisschen an einen Feldkochherd erinnert. Das Foto zeigt Polizeidirektor Peter Böttinger und Michael Braun, Geschäftsführer vom Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland, bei der Vorstellung des oberbayernweiten Modellversuchs im September des vergangenen Jahres in Bad Tölz. 

Blitzanhänger

Ab Samstag wird scharf geschossen

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Allen Spöttern in den sozialen Netzwerken zum Trotz: Die beiden Blitzanhänger, die seit einem halben Jahr nicht nur im Landkreis getestet werden, erfüllen ihren Zweck, da sind sich die Verkehrsüberwacher sicher. Ab dem 1. April schießen die beiden „Gulaschkanonen“ dann scharf.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Als Autofahrer hat man sich schon daran gewöhnt, dass immer mal wieder ein Blitzanhänger am Straßenrand steht, zum Beispiel an der B 472 auf Höhe des ehemaligen „Treibhauses“. Weil die sperrigen grauen Kästen kaum zu übersehen sind, nehmen viele rechtzeitig den Fuß vom Gas – auch, und das ist der Clou an der Sache, wenn die Blitzanhänger gar nicht mehr da sind. Das ist eine der zentralen Erkenntnisse nach einer sechsmonatigen Testphase, in der die Polizei und der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland erste Erfahrungswerte gesammelt haben, wie sich die neue Methode in der Verkehrsüberwachung auf das Verhalten der Fahrer auswirkt.

Dementsprechend positiv fällt die erste Bilanz von Michael Braun aus: „Die Blitzanhänger bewirken das, was sie sollen“, freut sich der Zweckverbands-Geschäftsführer. „Die Anzahl der Verstöße ist massiv zurückgegangen.“ Als Beispiel führt er die Messstelle in Bad Heilbrunn an, wo auf Höhe von „Garten Holzmann“ regelmäßig der „Traffi-Star S 350“ steht. Dort konnte die sogenannte Beanstandungsquote von 34 auf 23 Prozent gesenkt werden.

Auch aus Sicht von Christian Bertlein vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd haben sich die beiden Blitzanhänger in der Praxis bestens bewährt. „Es können zielgerichtet einzelne Unfallhäufungspunkte entschärft und sonstige Problemstrecken intensiver überwacht werden“, betont der Beamte. Denn anders als bei herkömmlichen Radarfallen braucht bei den Anhängern nicht ständig ein Messtechniker oder ein Polizeibeamter vor Ort sein. Die Anlagen müssen nur abgestellt, eingerichtet und nach spätestens fünf Tagen wieder abgeholt werden – so lange halten die Akkus. Werden die Stationen an kritischen Punkten wie an Autobahn-Baustellen geparkt, kommt das Messpersonal also nicht in gefährliche Situationen. Und: „Die ohnehin knappen Personalressourcen können so noch effizienter eingesetzt werden“, sagt Bertlein.

Anhänger kosten zwischen 120.000 und 240.000 Euro

Wie berichtet, haben Polizei und Zweckverband im südlichen Oberbayern etwa 20 Messstellen festgelegt, wo die beiden bislang angeschafften Blitzanhänger eingesetzt werden. Nach der ersten Testreihe geht der Modellversuch am Samstag in die nächste Phase: Dann nämlich werden die geblitzten Temposünder auch zur Kasse gebeten, was bislang nicht der Fall war. „Am 1. April beginnt der Echtbetrieb, und das ist kein Scherz“, sagt Zweckverbands-Geschäftsführer Braun und lacht. Ende des Jahres, schätzt er, geht dann ein Bericht über den Verlauf des Modellversuchs ans bayerische Innenministerium. Dann entscheidet sich, ob die „Blitzanhänger“ wie in Frankreich oder der Schweiz künftig auch in Bayern flächendeckend eingesetzt werden. In Deutschland haben sich diese Art von Messanlagen bislang noch nicht durchgesetzt. Das könnte auch am Preis liegen: Zwischen 120 000 und 240 000 Euro kostet so ein Blitzanhänger.

Panzerung schützt vor Vandalismus

Dafür halten die „Gulaschkanonen“, wie sie in den sozialen Netzwerken teilweise spöttisch genannt werden, aber auch einiges aus. Sie sind zum Beispiel gepanzert, um sie vor jeder Form von Vandalismus zu schützen. Bislang gab es laut Braun aber noch keine Attacken auf die Anhänger, dafür aber ein paar kleinere Streiche. Zur Wiesn-Zeit zum Beispiel hatten ein paar Spaßvögel zwei leere Bierflaschen so übereinander gestellt, dass sie die Linse der integrierten Kamera verdeckten. Und zu Fasching wurde ein Anhänger mit rot-weißem Flatterband eingewickelt. So lange es nichts Schlimmeres ist, kann Braun mit solchen Streichen leben. Aber Vorsicht: Im Falle von brachialer Gewalt schlägt die integrierte Alarmanlage im Anhänger an und ruft die Polizei auf den Plan.

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