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Absturz mit Glasknochen: Das Schicksal eines 55-Jährigen Tölzers

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Weil sich seine Knochen auflösen, kann Horst M. aus Bad Tölz nicht mehr arbeiten. Nun kämpft sich der Frührentner mit 300 Euro im Monat durchs Leben. Ein neues Bett, das seiner 90-prozentigen Behinderung gerecht wird, kann er sich nicht leisten. Mit einer Spende für unsere Aktion „Leser helfen helfen“ können Sie ihn unterstützen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nur ein paar hundert Meter sind es von Horst M.’s Ein-Zimmer-Wohnung zum Supermarkt. „Aber es gibt Tage, da brauche ich eineinhalb Stunden dafür“, sagt er. Es sind diese Tage, an denen sich der 55-Jährige sogar unter Schmerzmitteln unheimlich quälen muss – nur damit ein paar Lebensmittel in seinem Kühlschrank landen.

Fünf oder sogar zehn Kilometer zu Fuß gehen, das war früher kein Problem für Horst M (Name geändert). Im Gegenteil: Er machte es gerne. Heute schaut er an sich herunter und sagt: „Ich habe zugenommen, weil ich mich nicht bewegen kann.“ Bis vor sieben Jahren bewegte er sich täglich eine ganze Menge, als Gärtnermeister war er ständig draußen. Doch dann kam dieser Tag, der ihn in eine Lebenskrise stürzte, die bis heute andauert. „Ich habe mich gebückt und bin nicht mehr hochgekommen“, erzählt er. Anderen bringt so eine Situation einen Hexenschuss ein, Horst M. erreichte damals eine dramatische Diagnose: „Glasknochen“ lautete sie. „Ihre Knochen lösen sich auf“, sagte der Arzt.

Diese Worte waren eine Katastrophe für Horst M., damals noch ein agiler, kräftiger Typ. „Da bricht alles zusammen.“ In der Krise wählte er die nächstbeste und schlechteste Lösung – er griff zur Flasche. Es folgte der Komplettabsturz.

„Ich habe mir schon alles gebrochen.“

Die Krankheit des Tölzers ist tückisch. Schon ein kleiner Sturz kann zu einer schweren Verletzung führen. „Ich habe mir schon alles gebrochen.“ Einen Lendenwirbel zum Beispiel. Andere kugeln sich die Schulter aus, bei Horst M. wurde sie bei einem Sturz komplett herausgerissen. Dass es das Leben nicht gut meint mit ihm, bewies auch ein Unfall vor ein paar Jahren in der Marktstraße. Er rutschte auf einer Eisplatte weg. Andere holen sich blaue Flecken, Horst M. brach sich den Oberschenkelhalsknochen. „Immer tappe ich in so einen Scheiß“, sagt er. „Ich bin wie Donald Duck.“

Mittlerweile ist der Tölzer wieder trocken, Probleme hat er trotzdem genug. Aktuell verhindert eine Arthrose in der Hüfte die nächste Operation. Zudem bleiben ihm maximal 300 Euro von der kleinen Rente zum Leben. „Du bist sozial ausgegrenzt, ins Kino oder zum Essen gehen, ist nicht drin.“

Drin wäre seiner Ansicht nach ein Gehbehindertenausweis, mit dem könnte er die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen. Doch dafür reichen die 90 Prozent Schwerbehinderung, die in seinem Ausweis stehen, nicht. Horst M. hat Widerspruch gegen diese Entscheidung des Amts eingelegt. Bislang vergeblich. In seinem kleinen Zimmer mit 16 Quadratmetern hat er zwei alte Matratzen übereinander gestapelt, um es halbwegs bequem zu haben. Doch eigentlich bräuchte er ein neues, vernünftiges Bett. Doch dafür fehlt das Geld.

Wer M. zuhört, erlebt einen Mann, der mit dem System hadert – aber vor allem auch mit sich selbst: „Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich mal so ende. Schlimmer kann’s nicht werden“, sagt er. Doch nach ein paar Minuten fängt er sich wieder und macht einen Witz: „Vielleicht mache ich ja eine Rentner-Gang auf – für einen gescheiten Banküberfall.“ Jetzt lacht Horst M. zum ersten Mal im Gespräch, das mittlerweile über eine Stunde dauert. Es ist reiner Galgenhumor.

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