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Mit Kerzen und Plakaten zeigten Asylhelfer und Flüchtlinge vergangene Woche Unterstützung für den jungen Mann, der von Tölz nach Afghanistan abgeschoben wurde.

Helfer halten Kontakt nach Afghanistan

Abgeschobener Flüchtling: Helferkreis engagiert sich weiterhin

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Flüchtlingshelfer aus Bad Tölz und Schlehdorf sorgen sich weiterhin um den 21-Jährigen, der vor einer Woche nach Afghanistan abgeschoben wurde.

Bad Tölz/Schlehdorf–  Die Helfer haben einen Brief an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann geschrieben, stehen in Kontakt mit dem Bayerischen Flüchtlingsrat und suchen nach Wegen, dem jungen Mann zu helfen, sich ein geordnetes Leben aufzubauen, berichtet Martin Schuster aus Schlehdorf.

„Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass er wieder hierher auf sicheres Terrain zurückkehren kann“, heißt es unter anderem in dem Brief. Darin ist auch zu lesen, dass der 21-Jährige im Tölzer Land gut integriert war, einen Trauma-Therapieplatz sicher sowie einen Arbeitsvertrag in Vorbereitung hatte. In Afghanistan dagegen herrsche Krieg.

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Wie berichtet, gehört der 21-Jährige der religiösen Minderheit der Hazara an, die in Afghanistan verfolgt wird. Seine mittlerweile verstorbenen Eltern flüchteten in den Iran, wo der jetzt Abgeschobene zur Welt kam. Dort wurde ihm aber kein Pass ausgestellt. Weil er auch dort misshandelt wurde, floh er alleine nach Deutschland. In den vergangenen Jahren lebte er in Schlehdorf und Bad Tölz.

Die Regierung von Oberbayern stellte dem Mann im Passersatz-Verfahren einen afghanischen Pass aus und stufte ihn nach einer Gerichtsverhandlung als „schwer straffällig“ ein. Details dazu werden aus Datenschutzgründen nicht genannt.

Laut Helferkreis geht es um eine Auseinandersetzung, in der ein Messer im Spiel war. Den Helfern zufolge sind in dem Fall aber noch Fragen offen beziehungsweise aufgrund eines Zeugen neue Details ans Licht gekommen, die die Sache anders darstellen als vor Gericht verhandelt. „Wir wollen versuchen, eine Anwältin zu finden, die sich mit der ganzen Angelegenheit nochmal beschäftigt“, sagt Schuster.

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Der junge Mann kann nach seiner Abschiebung mit 50 Dollar Unterstützungsgeld zwei Wochen in einer Unterkunft in Kabul leben. „Er ist tapfer“, sagt Schuster. Weil er gut Deutsch spreche, versuche man, über das Goethe-Institut in Indien einen Weg zu finden, damit er mit einer Arbeitserlaubnis nach Deutschland zurückkehren könne. Der 21-Jährige war laut Helferkreis noch nie in Afghanistan und hat dort keine Kontakte, die ihm helfen, ein neues Leben aufzubauen.

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