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Weil er Abgase von seinem Motorroller mit einem Schlauch in das Haus seines Nachbarn geleitet hatte, ist ein Rentner jetzt vom Amtsgericht in Wolfratshausen zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Nachbarschaftsstreit vor Gericht

Abgase in Wohnung der Nachbarn geleitet: Rentner (77) verurteilt

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Der Richter hat viel erlebt in seiner langen Berufslaufbahn. Aber manchem Fall steht er noch immer voller Unverständnis gegenüber.

Bad Tölz-Wolfratshausen– „Man wundert sich, auf welche perfiden Ideen man kommen kann, wenn einem langweilig ist“, kommentierte der vorsitzende Richter Helmut Berger die wahnwitzige Attacke eines Rentners aus dem Isarwinkel. Der 77-Jährige hatte im August Abgase von seinem Motorroller in das Haus seines Nachbarn geleitet. Nun wurde der Rentner vom Amtsgericht Wolfratshausen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe ist für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Der Streit schwelt offenbar schon seit Jahren. „Es gibt immer wieder Ärger“, bestätigte die geschädigte Nachbarin. Meist seien es Kindereien wie „Schnee rüberschmeißen“, „die Fenster mit Wasser bespritzen“ oder „mit dem Auto die Einfahrt zuparken“, erzählte die Frau (70). Am Tattag erreichten die Auseinandersetzungen eine neue Dimension. Um die Mittagszeit schob der Beschuldigte seinen Motorroller ans Nachbarhaus, verlängerte den Auspuff mit einem Schlauch und einem Rohr und hängte das Konstrukt in das gekippte Toilettenfenster. Dann startete er den Motor und blies rund fünf Minuten lang die Abgase ins Haus, wo sie sich bis in den Flur verteilten. Die Aktion endete erst, als die Nachbarin, die in einem Nebenraum eine Trauerkarte schrieb, dem Lärm nachging und „das Fenster zuschlug“.

Der Angeklagte verkaufte seinen Akt der Selbstjustiz als eine Art erzieherische Maßnahme. „Ich wollte denen mal zeigen, wie das ist“, erklärte der Mann. Er selbst habe „20 Jahre lang die Abgase einschnaufen müssen“, die der Nachbar durchs offene Fenster in sein Schlafzimmer blase, wenn er mit seinem Motorrad in den Garten fahre. Eines Nachts sei er von „höllischem Lärm geweckt worden und aus dem Bett gefallen. Ich hab’ gedacht, ich muss sterben“, erzählte der 77-Jährige, warum er sich zur Rache genötigt sah. „Ich habe mir keinen anderen Ausweg gewusst. Er sollte mal sehen, wie schön das ist.“

Diese Version hatte der Isarwinkler auch der Polizistin erzählt, die sich vor Ort einen Eindruck verschafft hatte. „Die Nebelschwaden hingen im Eingangsbereich“, berichtete die Beamtin. Im Gästeklo habe sie es „vor lauter Rauch nicht lange ausgehalten“. Der Mann habe nichts abgestritten. Sie habe versucht, ihm deutlich zu machen, dass „Selbstjustiz kein Mittel ist“, so die Polizistin. „Aber er war uneinsichtig. Er meint, dass das sein gutes Recht ist.“

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Diese Auffassung vertrat der Rentner auch noch vor Gericht. „Ich habe mir die ganze Zeit die Abgase antun müssen. Und jetzt soll ich bestraft werden. Das finde ich nicht in Ordnung“, zeterte der Mann, nachdem die Staatsanwältin ihr Plädoyer gehalten hatte. „Sie hätte schlafen können, während das Abgas ins Haus strömte. Dann müssten wir vielleicht über ganz andere Sachen verhandeln“, verdeutlichte die Anklagevertreterin, die auch das Benehmen des Beschuldigten in der Verhandlung tadelte: „Er rollt mit den Augen und schnauft abwertend, wenn die Geschädigte von ihren gesundheitlichen Folgen des jahrelangen Streits erzählt – das steht ihm nicht zu.“

Richter Helmut Berger bescheinigte dem Angeklagten eine „enorme kriminelle Energie“ bei der Tatausübung. „Das ist ein Verhalten, das mitnichten mit irgendwas zu entschuldigen ist“, machte Berger in seiner Urteilsbegründung deutlich. Mit der Strafe von zehn Monaten blieb er unter dem Antrag der Staatsanwältin, die ein Jahr Gefängnis auf Bewährung beantragt hatte. Als Auflage muss der Verurteilte 3000 Euro Geldbuße an die Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger zahlen.

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