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Sie waren 14 Jahre lang die Gesichter der Tölzer Tafel: Gretel und Wolfgang Emmerich, die sich nun, mit 80 Jahren, zurückziehen.

Abschied vom Ehrenamt

Sie haben die Tölzer Tafel groß gemacht

Bad Tölz –  Für andere etwas leisten: Das war viele Jahre das Credo von Wolfgang Emmerich. 14 Jahre lang hat er zusammen mit seiner Frau Gretel die Geschicke der Tölzer Tafel geleitet. Nun geben beide ihre Ämter ab. Ein bisschen erleichtert, aber auch voller guter Gedanken an eine konstruktive und erfüllte Zeit.

Emmerich erinnert sich: „Die allererste Ausgabe der Tölzer Tafel fand in einem Gemeinschaftsraum des Rehazentrums Isarwinkel statt“, sagt er. „Damals gab es noch wenig Kunden, nur etwa zehn Leute. Die Waren aus den Supermärkten und Läden wurden mit einem Kombi vom Roten Kreuz abgeholt, und pro Ausgabetermin waren turnusmäßig drei Helfer im Einsatz.“

Zum Vergleich: Heute sind es über 80 ehrenamtliche Mitarbeiter, die wöchentlich bis zu 150 Menschen Lebensmittel geben, die vorher eingesammelt wurden. Die Tafel hat ihre Ausgabestellen in den Aulen der Süd- und der Lettenholzschule sowie seit Kurzem im Franziskuszentrum. Die Tafel ist mittlerweile eine effektive und selbstverständliche Organisation, die Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in soziale Not geraten sind, das Leben auf ganz praktische Art erleichtert. Supermärkte, Bäcker, Metzger oder auch Landwirte spenden die Waren, die zwar nicht über den Ladentisch gegangen, aber noch einwandfrei sind. Jeder, der eine Sozialcard besitzt, hat die Berechtigung, sich Lebensmittel abzuholen.

Das will gut organisiert sein. Einsatzpläne und Abholtermine müssen für den reibungslosen Ablauf gut ineinandergreifen. Dazu kommen noch die Einzellieferungen an Menschen, die es gesundheitlich nicht schaffen, sich die Lebensmittel abzuholen. All das hat Wolfgang Emmerich gemeinsam mit den „Tafelanern“ Woche für Woche möglich gemacht. Der ehemalige Bankdirektor aus Frankfurt, der seinen Ruhestand im Oberland verbringt, war stets Ansprechpartner für die vielen Dinge, die es zu tun gab. Nun gibt er sein Amt ab.

Er und seine Frau sind beide 80 Jahre alt. „Es ist jetzt einfach Zeit geworden“, sagen sie. Die freigewordene Zeit wird ihnen mit Sicherheit nicht lang werden. Sie können sich verstärkt ihren sportlichen Hobbys widmen: Tandemfahrten durch ganz Deutschland, Wandern und Reisen. Nachfolgerin von Emmerich ist Dagmar Karl, die schon bei der Tafelgründung mit dabei war, sich also bestens mit allem auskennt.

Viel hat sich verändert in eineinhalb Jahrzehnten. Die Tafel hat inzwischen einen eigenen Lieferwagen und einen Lagerraum mit Kühlzelle im Keller der Südschule. „Wir haben uns immer selbst finanziert“, betont Emmerich. Möglich ist das durch zahlreiche Spenden. Größere und kleinere Summen von Privatpersonen, aber auch von Organisationen wie beispielsweise dem Lions-Club. „Davon konnten wir die Anschaffungen immer gut finanzieren“, sagt Emmerich.

Immer versuchten die Emmerichs auch, den Ablauf zu optimieren, schauten sich zu diesem Zweck die Tafeln in anderen Städten an. „Wir haben es für uns am besten gelöst, und all die Jahre auch keinen Ärger mit Kunden oder Kollegen gehabt“, da sind sich beide einig. Am Samstag machen die Emmerichs noch ein letztes Mal „Tafeldienst“.

Ines Gokus

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