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Voll Demut am Boden liegen: Die Kandidaten (im Vordergrund P. Lukas Essendorfer) liegen vor Altar und Bischof, während die Gemeinde für sie betet.

"Adsum - Hier bin ich, Herr"

P. Lukas Essendorfer zum Priester geweiht

Bad Tölz - Vom Krankenpfleger in Großhadern zum Mönch und Priester: Der Lebensweg von Lorenz Essendorfer führte schon um viele Ecken herum. Gestern erreichte der 43-Jährige ein wichtiges Etappenziel: Er wurde im Beisein vieler Tölzer in St. Bonifaz/München zum Priester geweiht.

Natürlich war der Weiheritus durch Kardinal Reinhard Marx der eigentliche Höhepunkt der zweistündigen Feier. Aber es gab andere berührende und intensive Momente, die auffielen und hängenblieben. Etwa der innige Friedensgruß, den Pater Lukas (so heißt er jetzt im Kloster) mit seinen sichtlich stolzen Eltern austauschte. Oder der Obdachlose, dem der Neupriester mit strahlendem Lächeln als Letztem in einer langen Schlange die Kommunion reichte. Man muss dazu wissen: P. Lukas arbeitet im Pfarrverband Mariahilf-St.Franziskus mit Nichtsesshaften zusammen.

Dazu die ruhige Sicherheit, die beide Weihekandidaten ausstrahlten. Das Benediktinerkloster St. Bonifaz freute sich nach acht Jahren gleich über zwei Priesterweihen. Pater Lukas unterhielt sich kurz vor Beginn des Festgottesdienstes seelenruhig mit Gottesdienstbesuchern. Wer es nicht wusste, wäre nicht draufgekommen, dass er eine Stunde später vor Kardinal Marx sein „Adsum“ („Hier bin ich“) sprechen würde. Da war keine Aufgeregtheit oder Unruhe zu spüren, sondern nur große Gewissheit. „Das werden Gute“, fällte eine erfahrene Kirchenbesucherin aus der ersten Ruhe gelassen ihr Urteil. Der Nachbar nickte.

Vor einer Woche hatte Pater Lukas noch zu Exerzitien in Kloster Niederaltaich geweilt und auf Befragen gemeint: „Natürlich ist man ein bisschen angespannt. Aber ich bin mit mir im Reinen.“ Niederaltaich war bestimmt ein gutes Omen. Ein Tölzer, Emmanuel Heufelder (1898-1982), war dort einer der prägenden Äbte.

Ein schöner Moment war auch, dass Martin Gehringer aus Tölz, der in wenigen Wochen zum Priester geweiht wird, von P. Lukas zu seiner Weihe eingeladen worden war. Gehringer fungierte gestern als Diakon und konnte sich so noch einmal ganz aus der Nähe anschauen, was ihn am 25. Juni erwartet. Am 26. Juni ist Primiz in Tölz.

Kardinal Reinhard Marx, oft forsch und bestimmend auftretend, fand gestern eher sanfte Töne. Seine Predigt kreiste um das Thema Freundschaft zu Jesus, die am Anfang jeder Berufung stehe. Nicht allein um sich selbst zu kreisen, sondern die Menschen rundherum mitzunehmen, darum gehe es. Es sei die Aufgabe der Kirche, inklusiv zu wirken, griff der Erzbischof von München und Freising einen sehr zeitgemäßen Terminus auf und meinte damit die Armen und Schwachen in der Gesellschaft. Dafür seien gerade die Mönche und Priester von St. Bonifaz mitten in München bestens eingerichtet. „Kirche“, so beendete der Kardinal seine Predigt, „soll Hoffnung und Mut machen. Gerade in dieser Welt. Das wünsch’ ich Euch.“

Abt Johannes Eckert von St. Bonifaz dankte dem Kardinal nicht nur mit warmen Worten, sondern versprach ihm im Jahr des großen Bierjubiläums auch ein flüssiges Dankeschön aus Kloster Andechs. Der Bischof reiste gestern Abend noch nach Rom weiter, gab sich aber beim anschließenden Stehempfang noch ganz leutselig. Eine lange Reihe von Gratulanten – viele bekannte Gesichter davon aus Bad Tölz – beglückwünschte den Neupriester, der am Tag vor Maria Himmelfahrt (14. August) seine Heimatprimiz in Bad Tölz feiern wird.

Voll Stolz und Freunde stellte sich auch die Familie von Pater Lukas zum gemeinsamen Foto. Ob sie’s schon früh geahnt habe, dass ihr Lenz einmal Priester werden würde? Nein, meinte Mutter Barbara Essendorfer ehrlich. Obwohl, die Prägung durch den Großvater (Lenz Essendorfer war Pfarrmesner von Maria Himmelfahrt) sei schon enorm gewesen. „Und jetzt wünschen wir ihm einfach alles Gute“, meinte sie schlicht. „Das alles ist einfach wunderbar“, brachte es ihr Mann Lenz auf den Punkt.

Ach ja, noch ein schöner Moment: Gestern fand das Grönemeyer-Konzert am nahen Königsplatz statt. Die ziemlich lauten Tonproben hörten exakt kurz vor Messbeginn auf und starteten pünktlich nach Messende. Wie bestellt.

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