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Malerisch: Der Tölzer Christkindlmarkt ist ein wichtiger Besuchermagnet für die Stadt. 

Fragen und Antworten

Zeitenwende auf dem Christkindlmarkt?

Bad Tölz –  Im 23. Jahr organisieren die Aktiven Tölzer heuer den Christkindlmarkt. Es könnte das letzte Mal sein – zumindest, wenn es nach dem Willen von Bürgermeister Josef Janker geht. So geht es jetzt weiter.

Bürgermeister Josef Janker  kündigte er in der chaotischen Jahresversammlung des Vereins am Freitag an, den Tölzer Christkindlmarkt in die Hände eines anderen Veranstalters legen zu wollen. Damit könnte ein Epochenwechsel für einen der größten Besuchermagneten der Stadt anstehen – Fragen und Antworten.

Welche rechtliche Möglichkeit hat die Stadt, den Aktiven Tölzern den Markt zu entziehen?

„Die Aktiven Tölzer müssen jedes Jahr einen Antrag stellen, den Markt in der Marktstraße veranstalten zu dürfen“, erklärt dazu Bürgermeister Janker. Es obliegt der Stadt, die Genehmigung zu erteilen – oder eben nicht. Die Aktiven Tölzer haben den Christkindlmarkt einst ins Leben gerufen – eine Art Urheberrecht können sie daraus aus Sicht von Kurdirektorin Brita Hohenreiter nicht ableiten. „Einen Christkindlmarkt gibt es in fast jeder Stadt.“

Wer soll den Markt stattdessen organisieren?

„Ich werde dem Stadtrat beziehungsweise dem zuständigen Bauausschuss zwei Möglichkeiten empfehlen“, kündigt Janker an. „Eine Variante ist, die Veranstaltung auszuschreiben. Dann könnte sich jeder bewerben – auch die Aktiven Tölzer – und ein Konzept vorlegen.“ Der zweite Weg sei, dass die Stadt selbst den Markt auf die Beine stelle, genauer gesagt die Tourist-Info (TI).

„Das Know-how haben wir im Haus, wir haben ja eine eigene Veranstaltungsabteilung“, sagt dazu TI-Chefin Brita Hohenreiter. Natürlich sei sie sich bewusst, „dass ein Markt dieser Größenordnung richtig viel Arbeit bedeutet“, räumt sie ein. Wie das in der Praxis zu lösen sei, müsse man sehen – auch „zusätzliche Hilfe von außen“ sei denkbar.

Warum will Janker den Aktiven Tölzern den Markt wegnehmen?

Janker stört sich am öffentlichen Bild, das der Verein abgibt. Dieses sei geprägt von „Zank, Streit und Vorwürfen, die nicht ausgeräumt werden können“. Vor diesem Hintergrund sei keine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich. „So kann’s nicht weitergehen.“ Auch Hohenreiter befürchtet, dass die andauernden internen Querelen auf das Image des Markts abfärben könnten. „Der Markt ist sehr wichtig für die Übernachtungszahlen, den Tagestourismus und als Frequenzbringer für den Handel. Das sollten wir uns nicht kaputtmachen lassen.“

Er habe bereits in einem Gespräch im März eine klare Ansage gemacht, so Janker: Die Unterstützung der Stadt sei an zwei Bedingungen geknüpft, nämlich einen personellen Neuanfang mit einem unbelasteten Vorstand sowie „satzungsgemäßes Handeln“. In der Jahresversammlung am Freitag sei die „Chance zu einem Neuanfang“ vertan worden.

Davon abgesehen stellt der Bürgermeister fest, dass die Aktiven Tölzer längst kein Verein mehr seien, der sich für die Interessen des Handels in der Innenstadt einsetzt. Heute sei der einzige Zweck der Vereinigung, Oster- und Christkindlmarkt auszurichten. In der Versammlung am Freitag habe er von 41 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern noch 12 bis 15 als Tölzer Geschäftsleute erkannt. Der Rest seien offenbar Standbetreiber gewesen. „Was die Aktiven Tölzer betreiben, ist ein reines Gewerbe“, so Janker. „Da kann ich den Markt auch gleich an einen gewerblichen Veranstalter vergeben.“

Hat die Stadt schon Konsequenzen gezogen?

Wie Janker bestätigt, hat die Stadt heuer ihren Zuschuss von rund 9000 Euro gestrichen. Die Betriebshofleistungen, die die Aktiven Tölzer früher kostenlos bekamen, habe die Stadt diesmal in Rechnung gestellt.

Will die Stadt das Konzept des Christkindlmarkts ändern?

 „Am Markt selbst kann ich nichts Wesentliches aussetzen“, sagt Janker. „Er ist sehr gut besucht und schaut toll aus.“ Dazu hätten übrigens die Hausbesitzer an der Marktstraße einen großen Beitrag geleistet, die ihre Fenster schmückten. Kritik an einem Übergewicht an Essens- und Getränkeständen, gebe es zwar immer wieder, räumt Hohenreiter ein. „Ganz neutral muss man aber sagen, dass der Markt konzeptionell in Ordnung ist.“ Eine Neuvergabe biete freilich die Chance, eventuell ein ganz neues Konzept vorgestellt zu bekommen, so Janker. 

Andreas Steppan

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