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Beliebte Alternative zum Hotel: Auf der Internetplattform Airbnb bieten Vermieter ihr Zuhause als Unterkunft an – in Zeiten der Wohnungsnot ist diese Zweckentfremdung nicht unumstritten.

Internetplattform ermöglicht Untervermieten von Wohnungen

Airbnb: Geklauter Wohnraum ?

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Die Internetplattform Airbnb hat ihre Schattenseiten: Es stiehlt dringend benötigten Wohnraum. Die Stadt München geht mittlerweile scharf vor gegen diese Zweckentfremdung. Im Landkreis ist das (noch) nicht der Fall.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wer in den Ferien schon mal eine über die Internetplattform Airbnb gebuchte Unterkunft bewohnt hat, weiß deren Vorteile durchaus zu schätzen: Man ist autark, hat oftmals mehr Platz, und günstiger als ein Hotel ist es meistens auch noch. Doch das Konzept birgt seine Schattenseiten, denn es stiehlt dringend benötigten Wohnraum – erst recht in einer gefragten Metropolregion wie der hiesigen. Die Stadt München geht mittlerweile scharf vor gegen diese Zweckentfremdung. Im Landkreis ist das (noch) nicht der Fall.

Airbnb sei im Landratsamt bisher kein Thema gewesen, sagt Pressesprecherin Sabine Schmid, „und mir sind in dieser Hinsicht auch keine Probleme bekannt“. Beschwerden – wegen Lärms oder zugeparkter Stellflächen zum Beispiel –, denen die Kreisbehörde dann nachgehen würde, sind „meines Wissens“ ebenfalls nicht eingegangen.

Schmids Pendant im Tölzer Rathaus, Birte Otterbach, hat auch nichts dergleichen gehört. Sie verweist jedoch an Brita Hohenreiter, die „dazu sicher mehr sagen“ könne. Und tatsächlich: Hohenreiter hat eine Menge zu erzählen – wenngleich anderes als erwartet. Die Tölzer Kur- und Tourismusdirektorin sorgt sich nämlich um die touristische Attraktivität ihrer Stadt – und um deren Übernachtungskapazitäten. „Im Jahr 2010 hatten wir noch 2600 Fremdenbetten zur Verfügung“, sagt Hohenreiter, 2018 seien es nur noch 2058 gewesen. Die Sicherung touristischer Übernachtungsmöglichkeiten erachtet sie deshalb als eine ihrer wichtigsten Aufgaben: „Ich kämpfe seit Jahren um jedes Bett.“ Dass dies in einer Airbnb-Unterkunft stehen könnte, sieht Hohenreiter nicht als ein Problem in Tölz. Als Beweis surft sie parallel zum Telefongespräch die Seiten des Anbieters ab und kommt zum Schluss: „In der Stadt und drumherum gibt es nur eine Handvoll Angebote.“ Einen Erklärungsversuch liefert die Tourismus-Chefin gleich hinterher. Es sei doch inzwischen eher andersherum – zumindest in Bad Tölz, sagt Brita Hohenreiter: Der Wohnungsmarkt dränge wegen der hohen Mietpreise den touristischen Bereich zurück. „Mit Wohnen lässt sich sehr, sehr viel Geld verdienen. Viele, die bei uns früher vielleicht ein kleines Gästehaus führten, bauen es doch heute lieber zu festen Wohnungen um.“

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Gibt man ins Suchfeld bei Airbnb den Namen Wolfratshausen ein, spuckt das System von der Loisachstadt ausgehend über Gelting bis nach Geretsried hinein zahlreiche Unterkünfte aus. Vom Einzelzimmer bis zum kompletten Appartement oder gar Haus ist alles dabei. Für eine Stadt, in der Wohnraum auch aufgrund ihrer geografischen Lage – eingeklemmt zwischen Bergwald und Loisach – sehr knapp bemessen ist, ist das Angebot ziemlich üppig. Dennoch: Die Stadtverwaltung hat die Fremdnutzung von Wohnungen bislang noch nicht zu einem Thema gemacht. „Wie wollen Sie das auch kontrollieren?“, fragt Susanne Leonhard. Ob jemand nur ein Zimmer oder gleich sein sein ganzes Apartment dauerhaft an Urlauber vermietet oder nur zeitweise – beispielsweise wenn er selbst in die Ferien fährt –, lässt sich laut der Leiterin des Wolfratshauser Bauamts für die Verwaltung kaum herausfinden – „auch wenn sich das Finanzamt dafür sicher interessieren würde“.

In Geretsried fällt Wohnraumklau durch Airbnb und ähnliche Internetdienstleister aktuell kaum ins Gewicht. „Das Thema ist bei uns bisher nicht aufgeschlagen und auch von politischer Seite noch nicht angesprochen worden“, sagt Ute Raach, Geschäftsleiterin im Rathaus. Geretsried sei aber auch kein klassisches Tourismusziel.

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In München haben es Untervermieter schwerer: Die Landeshauptstadt erließ auf der Grundlage des Gesetzes über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum (ZwEWG) eine Satzung. Nach der ist die anderweitige Nutzung einer Wohnung genehmigungspflichtig, sofern gewisse Kriterien zutreffen. Und die Stadt setzt diese Satzung um: So muss Airbnb die Daten eines jeden preisgeben, der seine Wohnung länger als acht Wochen im Jahr untervermietet. Ein Beispiel, das künftig Schule machen könnte: In Herrsching will der dortige SPD-Ortsverein prüfen lassen, ob sich das Münchner Vorgehen für die Tourismusregion am Ammersee übernehmen lasse.

peb

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