+
„Warum fahren Sie so schnell?“, fragten die Drittklässler (v. li.) Emma, Melek und Nehir von der Tölzer Jahnschule die Autofahrer. Unterstützung bekamen sie von den Polizisten (v. li.) Stephanie Soldner, Susanna Weber und Lars Werner. 

Aktion von Polizei und Tölzer Schule

Wer langsam fährt, bekommt Schokolade

Bad Tölz - Wer beim Autofahren in der 30er-Zone geblitzt wird, bekommt ein Bußgeld. Dass diese Autofahrer aber zur Strafe auch einen sehr sauren Kaugummi essen müssen, das war gestern eine Premiere in Bad Tölz. Die Polizei holte sich Schulkinder der Jahnschule zur Aktion „Schokolade oder Zitrone“ zu Hilfe, um den Schnellfahrern ins Gewissen zu reden.

Stau in der Theodor-Körner-Straße?! Am Donnerstagmittag war das glatt der Fall. Nicht nur mehrere Fahrzeuge wurden wegen zu schneller Geschwindigkeit aus dem Verkehr gewunken, sondern neben Polizisten stellten auch Schulkinder den Verkehrssündern Fragen.

Nehir hatte sich wie ihre Klassenkameraden Fragen auf einen Zettel geschrieben: Einige für die braven Autofahrer, einige für die zu schnellen Fahrer. „Was wäre, wenn ein Kind verletzt würde?“, fragte sie beispielsweise. Ihre Kameradin Martha klang da frecher: „Geht’s noch schneller vor einer Schule? Ist die Jahnschule eine Autobahn? Sind Sie auf der Flucht?!“

Bei diesen Fragen hob ein Angehaltener verblüfft die Augenbrauen. Er hatte zunächst unwirsch auf seine erzwungene Fahrtunterbrechung reagiert, aber als die Schülerinnen vor ihm standen, begann er doch zu schmunzeln. „Ich fahre selten durch Bad Tölz und habe nicht aufgepasst“, gestand er. Er bekam einen Kaugummi mit saurer Brausemischung, den er vor den Kindern und Polizeihauptmeisterin Susanna Weber gleich kauen musste. Sein Gesichtsausdruck zeigte, dass das kein Vergnügen war. Aber dafür wurde dem Autofahrer das Bußgeld in Höhe von 25 Euro erlassen.

„Bei dieser Aktion geht es in erster Linie nicht ums Bußgeld“, erklärte Hauptkommissar Lars Werner, der das Projekt leitete, „sondern ums Verständnis.“ Vor einem Jahr habe die Aktion, die vom Verkehrsministerium komme, in Rosenheim mit positivem Effekt stattgefunden. „Gestern haben das Kollegen in Geretsried gemacht“, so Werner.

Nachdem an der Tölzer Jahnstraße alles reibungslos ablief, kann er sich eine Wiederholung vorstellen. Kleine Schokoladenstücke bekamen die „braven“ Autofahrer – sie wurden nämlich auch herausgewunken und wunderten sich nicht schlecht. Jedesmal, wenn ein Fahrzeug angehalten wurde, freuten sich die Schüler hüpfend.

Ein Autofahrer, der sich erst wunderte und dann lachte, war Helmut Pagel. Er hatte sich brav an 30 Kilometer pro Stunde gehalten und bekam von den beiden Schülern Maximilian und Mohamad ein Stückchen Schokolade geschenkt. „So eine Aktion finde ich sehr gut“, lobte er die Kinder und die Polizei. Ein älterer Verkehrssünder, der 35 Euro hätte bezahlen müssen, erklärte seine zu schnelle Fahrweise originell: „Wisst Ihr, das ist gar nicht mein Auto. Das ist ein Leihwagen, und der zieht so schnell an, dass ich mich nicht an 30 Stundenkilometer halten konnte.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Brand: Verkehrsbehinderungen auf der B472
Brand: Verkehrsbehinderungen auf der B472
Heute Antik- und Sammlermarkt im Kloster Benediktbeuern
Heute Antik- und Sammlermarkt im Kloster Benediktbeuern
Weihwasser für neue Lenggrieser Drehleiter
Weihwasser für neue Lenggrieser Drehleiter

Kommentare