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In der Feuerwache 2 im Münchner Südwesten hielten sich die 27 Einsatzkräfte aus dem Landkreis zusammen mit zahlreichen Kollegen auf Abruf bereit.

Amoklauf im OEZ

Was Landkreisbürger in München erlebt haben

Bad Tölz-Wolfratshausen - Von einer Sekunde auf die andere wurde aus einem fiktiven Szenario ein realer Einsatz: BRK und Feuerwehr mussten am Freitagabend eine Großübung bei Bad Heilbrunn abbrechen, weil ein Teil der Kräfte nach dem Amoklauf in die Landeshauptstadt beordert wurde.

Eigentlich wollten die Rettungskräfte von BRK und Feuerwehr in den Wäldern bei Bad Heilbrunn das Vorgehen im Falle eines Flugzeugabsturzes trainieren. Am Ende fand sich ein Teil der Ehrenamtlichen auf der Feuerwache 2 in München wieder. Von dort hätten sie bei Bedarf ausrücken können, um ihre Kollegen vor Ort zu unterstützen.

27 Helfer aus dem Landkreis auf Abruf

„Wir haben spontan aus der Übungssituation in eine reale Lage wechseln müssen von der jeder wusste, dass sie eintreffen kann, aber jeder gehofft hat, dass das nie der Fall sein würde“, sagt BRK-Kreisbereitschaftsleiter Jörg Kastner. Mit ihm waren 27 Helfer aus Bad Tölz, Dietramszell und Wolfratshausen nach München beordert worden, wo am Freitagabend ein Amokläufer ein Blutbad angerichtet hat.

Als sich die Einsatzkräfte um 19.45 Uhr auf den Weg in die Landeshauptstadt machten, stand allerdings noch die Befürchtung im Raum, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte. Entsprechend gemischt waren Kastners Gefühle, als er auf der Autobahn in Richtung Einsatzort fuhr: „Auf der einen Seite wussten wir nicht, wie sich die Sache entwickeln würde“, berichtet der Familienvater. „Auf der anderen Seite war es eine Möglichkeit zu helfen, und dafür sind wir da.“ Am Ende mussten die Rotkreuzler aus der Region nicht tätig werden. Bis 0.30 Uhr standen sie zusammen mit zahlreichen Kameraden in der Feuerwache 2 auf Abruf, ehe es gegen 0.30 Uhr Entwarnung gab. „Es herrschte gespanntes Schweigen“, beschreibt Kastner die Atmosphäre vor Ort. Die meisten verfolgten an ihren Smartphones die aktuelle Entwicklung der Ereignisse.

Kellner versperren Türen mit Mobiliar

Auch Robert Lug hatte am Freitagabend sein Handy stets im Blick. Der Stadt- und Kreisrat aus Geretsried saß in der Nähe des Bayerischen Hofs in einem Restaurant. Zuvor hatte er Freunde aus Mallorca am Münchner Flughafen abgeholt. Bereits auf dem Weg dorthin hatten ihn dutzende Polizeifahrzeuge mit Blaulicht überholt. „Das Ganze wirkte sehr bedrohlich, es war klar, dass es sich hier nicht um irgendeinen Taschendiebstahl handeln konnte.“ Wie ernst die Lage war, realisierte Lug, als er gegen 19.30 Uhr das sonst um diese Zeit sehr gut gefüllte Restaurant „Burger & Lobster Bank“ fast leer vorfand. Als die Angestellten schließlich die Türen des Restaurants abschlossen und zusätzlich mit dem Mobiliar versperrten, rief Lug Freunde und Familienmitglieder an, um ihnen zu mitzuteilen, dass es ihm gut geht. Angst um sein Leben hatte Lug nicht. „Ich habe mir mit einem gewissen Fatalismus gedacht: ,Wenn mir etwas passiert, passiert es eben.‘“ Trotzdem war der 52-Jährige natürlich froh, als er spätnachts wohlbehalten sein kleines Apartment an der Sendlinger Straße betrat. Der Abend war ein einschneidendes Erlebnis für den Kommunalpolitiker: „Jeder war schon mal in einem McDonalds oder im OEZ“, sagt Lug. „Es ist schon etwas anderes, wenn so etwas Schreckliches direkt vor der Haustür passiert.“

"Max" spielte auf dem Tollwood-Festival

Der Geretsrieder Max Wagner spielte am Freitag mit seiner Formation „MAX“ von 16 bis 18 Uhr im Andechser Zelt auf dem Tollwood-Festival in der Nähe des OEZ. Das Festival wurde nach dem Amoklauf abgebrochen. Wagner postete am Samstag am Samstag auf seiner Facebookseite: „Die aktuellen Ereignisse haben uns gestern richtig geschockt und schocken uns immer noch! Wir hoffen, dass ihr alle sicher nach Hause gekommen seid!“

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