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Kandidaten-Runde: Im Tölzer Landratsamt informierten sich (v. li.) Maximilian Stocker (Bayernpartei), Fritz Haugg (FDP), Alexander Radwan (CSU) und Hannes Gräbner (SPD) über die Wahlergebnisse.

Bundestagswahl 2017

AfD-Ergebnis trübt die Stimmung

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  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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  • Andreas Steppan
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So richtige Stimmung wollte bei den Wahlpartys im Landkreis nicht aufkommen. Zwar freute sich beispielsweise die FDP im „Binderbräu“ über das eigene Abschneiden. Allgemein herrschte aber Betroffenheit über das gute Abschneiden der AfD.

Bad Tölz-WolfratshausenEin kleines Häuflein von 15 CSU-Anhängern hat sich zur Wahlparty im Tölzer „Gasthaus“ eingefunden. Kreisvorsitzender Martin Bachhuber schreitet mit aufgeblähten Backen durch den Raum, schnauft tief durch. Ob er nervös sei? „Nein“, entgegnet der Landtagsabgeordnete. An den Info-Ständen habe er festgestellt, dass in der Bevölkerung eine große Unzufriedenheit herrsche. Er stelle sich daher auf das Schlimmste ein. Als Moderator Jörg Schönenborn verkündet, dass die CSU auf gerade mal 38,5 Prozent der Stimmen kommt, herrscht im Raum minutenlang Totenstille. „So eine Scheiße“, zischt es aus einer Ecke. „Das ist niederschmetternd“, sagt Bachhuber.

Der Direktkandidat der CSU, Alexander Radwan, wartet derweil im Tölzer Landratsamt auf das Eintrudeln der Ergebnisse. Sehr viel später an diesem Abend wird er erleichtert anmerken, dass er dem Abwärtstrend der CSU getrotzt hat. Zumindest etwas: Doch auch Radwans Ergebnis ist deutlich schlechter als vor vier Jahren. 54,1 Prozent der Erststimmen holte der Bundestagsabgeordnete damals. Jetzt sind es gut sechs Prozent weniger – und das trotz des Mammutwahlkampfs und der zahllosen Ministerbesuche in den vergangenen Wochen.

Ansonsten wird das Bundes-Ergebnis, das auf zwei Großleinwänden in den Sitzungssaal übertragen wird, von den Anwesenden eher mit eisigem Schweigen entgegengenommen. Als das AfD-Ergebnis angezeigt wird, gibt es ein leises Aufstöhnen.

Gelöst ist die Stimmung dagegen bei der Wahlparty der FDP im „Binderbräu“. „Schön wäre es, wenn wir außerdem drittstärkste Kraft würden“, sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende Torsten Mohr um kurz vor 18 Uhr. „Und der dritte tolle Erfolg wäre, wenn wir Angela Merkel zur Bundeskanzlerin wählen dürften.“ 18 Mitglieder der Partei schauen um 18 Uhr auf eine Großleinwand. Als der Balken der Liberalen bis auf über zehn Prozent hochfährt, gibt es Jubelrufe, einige reißen die Arme nach oben. Als gleich darauf der Balken der AfD noch größer wird, folgen ernüchterte Ausrufe. Doch dann tritt Kreisvorsitzender Klaus Andrae vor seine Parteifreunde: „Da das Ergebnis so positiv ist, laden wir Euch alle zu einem Drink ein.“

Ein Stockwerk höher haben sich fünf Anhänger der Bayernpartei zusammengesetzt. „Es war ja klar, dass wir es nicht in den Bundestag schaffen“, sagt Kreisrat Josef Eichner. Bedauern für die Verluste der CSU ist im Raum nicht zu spüren. „Mit der CSU hab’ ich nichts am Hut“, betont Eichner. Die Runde ist sich einig: „Nächstes Jahr bei der Landtagswahl schaut’s anders aus.“

Sehr entspannt ist am Wahlabend AfD-Kandidat Constantin von Anhalt-Dessau. Seine Partei ist in vielen Gemeinden im Landkreis zweitstärkste Partei. Nach Schließung der Wahllokale, habe er zusammen mit Parteifreunden noch an mehreren Orten bei der Auszählung vorbeigeschaut, „Wahlbeobachtung“ betrieben, wie von Anhalt sagt. „Wir werden jetzt in Tegernsee in kleiner Runde noch ganz entspannt ein Weißbier trinken.“

Der Geretsrieder Andreas Wagner von der Linken ist der Überraschungssieger: Er zieht aller Voraussicht nach in den Bundestag ein. Ihm kommt das gute Zweitstimmenergebnis der Linken in Bayern zugute. Das sorgt dafür, dass einige Kandidaten von den obersten Listenplätzen ins Parlament kommen. Seine Genossen hatten den Geretsrieder auf Listenplatz sechs gewählt. „Für mich beginnt am Montag wohl ein neuer Lebensabschnitt“, sagt Wagner bei der Wahlparty im Lokal „Der Grieche“ in Wolfratshausen-Farchet. So richtig glauben kann er’s zwar noch nicht, doch gegen 22.30 Uhr ordert der 45-Jährige eine Flasche Sekt: „Die machen wir jetzt auf!“  va/ast/pr/cce

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