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Weg von fossilen Brennstoffen wie Heizöl: Das fordert die Energiewende Oberland, der auch die Stadt Bad Tölz angehört. Der neue Energienutzungsplan für die Kreisstadt zeigt Maßnahmen auf, wie das zu schaffen ist.

Stadtrat

Abwrackprämie für Heizöltanks

Wenn in Bad Tölz von der Energiewende gesprochen wird, dann ist in der Regel nur vom Strom die Rede. Dabei macht der im Gesamtverbrauch gerade einmal 18 Prozent aus. Viel wichtiger sind die Sektoren Wärmeverbrauch (48 Prozent) und Verkehr (34 Prozent).

Bad Tölz – Andreas Scharli vom „Kompetenzzentrum Energie EKO e.V.“ aus Penzberg und Stefan Drexlmeier von der Energiewende Oberland stellten jetzt im Tölzer Stadtrat den neuen Energienutzungsplan (ENP) Tölz vor. Er ist Zustandsbeschreibung, Potenzialanalyse und Maßnahmen-Katalog gleichermaßen und soll demnächst auch auf der Internetseite der Stadt Bad Tölz einsehbar sein.

Das Werk ist umfangreich. Kernaussagen betreffen vor allem den Wärmesektor, wo die Stadt einen „Riesenhebel“ ansetzen könnte, um den Klimaschutz vor Ort signifikant zu verbessern, wie die Autoren sagen. Im Fokus steht dabei vor allem das Badeteil, wo die ENP-Macher das höchste CO2-Einsparpotenzial sehen. Es gebe viel zu viele veraltete Heizanlagen. Durch Fernwärme und Anschluss an zentrale Biomasse-Heizwerke könnten nicht nur die Luftqualität verbessert werden, sondern Hotels, Sanatorien und Reha-Kliniken auch einen ökonomischen Vorteil erzielen. Weil sie nämlich auf die kostenintensive Wartung und Pflege der haustechnischen Anlagen verzichten können.

Die Heizwerke sollten mit Biomasse betrieben werden. „Ist dafür überhaupt genug Holz da?“ Diese oft gestellte Frage beantworteten Scharli und Drexlmeier in der Stadtratssitzung mit einem eindeutigen Ja. In ihrer Studie kommen sie zu dem Ergebnis, dass die vertretbare Einschlagintensität in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Weilheim-Schongau längst nicht ausgeschöpft ist. „Wir haben also genug Holz.“ Der ENP rechnet vor, dass der für die Beheizung des kompletten Badeteils nötige Hackschnitzelbedarf bei 4 Prozent des Energieholzpotenzials im Landkreis liegt.

Wärmeverbundnetze können sich die ENP-Macher übrigens auch am Moraltpark (mit Siedlung), am Schulzentrum und in der Altstadt vorstellen.

Wie macht man den Bürgern eine solche Energiewende schmackhaft? Die ENP-Planer schlagen zum Beispiel eine Abwrackprämie für Öltanks vor. Damit könne die Stadt ein politisches Signal setzen, dass fossile Energieträger im Stadtgebiet unerwünscht sind. Stattdessen solle man an Erdgas-BHKW’s, Erdwärme- oder Biomasse-Heizanlage anschließen. Drexlmeier und Scharli könnten sich als Prämie ein Drittel der Kosten für die Entsorgung einer Tankanlage vorstellen (rund 400 Euro). Bis 2035 könne man so dem in der Energiewende Oberland gesteckten Ziel, möglichst auf alle fossilen Brennstoffe zu verzichten, deutlich näher kommen.

Ein großes Ausbaupotenzial erkennen die Energienutzungsplan-Macher schließlich auch bei den Solaranlagen in Bad Tölz. Das gilt für Bürger und Kommune gleichermaßen. Die Tölzer Dreifachturnhalle, Jugendherberge, Kläranlage, Lettenholz-Grundschule, Musikschule und Stadtbibliothek sehen die ENP-Verfasser als geeignet an, um von Seiten der Stadt effiziente Photovoltaik-Anlagen zu installieren.

Christoph Schnitzer

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