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Volksmusikfreunde unter sich – bei der Veranstaltung „Zwischen den Jahren“ im „Holzwirt“ in Ascholding. 

Ärger über Programmänderung

Isarwinkler Volksmusiker sind sauer auf den BR

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Ab Pfingsten will der Bayerische Rundfunk (BR) alle Volks- und Blasmusiksendungen von Radio Bayern 1 zu BR Heimat verschieben. Dieses Programm ist allerdings nur per Digitalradio zu hören. Es hagelt Kritik.

Volksmusikanten sind in diesen Tagen nicht gut zu sprechen auf den BR. „Das ist eine bodenlose Frechheit“, schimpft Franz Heigl (49) aus Gaißach. Er ist Beisitzer im Bairisch-Alpenländischen Volksmusikverein und hat „null Verständnis“ für die Pläne des Bayerischen Rundfunks. Am Dienstag ist er mit dem Auto zur Musikprobe gefahren und hat von der Neuerung in der abendlichen Volksmusiksendung gehört. „Die darf nicht sang- und klanglos eingestellt werden“, sagt Heigl.

Dafür will sich der Volksmusikverein einsetzen. Dessen Vorsitzender Roman Messerer (57) aus Baiern im Raum Ebersberg kündigte eine Landtags-Petition an. Details wollte er bei einem Empfang mit Markus Söder am Mittwochabend abklären. „Wir freuen uns über die bereits versprochene Unterstützung des Heimatministers“, so Messerer. Für ihn sei es nicht einzusehen, dass ein Gebührensender viele seiner Hörer „aus dem Programm rausschiebt“. Die geplante Streichung der Volksmusiksendungen sei ein weiterer Teil der „Entbajuwarisierung“ des Bayerischen Rundfunks. Auch die überwiegend hochdeutsche Aussprache der BR-Sprecher ist dem Verein ein Dorn im Auge. Die Vereinszeitschrift „Musik & Tradition“ werde sich damit demnächst beschäftigen.

Kein Verständnis für die BR-Pläne hat auch Norbert Weinhuber (66) von den „Tölzer Sängern“. Die Streichung treffe genau die Menschen, die kein Digitalradio haben und sich auch keines zulegen werden. Viele BR-Sendungen seien „nur noch Schmarrn“. Das sei unverständlich. Der Rundfunk habe schließlich auch einen Bildungsauftrag. „Den vermisse ich in vielerlei Hinsicht“, sagt der frühere Schulamtsdirektor. Volksmusik ist für ihn zeitlos schön. „Sie trifft unser Herz und unser Gemüt.“

Sehr enttäuscht von den BR-Plänen ist Bärbl Lindner (69) aus Lenggries. „Da wird den Hörern still und leise die Volksmusik entzogen“, sagt die Sängerin, die selbst unzähligen Mädchen und Buben das Volkslied näher gebracht hat. Das geplante Aus der Volksmusiksendungen bedeutet für sie eine „Verarmung“ des Programms.

„Das leuchtet mir nicht ein, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender die Volksmusikbeiträge einstellen will“, sagt Josef Kloiber (51). Der „Bodo“ – so nennen ihn seine Freunde – ist der Großneffe des legendären „Kraudn Sepp“ aus Gaißach. Er selbst fühlt sich nicht nur der traditionellen Volksmusik verbunden, sondern spielt mit verschiedenen Besetzungen auch neuere Stilrichtungen. Die BR-Hörer aber wollen nach Kloibers Überzeugung in erster Linie „griabige und schmissige Volksmusik“ hören.

Mit der Entscheidung „stößt man treue Hörer, treue Gebührenzahler vor den Kopf“, urteilt der Ickinger Musikant und Moderator von Volksmusikveranstaltungen, Hans Dondl. Der BR habe doch auch einen Bildungsauftrag und dürfe nicht nur den Massengeschmack bedienen. 

Der Ickinger Maximilian Stocker und seine Bekannte Ruth-Maria Frech aus Irschenhausen sind nicht nur sauer, sondern haben gehandelt: Die beiden 24-Jährigen haben eine Online-Petition gestartet. „Natürlich ist Volksmusik nicht jedermanns Sache – aber ich und viele, viele andere hören es gerne“, sagt Stocker. 

Hier geht's zum Kommentar von Redakteur Alois Ostler.

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