Ärger um Geschrei

Mutter gerät in Streit mit Ratskeller-Koch - „Wir wurden rausgeworfen“

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Kindergeschrei in der Wirtschaft bietet Konfliktpotenzial: Im Tölzer „Ratskeller“ eskalierte zuletzt eine Auseinandersetzung zwischen einer Mutter und einem Koch. Die Beteiligten schildern zwei völlig verschiedene Versionen des Vorfalls.

Bad Tölz – Heutzutage werden Debatten gerne im Internet ausgetragen: Jene über Kinder in Gaststätten fand dieser Tage auf der Facebook-Seite des Tölzer Kurier statt – und erregte große Aufmerksamkeit. 68 Menschen teilten Sandra Zeilers Beitrag, 70 kommentierten ihn. Die 33-jährige Olchingerin war am vergangenen Sonntag mit ihrem Mann und den beiden kleinen Töchtern bei ihren Eltern in Bad Tölz zu Besuch. Zum Mittagessen wollte die Familie in den „Ratskeller“ an der Marktstraße. Sie blieb dort nicht einmal 20 Minuten. Was war geschehen? Aus der Sicht von Sandra Zeiler, die sich auch per Facebook-Nachricht an die Redaktion wandte, passierte Folgendes: „Wir wurden vom cholerischen Junior-Chef rausgeworfen. Mit den Worten: „Schleicht’s eich, mia san koa Kindergarten!‘“

Aber von vorne: Man habe gerade die Getränke bekommen, als die Bedienung noch einmal an den Tisch der Familie kam. Sie habe die Sechser-Gruppe aufgefordert, sich nach draußen zu setzen, weil das kleinste Kind am Tisch zu laut sei. Der Junior-Chef habe das angeordnet, weil einem in der Küche „die Ohren wegfliegen“.

„Ein Baby ist leider nicht so leicht einzubremsen“

Das Kind, Zeilers zehn Monate alte Tochter, habe tatsächlich „mit den Händen auf den Tisch gehauen und Laute von sich gegeben. Ein Baby ist leider noch nicht so einzubremsen wie ein älteres Kind“, sagt die Mutter, die auch Tage später noch verärgert über den Vorfall ist. Sie sei aufgestanden und habe den besagten Junior-Chef zur Rede gestellt. Dann eskalierte die Situation, „ein Gespräch mit dem Herrn war nicht möglich“, sagt Zeiler. Die Familie verließ das Lokal, ohne gegessen zu haben. „Diese Reaktion war unverschämt. Das ist keine Art.“

Der Angesprochene, Peter Kloo, Junior-Chef und „Ratskeller“-Koch, schildert die Situation auf eine völlig andere Weise. Das mit dem „Kindergarten“ – oder „Kinderspielplatz“ wie er sagt, räumt Kloo ein. „Aber ,Schleicht’s eich‘ habe ich nicht gesagt.“ Erst einmal erklärt der Koch, dass es „hier fürchterlich hallt“. Wer die Gewölbe-Gaststube kennt, kann dies bestätigen. Auch Sandra Zeiler tut das. Für Kloo ist sie eine „Furie und Über-Mama“. Nach der Aufforderung durch die Bedienung, sich ins Nebenzimmer oder nach draußen zu setzen, sei sie sofort in die Küche gestürmt, habe losgebrüllt und gefragt, warum man sie rauswerfe.

Debatte wird auf Facebook ausgetragen

Davon sei aber gar nicht die Rede gewesen, sagt Kloo. Der Koch habe nur die Bestellungen in der Küche nicht mehr verstanden und daher reagieren müssen. „Es war einfach zu laut. Wir müssen auf alle Gäste achten.“ Das Haus sei am Sonntag voll gewesen. „Ich hatte keine Zeit für große Diskussionen.“ Die gab es nun auf der Kurier-Facebook-Seite. Kloo sei daraufhin von anderen Wirten angeschrieben worden, die Ähnliches erlebt hätten. „Man wird heute schnell als kinderfeindlich hingestellt“, sagt er. Für Sandra Zeiler war der Weg an die Öffentlichkeit eine Ausnahme, wie sie klarstellt. Eigentlich regle sie so etwas persönlich. „Aber diese Sache hat mich einfach zu sehr geärgert.“

In zwei Dingen sind sich die Beteiligten einig. Erstens: Ein Kind mit zehn Monaten macht Lärm. „Das Mädchen kann da gar nichts dafür“, sagt „Ratskeller“-Wirt Peter Mayerhofer. Zweitens: Eigentlich macht man fast immer positive Erfahrungen – die Olchinger Familie in anderen Wirtshäusern, der Ratskeller mit anderen Familien.

Rubriklistenbild: © dpa

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